Wenige Meter vor dem Ziel nach aberwitzigen 604,6 Kilometern in der sengenden Hitze Kaliforniens verlangsamte Arda Saatci das Tempo, griff nach dem aufgespannten Band und schrie seine Freude mit geschlossenen Augen heraus. In diesem Moment schien die Last des schier endlosen Laufs durch das Death Valley abzufallen. 123 Stunden hatte der Berliner gebraucht – und er war gerade noch schnell genug, um am Muttertag ein Versprechen einzulösen.
"Mama, es ist Zeit für Eis", sagte Saatci nur Augenblicke nach seinem Zieleinlauf auf dem von Hunderten Menschen gesäumten Santa Monica Pier. Millionen Fans auf den Streaming-Plattformen YouTube und Twitch sahen am späten Sonntagabend den intimen Moment, als der 28-Jährige das Eis "mit Liebe" servierte.
Sein großes sportliches Ziel aber hatte Saatci trotz seiner sensationellen Leistung verfehlt. "Ich laufe über 600 Kilometer – das sind mehr als 14 Marathons – in unter 96 Stunden", hatte der Athlet Ende April angekündigt. Drei Tage nach seinem Start am 5. Mai vom tiefsten Punkt der USA, dem Badwater Basin, folgte dann die tränenreiche Entschuldigung.
Über zwei Millionen Live-Zuschauer
"Der Einzige, der nicht mitgespielt hat, war ich", sagte Saatci beim Stand von 458 Kilometern: "Das, was ihr aber niemals von mir sehen werdet, ist, dass ich aufgebe." Also brachte Saatci den von Ärzten und einem großen Kamerateam begleiteten Lauf noch zu Ende.
Weltweit begeisterte er die Menschen, gewann unzählige Fans und wurde zu einem wahren Internetphänomen. Schließlich trotzte er Temperaturen von fast 40 Grad. Bedingungen, die ihm bis zu 1,5 Liter Flüssigkeit pro Stunde abverlangten. Allein auf Instagram stieg die Anzahl seiner Follower während seines widrigen Wegs durch die Wüste von 1,3 auf 2,3 Millionen. Zeitweise verfolgten ihn über zwei Millionen Menschen live.
Unter den Anhängern Saatcis, der türkische Wurzeln hat, waren auch eine ganze Reihe prominenter Fußballer. "Was Arda da leistet, ist unglaublich. Das ist unmenschlich", hatte etwa der türkische Nationalspieler Kenan Yildiz gesagt. Aufgrund des Zeitdrucks gönnte sich Saatci nur kurze Schlafphasen von 15 bis 30 Minuten.
Fußball "brach" ihm das Herz
Neben etlichen Fans war auch der frühere Bundesliga-Profi Hamit Altintop mit einem besonderen Geschenk nach Santa Monica gereist. "Du bist ein super Beispiel für alle", sagte Altintop und überreichte dem Extremsportler ein Trikot der türkischen Nationalmannschaft mit dem Namen Yildiz als Flock und den Unterschriften aller Spieler.
Ganz viel Liebe also vom Profi-Fußball, der Saatci einst verschmähte. "Fußball hat mir mein Herz gebrochen", hatte er einmal den ungestillten Durst nach Extremen begründet. Auch in Kalifornien platze sein Traum von 600 km in 96 Stunden. Die wohl wichtigere Botschaft konnte er allerdings an das junge Publikum erfolgreich adressieren.
"Strebt nach den Sternen, auch wenn nicht immer alles perfekt läuft, und vergleicht euch nicht mit anderen. Letztendlich zählt nur, dass ihr euren eigenen Weg geht", sagte Saatci auf dem Pier.
