"Fairplay siegt nicht immer": Prevc' "Geisterski" sorgt für viel Wirbel

Ein Schanzenmitarbeiter sammelte die Ski von Prevc ein.
Ein Schanzenmitarbeiter sammelte die Ski von Prevc ein.ČTK / imago sportfotodienst / Revierfoto

War es der Mann mit dem Regenschirm? Oder doch der glitschige Untergrund? Wer genau die Schuld am gefährlichen "Geisterski" von Domen Prevc trägt, war auch einen Tag nach dem WM-Drama in Oberstdorf noch Gegenstand zahlreicher Diskussionen. Fest steht: Der "Ski-Flug" beim Skifliegen hätte böse enden können. Er wolle sich "gar nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn jemanden getroffen worden wäre", sagte auch FIS-Renndirektor Sandro Pertile.

Zum Glück trafen die Ski weder bei ihrer Rutschpartie auf der Schanze noch beim Flug in Richtung Tal einen Helfer oder Fotografen. Abgehakt ist das Thema damit aber noch lange nicht. Der slowenische Verband SZS kündigte einen weiteren Protest an. "Was oben auf der Schanze passiert ist, ist nicht im Sinne des Skispringens. Es muss sich etwas ändern", sagte Sportdirektor Gorazd Pogorelcnik im slowenischen Fernsehen.

Am Ergebnis werde der Protest zwar nichts mehr ändern, aber Pogorelcnik erhofft sich durch die Diskussion mehr Kameras im Absprungbereich, um der Jury bei künftigen Fällen zu helfen. Denn auch am Montag war weiter unklar, warum sich die Ski von Weltmeister Prevc selbständig machten.

"Es gibt zwei Versionen. Laut der ersten lehnte Domen seine Ski an ein Zelt, wo sie wegrutschten. Später kam eine zweite hinzu. Einer der Vorspringer sah demnach einen freiwilligen Helfer, der sich mit einem Regenschirm umdrehte und die Ski berührte, die dann auf die Schanze rutschten", sagte Pogorelcnik. Ein Ski flog gut 50 Meter durch die Luft und knallte dann in eine Bande.

Weil Prevc als Folge zu spät springbereit war, durfte der Einzel-Weltmeister im ersten Durchgang nicht mehr antreten – ein resoluter Funktionär ließ ihn mit den Worten "Finish" und "Nein, nein, nein, nein, nein" nicht mehr auf die Schanze. Damit waren die Medaillenchancen von Titelverteidiger Slowenien im Teamwettbewerb dahin.

Prevc durfte im zweiten Durchgang zwar wieder starten, doch eine Medaille war außer Reichweite. Sogar die slowenische Staatspräsidentin äußerte sich im Anschluss. "Ihr habt das, was heute passiert ist, nicht verdient. Leider siegt Fair Play nicht immer", schrieb Natasa Pirc Musar in einer Botschaft an das Team. Das Land sei dennoch stolz.

Schuster sieht Schuld bei Prevc

Wenig Zweifel bestanden indes daran, dass Prevc besser hätte aufpassen müssen. "Er muss die Ski so hinlegen, dass sie nicht in die Spur rutschen – selbst wenn jemand mit dem Regenschirm dranstößt", sagte der ehemalige Bundestrainer Werner Schuster dem SID. "Mir tut es echt leid für ihn. Aber es ist eine gefährliche Situation für alle Beteiligten entstanden – auch für den Springer, der auf dem Balken saß", fügte der Eurosport-Experte an.

Prevc selbst äußerte sich nach dem Vorfall zunächst nicht, wirkte bei der Begegnung mit seinen Teamkollegen aber betrübt. Am Abend postete er auf Instagram ein Video, in dem nur der starke Schneefall zu sehen war – ohne weiteren Kommentar.