Winterspiele im Klimawandel: Wenn Olympia der Schnee ausgeht

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien starten am kommenden Freitag.
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien starten am kommenden Freitag.REUTERS/Claudia Greco

In Recoaro Mille steht die Seilbahn seit 2017 still. "Einst war hier ein Skiresort, aber es schneit kaum noch in dieser Höhe", sagt der stellvertretende Bürgermeister Enrico Storti. Das Skigebiet in den kleinen Dolomiten, nur 115 Kilometer Luftlinie von den olympischen Pisten in Cortina entfernt, ist nicht alleine. Laut der Umweltorganisation Legambiente zwang der Klimawandel schon 249 Resorts in Italien in die Knie.

Auch Olympia bekommt die steigenden Temperaturen mehr und mehr zu spüren. Das Organisationskomitee der Spiele in Mailand und Cortina will 2,4 Millionen Kubikmeter Kunstschnee produzieren - sicher ist sicher. Peking 2022 wäre ohne künstlichen Schnee kaum vorstellbar gewesen. Die Bilder von dünnen weißen Streifen am Hang sind noch in schlechter Erinnerung.

Sind Winterspiele also schon bald Schnee von gestern? Das Beispiel Cortina macht wenig Mut. Seit 1956, als Olympia dort erstmals zu Gast war, sind die Temperaturen laut der Organisation Climate Central im Monat Februar um 3,6 Grad Celsius gestiegen. Zudem werden 41 Frosttage weniger pro Jahr verzeichnet. Die durchschnittliche Schneehöhe sank von 1971 bis 2019 um 15 Zentimeter.

Klimabilanz von Olympia umstritten

Auch an allen anderen Austragungsorten der jüngsten 19 Winterspiele ist es von 1950 bis 2021 im Februar deutlich wärmer geworden, im Mittel um 2,7 Grad. Der Blick in die Zukunft fällt ebenfalls bedenklich aus: Von 93 potenziellen Austragungsorten werden in den 2050er-Jahren laut Berechnungen nur 52 noch zuverlässige Bedingungen bieten.

Einig sind sich alle Studien, dass die Treibhausgasemissionen reduziert werden müssen. Gelingt dies nicht, wäre es ab 2080 an den meisten untersuchten Orten zu warm, wie eine unabhängige, vom IOC beauftragte Untersuchung im Jahr 2024 ergab.

In dem Fall würde wohl nur noch ein Retorten-Olympia bleiben - etwa in Saudi-Arabien, wo eigentlich 2029 die Asien-Winterspiele stattfinden sollten, bis das Projekt Ende Januar verschoben wurde. Auch in den Bergen der Provinz Tabuk sollte trotz der Höhe von 1500 bis 2600 Metern der Schnee überwiegend künstlich produziert werden.

In Recoaro Mille sind Schneekanonen keine Option, die Temperaturen sind einfach zu hoch. Der Abriss der Seilbahn, die seit 1950 Wintersportler vom Ort Recoaro Terme hoch auf 1000 Meter gebracht hatte, ist daher beschlossene Sache. Ein benachbarter Sessellift steht ebenfalls zum Verkauf. Ein zweiter Sessellift zur Berghütte Monte Falcone auf 1540 Metern Höhe bleibt dagegen erhalten, vor allem für Wanderer. Die Frage ist nur: Wie lange noch?


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