Wenn die olympischen Drohnen fliegen: Nah dran, statt nur dabei

Drohnen übertragen ein ganz besonders nahes Bild von den olympischen Wettkämpfen.
Drohnen übertragen ein ganz besonders nahes Bild von den olympischen Wettkämpfen.REUTERS/Denis Balibouse

Im Fernsehen und vor Ort hört es sich an, als sei da ein Schwarm Fliegen aufgescheucht worden. Ein heiseres Surren begleitet Skirennläufer und mittlerweile auch Rodler bei ihren Rasereien jenseits von Tempo 100 - es kommt von kleinen Drohnen, die den Sportlern hinterhersausen und Zuschauern am Bildschirm das Gefühl vermitteln, sie säßen etwa bei den Goldfahrten von Max Langenhan im Schlitten dahinter.

Die Athleten? Stören die Drohnen nicht. "Nein, sowas nimmst du nicht wahr", berichtete Rodel-Altmeister Felix Loch. "Du hörst sie zwar kurz bevor es losgeht, aber sobald die Ampel grün ist und du dort fährst, kriegst du es nicht mit." Ansonsten ist er voll des Lobes über die neue Perspektive: "Es sind schon andere Bilder. Schaut wirklich ganz cool aus. Muss man sagen, ist mal ganz, ganz, ganz eine schöne Sache, was die Jungs dort machen."

Neue Perspektiven für das Publikum an den Bildschirmen - es ist genau das, was das IOC mit seinen für das Weltbild verantwortlichen Olympic Broadcast Services (OBS) erreichen will. "Das Ziel ist es, dass die Zuschauer das Gefühl haben, direkt an der Rennstrecke mit den Athleten dabei zu sein", erklärt OBS-Chef Yiannis Exarchos. Die Drohnen der neuesten Generation, ergänzt er, ermöglichten nun Bilder, "die es in der Berichterstattung über diese Sportarten bisher noch nicht gab".

Drohnen als "Weiterentwicklung des Sports"

Bei Skirennen sind Drohnen schon länger im Einsatz. Im Dezember 2015 fielen sie zum ersten Mal auf - und damals äußerst unangenehm, weil ein Gerät von üppiger Größe beim Slalom in Madonna di Campiglio nur knapp hinter Marcel Hirscher (Österreich) auf die Piste krachte. Spektakuläre TV-Bilder von Drohnen gab es dann erstmals bei der alpinen Ski-WM 2023 in Frankreich: Damals flogen die nun weitaus kleineren Geräte in Höchstgeschwindigkeit hinter den Rennläufer die Piste hinunter.

Die Drohnen sind gekommen, um zu bleiben. "Wir sehen das als eine Weiterentwicklung des Sports", sagt IOC-Sportdirektor Perre Ducrey. Die Erwartungshaltung des Publikums sei es mittlerweile, "beim Konsum einer Sportveranstaltung, insbesondere der Olympischen Spiele, diese Art von Erlebnis zu haben". Das IOC strebe "stets danach, das beste Seherlebnis zu bieten - egal ob im Stadion oder außerhalb". Die Sportler seien dadurch "nicht wesentlich" beeinträchtigt.

"Bei uns sind es schon ganz coole Aufnahmen. Es schaut cool aus. Ich kriege das nicht mit, das ist ja so weit weg", sagt Skirennläuferin Emma Aicher. Rodel-Olympiasieger Langenhan sieht im Eiskanal aber noch Raum für Verbesserungen. "Mich köpft jetzt wahrscheinlich jemand, aber: Wenn mehrere Kurven nicht gezeigt werden, die für uns Schlüsselstellen sind, ist das schon doof. Die Drohne ist cool, aber die müssen einfach näher ran."


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