Wellinger wieder da: Mr. Olympia träumt vom dritten Winter-Wunder

Andreas Wellinger beim ersten Training in Predazzo
Andreas Wellinger beim ersten Training in PredazzoALEX SLITZ / GETTY IMAGES VIA AFP

Kulinarisch hat Andreas Wellinger für die Tage in Italien klare Erwartungen. "Gerne mal Pizza und Pasta - und tagsüber Cappuccino" stehen bei dem zweimaligen Skisprung-Olympiasieger auf dem Speiseplan. Und wenn es ganz gut läuft, gibt es auch das passende Getränk dazu: "Einen Vino werden wir hoffentlich zum Anstoßen aufmachen, wenn es was zum Feiern gibt."

Feiern durfte Wellinger zuletzt wenig, der 30-Jährige bot auf den Schanzen Europas monatelang nur Magerkost. Bei der Tournee landete er auf dem 36. Rang, bei der Skiflug-WM schaffte er es nicht einmal ins deutsche Team. Er sei in ein "Loch" gerutscht, sagt der Bayer im Rückblick. Nun aber, und das ist die gute Nachricht, schaue sein Kopf "wieder aus dem Loch" heraus.

Denn Wellinger hat tatsächlich die Kurve gekriegt, bei der Olympia-Generalprobe in Willingen flog er auf die Ränge sechs und acht. Erinnerungen an das Frühjahr 2025 werden wach, als das Stehaufmännchen nach mäßigen Wochen zur WM nach Trondheim flog und dort überraschend Silber von der Normalschanze holte. Auch in Predazzo startet die Medaillenjagd am Montag (19.00 Uhr/ARD und Eurosport) auf dem kleinen Bakken.

Hüttel: "Andi kann Olympia"

Gelingt nun also ein ähnlicher Coup? "Es ist mir tatsächlich in den letzten Jahren immer zur WM oder zu Olympia sehr gut gelungen, voll da zu sein", sagt Wellinger. In Italien will er daher "alles auf eine Karte setzen", denn: "Alles ab dem vierten Platz ist irrelevant, wenn wir ehrlich sind."

Wellinger hat bei Olympia schon viel erlebt. 2014 holte er als 18-Jähriger mit Severin Freund, Andreas Wank und Marinus Kraus Team-Gold, vier Jahre später triumphierte er in Pyeongchang im Einzel - von der Normalschanze. 2022 verhinderte Corona eine Reise nach Peking. "Andi kann Olympia", sagt DSV-Sportdirektor Horst Hüttel.

Wellinger könnte sogar Historisches schaffen: Goldmedaillen bei drei verschiedenen Winterspielen hat noch kein Skispringer geholt. Vor allem im Mixed und im Super Team bestehen durchaus Chancen - wenn er denn einen der nur zwei Startplätze erhält. "Ich habe definitiv die Chance, in jedem Wettkampf an den Start zu gehen", sagt Wellinger selbstbewusst.

Zunächst aber steht das Einzel an. Das erste Training verlief ordentlich, mehr aber auch nicht. Felix Hoffmann und Philipp Raimund waren stärker, Topfavorit ist ohnehin der Slowene Domen Prevc. "Aber vielleicht gelingt es mir, dass ich mein Zeug mache", sagt Wellinger mit Blick auf den Montagabend, "und vielleicht fangen alle anderen an, irgendwas noch besser machen zu wollen, was selten funktioniert in unserem Sport."

Und dann, ja dann gibt es vielleicht schon bald einen Vino.