Über Coaching, Titel und Koks-Affäre - Christoph Daum: Stationen eines bewegten Lebens

Christoph Daum.
Christoph Daum.Profimedia

Der langjährige Bundesliga-Trainer Christoph Daum ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag nach langer und schwerer Erkrankung verstorben. Wir blicken zurück auf die Karriere des Kult-Coaches und seine wichtigsten Meilensteine.

Die Jugend

Christoph Paul Daum wird am 24. Oktober 1953 in Zwickau in der damaligen DDR geboren. Als sein Vater verstirbt, zieht er als Sechsjähriger zur Mutter nach Duisburg, studiert später Sportwissenschaften an der Sporthochschule in Köln sowie Erdkunde und Sport auf Lehramt. Als Fußballer spielt er bei kleinen Vereinen, mit der Amateurmannschaft des 1. FC Köln wird er 1981 deutscher Amateurmeister.

Erster Trainerjob

Daum erwirbt 1979/80 die DFB-Fußballlehrer-Lizenz. Im September 1986 steigt er beim 1. FC Köln vom Co-Trainer zum Cheftrainer auf, führt die Mannschaft vom 16. noch auf den zehnten Tabellenplatz - und es geht weiter nach oben: Platz drei und Einzug in den UEFA-Pokal (1987/88), Platz zwei hinter Bayern München (1988/89) nach langem Zweikampf um den Titel. Entlassung während der WM 1990.

Der Lautsprecher

Daum haftet bald der Ruf als "Lautsprecher der Liga" an. In der Endphase der Saison 1988/89 klebt er 40.000 D-Mark an die Kölner Kabinentür - es ist die mögliche Meisterprämie. Im Verlauf der Saison attackiert er Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes ("Er ist völlig kaputt", "Heynckes könnte Werbung für Schlaftabletten machen"). Am 20. Mai 1989, fünf Tage vor dem Spitzenspiel zwischen Köln und München (1:3), kommt es im Beisein von Heynckes zum legendären Verbal-Duell zwischen Daum und Hoeneß im ZDF-Sportstudio. Hoeneß wirft Daum vor, Heynckes beleidigt zu haben, Daum kontert, Hoeneß leide an Selbstüberschätzung.

Erster Titel und Wechselpanne

Nach seiner Entlassung in Köln wird Daum Trainer beim VfB Stuttgart, mit dem er am dramatischen letzten Spieltag der Saison 1991/92 im Fernduell mit Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt Meister wird. Am 30. September 1992 wechselt Daum im Champions-League-Spiel bei Leeds United einen vierten ausländischen Spieler ein - regelwidrig! Das Spiel wird 3:0 für Leeds gewertet. Da der VfB das Hinspiel 3:0 gewonnen hatte, gibt es im leeren Camp Nou in Barcelona ein Entscheidungsspiel, Stuttgart unterliegt 1:2.

Vizekusen

In der Winterpause 1993/94 wird Daum in Stuttgart entlassen. Kurz darauf geht er zu Besiktas Istanbul. Er gewinnt den Pokal und im folgenden Jahr die Meisterschaft. Im Sommer 1996 holt ihn Bayer Leverkusen. Dort lässt er die Spieler über Glasscherben laufen, um die Bedeutung der "gedanklichen Kräfte" auch im Fußball zu betonen. Mit der Werkself wird Daum dreimal Zweiter (1997, 1999, 2000), bitter ist vor allem die Niederlage am letzten Spieltag der Saison 1999/2000: Leverkusen verliert in Unterhaching (0:2), der FC Bayern gewinnt zeitgleich gegen Werder Bremen. Daum weint in den Armen seines Sohnes.

Die Kokain-Affäre und das "reine Gewissen"

Nach dem Vorrunden-Aus der Nationalmannschaft bei der EM 2000 soll Daum Bundestrainer werden - wegen seines noch laufenden Vertrages in Leverkusen soll bis Sommer 2001 Rudi Völler als DFB-Teamchef einspringen. Nach einem Interview von Uli Hoeneß ("Der DFB kann doch keine Aktion 'Keine Macht den Drogen' starten und Herr Daum hat vielleicht damit etwas zu tun") und weiteren kryptischen Aussagen vom "verschnupften Daum" wird Daum im Oktober durch eine von ihm selbst in Auftrag gegebene Haarprobe ("Ich tue das, weil ich ein absolut reines Gewissen habe") der Konsum von Kokain nachgewiesen. Am 20. Oktober 2000 wird er von Bayer entlassen, der DFB-Vertrag wird aufgelöst.

Wanderjahre

Im März 2001 wechselt Daum erneut nach Istanbul zu Besiktas, im Oktober 2002 zur Wiener Austria, mit der er Meister und Pokalsieger wird. Es folgt der Wechsel zu Fenerbahce (Meister 2004 und 2005), dort tritt er 2006 zurück - aus gesundheitlichen Gründen. Im November 2006 steigt Daum zum zweiten Mal beim 1. FC Köln ein - und mit dem Klub in die Bundesliga auf. Er kündigt zum 30. Juni 2009 und geht ein weiteres Mal zu Fenerbahce, wo er aber nur ein Jahr bleibt. Es folgen kurze Engagements bei Eintracht Frankfurt (März bis Mai 2011), beim FC Brügge (2011/12), bei Bursaspor (2013/14) und zuletzt als Nationaltrainer von Rumänien (Juli 2016 bis September 2017).

Krebserkrankung

Im August 2011 wird bekannt, dass Daum an Hautkrebs erkrankt war. Er selbst berichtet, dass er den Krebs nach mehreren Operationen besiegt habe. Im Sommer 2022 wird bei Daum Lungenkrebs diagnostiziert, er selbst macht dies im Oktober 2022 öffentlich. Am 24. August 2024 erliegt er der Erkrankung in Köln im Alter von 70 Jahren.


Erwähnungen