Beim Gulf Cup mussten sich die VAE im Finale Saudi-Arabien mit 0:2 geschlagen geben. Für Dalić war es die erste Niederlage als Nationaltrainer der VAE. Trotzdem zeigte die Mannschaft in ihrem ersten Turnier unter Dalic eine positive Entwicklung. Im Januar wartet mit dem Asien-Cup die nächste große Aufgabe.
Das langfristige Ziel ist jedoch die WM 2030. Bei der vergangenen Qualifikation fehlte den VAE lediglich ein Punkt auf Katar. Nun soll erstmals seit 1990 wieder die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft gelingen. Dalić hat dafür einen Vierjahresvertrag unterschrieben, während Ivankovic seine Erfahrung einbringen soll.
Ivankovic sieht VAE auf dem richtigen Weg
Dalić und Ivankovic sollen in den kommenden Jahren eine Mannschaft aufbauen, die in der asiatischen Qualifikation mit den stärksten Teams mithalten kann. Ivankovic ist bereits jetzt von der Qualität des Kaders überzeugt. "Wir haben bereits eine Mannschaft mit großer Qualität zusammengestellt. Ich würde sogar sagen, dass sie in diesem Teil der Welt die beste ist. Natürlich setzen wir alle darauf, unser großes Ziel zu erreichen und uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren", so Ivanovic im exklusiven Interview mit Flashscore.

Der 72-Jährige freut sich zudem über seine neue Aufgabe an der Seite seines langjährigen Weggefährten Dalić. "Ich fühle mich durch die Einladung von Herrn Zlatko geehrt und möchte helfen und beraten sowie teilweise die Jugendnationalmannschaften koordinieren. Angesichts meiner Erfahrung und meines Wissens kann ich in dieser Rolle sehr viel einbringen."
Zum Match-Center: Saudi-Arabien vs. VAE
Der WM-Traum und ein klares Nein zu 64 Teams
Die auf 48 Mannschaften erweiterte Weltmeisterschaft 2026 hat auch den asiatischen Teams zusätzliche Startplätze verschafft. Eine weitere Aufstockung auf 64 Nationen wurde von der FIFA bereits diskutiert. Ivankovic hält davon allerdings wenig: "Ich denke, die Anzahl bei der Weltmeisterschaft 2026 ist absolut ausreichend. Alles darüber hinaus hätte die Qualität verwässert; ich würde sogar sagen, dass das Interesse verloren gegangen wäre. Ich glaube wirklich, dass dies für das Turnier in Amerika das absolute Maximum war."
Ivankovic selbst kann auf jahrzehntelange Erfahrung im asiatischen Fußball zurückblicken. Neben zahlreichen Stationen bei Klubs in Kroatien und Saudi-Arabien trainierte er unter anderem die Nationalmannschaften des Iran, Chinas und Omans. Besonders prägend war seine Zeit mit dem Iran, den er vor mehr als 20 Jahren zur Weltmeisterschaft führte.
Ivankovic blickt auf Iran und die WM 2006 zurück
Die Qualifikation für die WM 2006 war für den Iran von besonderer Bedeutung. Seit der Weltmeisterschaft 1998 hatte sich das Land nicht mehr für das Turnier qualifiziert. Unter Ivankovic gelang schließlich die Rückkehr auf die große Bühne. Seit 2006 schaffte der Iran anschließend bei vier der vergangenen fünf Weltmeisterschaften die Qualifikation: "Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft war ein beispielloses Ergebnis. Damals war es deutlich schwieriger, sich zu qualifizieren, da sich aus der asiatischen Qualifikation nur fünf Teams für die Teilnahme qualifizieren konnten. Im Iran herrschte eine riesige Euphorie."
"Leider hatten wir in Deutschland einige Probleme mit fehlenden Spielern", so Ivankovic weiter: "Trotzdem hinterließen wir einen sehr guten Eindruck. Ich würde sagen, dass wir die besten Ergebnisse für Iran in den vergangenen 40 Jahren erzielt haben. Wir gewannen die Asienspiele und besiegten Südkorea im Halbfinale, das wenige Monate zuvor noch auf Platz vier der Weltrangliste gestanden hatte."

"Danach waren acht Millionen Menschen im Iran auf den Straßen, und bei diesen Feierlichkeiten gab es keinen einzigen Zwischenfall. Eine wunderbare Erinnerung ..."
"Wir können stolz auf unsere Fußballer sein"
20 Jahre später kehrte der Iran unter besonderen Umständen zur Weltmeisterschaft zurück. Der Krieg und die damit verbundenen Probleme erschwerten die Vorbereitung erheblich. Die Nationalmannschaft konnte nicht im eigenen Land bleiben, was sich laut Ivankovic auch auf Vorbereitung und Regeneration auswirkte: "Sie hatten es definitiv schwerer. Erstens wegen der Visaprobleme, zweitens, weil sie ihr Trainingslager wechseln mussten, und außerdem, weil sie dieses Turnier unter besonderen Bedingungen bestreiten mussten. Es ist schade, denn sie waren eine starke Mannschaft. Doch sie schafften es nicht, in die zweite Runde einzuziehen."
Ivankovics eigene WM-Geschichte reicht noch weiter zurück. 1998 gehörte er zum Trainerstab der kroatischen Nationalmannschaft, die bei ihrer ersten Weltmeisterschaft nach der Aufnahme in die FIFA 1994 sensationell den dritten Platz belegte. Im Viertelfinale setzte sich Kroatien mit 3:0 gegen Deutschland durch und zog anschließend ins Halbfinale gegen Gastgeber Frankreich ein.

Nach Davor Sukers Führungstreffer träumten die Kroaten vom Endspiel. Lilian Thuram drehte die Partie allerdings mit zwei Toren zugunsten der Franzosen: "Wir wollten unbedingt mindestens Dritter werden und eine Medaille gewinnen. Das ist uns gelungen und zeigt, wie mental stark wir waren. Ich muss eine Statistik nennen: Vor dieser Weltmeisterschaft wussten weniger als zehn Prozent der Menschen von Kroatien, einem kleinen und jungen Land. Nach dem Turnier stieg dieser Anteil auf mehr als 20 Prozent. Und mittlerweile wiederholen wir diese Ergebnisse regelmäßig. Wir können wirklich stolz auf unsere Fußballer, aber auch auf unsere Sportler im Allgemeinen sein", ist sich Ivankovic bewusst. Im Spiel um Platz drei bezwang Kroatien anschließend die Niederlande und sicherte sich die Bronzemedaille. 2018 übertraf die Mannschaft dieses Ergebnis mit dem Einzug ins WM-Finale, unterlag dort allerdings erneut Frankreich.
Deutliche Kritik an der Entwicklung der WM
Trotz der außergewöhnlichen Erfolge Kroatiens glaubt Ivankovic, dass kleinere Fußballnationen weiterhin einen schweren Stand haben. Mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2022 in Katar äußerte der Kroate deutliche Kritik an den kommerziellen Interessen rund um das Turnier: "Die FIFA wird nie wieder zulassen, dass ein 'Außenseiter' wie Kroatien bis zum Ende des Turniers kommt. Ich erinnere mich an Katar: Wie groß wäre das Traumszenario eines Halbfinals zwischen Argentinien und Brasilien gewesen? Als wir Brasilien ausschalteten, waren die Marketing- und Finanzexperten sicher unzufrieden, denn dieses Match hätte in jeder Hinsicht deutlich mehr eingebracht, insbesondere aus Marketingsicht", ist sich Ivankovic sicher.
Kleiner Teams stünden "im Weg, weil sie nicht attraktiv genug sind. Sie sind kommerziell und aus Marketingsicht nicht interessant. Deshalb wird immer versucht, wann immer es möglich ist, die größeren und etablierteren Nationalmannschaften zu bevorzugen. Ich bin überzeugt, dass es schwierig sein wird, eine weitere Nationalmannschaft wie Kroatien zu finden, die solche Erfolge wiederholt. Es besteht einfach kein Interesse", führte der 72-Jährige weiter aus: "Und genau deshalb werden die kleineren Nationen benachteiligt. Das ist bei der letzten Weltmeisterschaft passiert, als wir aufgrund äußerer Einflüsse zu Unrecht ausgeschieden sind."
Für Ivankovic richtet sich der Blick nun wieder nach vorn. Die VAE wollen unter Dalić und mit seiner Unterstützung den nächsten Schritt machen. Das große Ziel bleibt die Qualifikation für die WM 2030 – und damit die Rückkehr der VAE auf die Weltmeisterschaftsbühne.
