Sein obligatorisches Grinsen hat Carlos Alcaraz auch im neuen Jahr nicht verloren. Im Blitzlichtgewitter am Flughafen von Seoul gab der Tennisstar Autogramme, stand den Fans für Selfies zur Verfügung und wirkte ganz entspannt. Dabei durchlebt der Weltranglistenerste gerade eine Phase der Unsicherheit - nach dem Bruch mit Erfolgscoach Juan Carlos Ferrero.
Am Samstag (8.00 Uhr/MEZ) steht für Alcaraz ein bedeutender Neustart an. Mit einem Showmatch. In Incheon bei Seoul. Gegen keinen Geringeren als seinen großen Rivalen Jannik Sinner. Und der Fokus liegt beim Duell der beiden Tennisdominatoren der jüngeren Vergangenheit diesmal fast ausschließlich auf Alcaraz und seinem neuen Cheftrainer Samuel López.
Match-Center: Jannik Sinner vs. Carlos Alcaraz
"Es war eine Überraschung für alle", hatte Ferrero Ende Dezember im spanischen Radiosender RNE gesagt - und damit den meisten Tennisenthusiasten aus der Seele gesprochen. Denn die Trennung der beiden kam in der Tat völlig unerwartet. Schließlich war die Zusammenarbeit zwischen Alcaraz und Ferrero eine reine Erfolgsgeschichte gewesen: 24 Titel sammelte der Spanier an der Seite seines Landsmannes, alle seine sechs Grand-Slam-Siege stammen aus dieser Ära.
Und auch, wenn sich Alcaraz mit wärmsten Worten verabschiedet hatte: So ganz friedlich schien die Trennung nicht verlaufen zu sein. "Ich bleibe meinen Werten und Überzeugungen treu", sagte Ferrero, nachdem die beiden Parteien bei den Vertragsverlängerungen nicht zusammen gekommen waren - und auch: "Es gibt bestimmte Dinge, die ich nicht akzeptieren konnte."
"Mehr als bereit, das Turnier zu gewinnen"
Ob die Kritik, die Ferrero in den vergangenen Jahren teils auch öffentlich an seinem Schützling geübt hatte, bei der Trennung eine Rolle spielte, ließ Ferrero offen. Unter anderem der Arbeitsethos des "Lebemanns" Alcaraz war immer mal wieder Thema gewesen. Und auch die finanziell lukrativen, aber sportlich unbedeutenden Showmatches waren Ferrero dem Vernehmen nach ein Dorn im Auge.
Ein genau solches Showmatch bestreitet Alcaraz, der mit Sinner die vergangenen acht Slams unter sich ausgemacht hat, nun also mal wieder gegen seinen Rivalen. Beide verzichten vor den Australian Open (ab 18. Januar) gänzlich auf "echte" Vorbereitungsturniere. Für Alcaraz und López, den der Weltranglistenerste vorerst vom Trainerstabsmitglied zum Chef-Coach befördert hat, ist das Duell der einzig echte Härtetest in der neuen Konstellation. Im Vorfeld des einzigen Majors des Jahres, das Alcaraz noch nicht gewinnen konnte.
Das letzte direkte Duell entschied der viermalige Grand-Slam-Sieger Sinner für sich. Insgesamt aber verfügt Alcaraz noch immer über eine positive Bilanz. Ein spannendes Match dürfen also auch die Fans in Südkorea erwarten, ehe sich die Blicke dann schnell gen Melbourne richten.
Dort wird Hartplatz-Experte Sinner als leichter Favorit anreisen. Alcaraz sollte aber trotzdem niemand unterschätzen - glaubt auch sein Ex-Trainer. Trotz der "nicht idealen" Vorbereitung, sagte Ferrero, sei der 22-Jährige "mehr als bereit, das Turnier zu gewinnen".
