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US Open 2026: Zverevs Erlösung & Rybakinas Krönung

US Open 2026: Zverevs Erlösung & Rybakinas Krönung
US Open 2026: Zverevs Erlösung & Rybakinas KrönungPsnewZ / Bestimage / Profimedia

Zwei Wochen New York hatten alles! Alexander Zverev schloss sechs Jahre nach seinem Finaldrama gegen Dominic Thiem einen Kreis, Elena Rybakina eroberte Titel und Weltranglistenspitze. Auch Österreich setzte Akzente und die Fans erlebten Nächte für die Geschichtsbücher.

Die US Open bleiben das Grand-Slam-Turnier der Extreme. Nirgendwo wird später gespielt, kaum irgendwo ist das Publikum lauter. Auch 2026 bot Flushing Meadows wieder zwei Wochen voller Dramen, Überraschungen und großer Geschichten.

Zverev schließt sechs Jahre später den Kreis

Für Alexander Zverev hätte die Geschichte kaum passender geschrieben werden können. 2020 führte der Deutsche im US-Open-Finale gegen Dominic Thiem bereits mit 2:0-Sätzen und verlor noch im Tiebreak des fünften Durchgangs. Sechs Jahre später kehrte er ins Endspiel des Arthur Ashe Stadium zurück und diesmal hielt er die Trophäe in den Händen.

 

 

Zverev besiegte Ben Shelton mit 6:3, 7:6, 5:7 und 6:2. Nach seinem Triumph bei den French Open im Juni war es bereits der zweite Grand-Slam-Titel des Jahres. Dazwischen erreichte der 29-Jährige auch in Wimbledon das Finale. Dabei hatte sein Turnier alles andere als souverän begonnen. Gegen Lorenzo Sonego und Quentin Halys musste Zverev jeweils über fünf Sätze. Danach wurde er von Runde zu Runde stärker. Karen Khachanov besiegte er im Halbfinale in drei engen Sätzen, ehe er Shelton im Endspiel kontrollierte.

"Ich denke, Gott hat gesehen, wie hart wir gearbeitet haben, wie sehr wir gelitten haben, wie viel Schmerz hier reingeflossen ist. 2026 ist der Dank und der Lohn für die ganze harte Arbeit in den vielen Jahren davor. Da ist alles zurückgekommen", sagte Zverev nach seinem Triumph auf dem Platz.

Shelton blieb das amerikanische Happy End verwehrt. Dennoch war der 23-Jährige eine der Figuren des Turniers. Im Viertelfinale warf er Titelverteidiger Carlos Alcaraz nach 4:28 Stunden aus dem Bewerb. Im Finale konnte der Amerikaner die Euphorie der fast durchgehend hinter ihm stehenden Fans nicht mehr in einen Sieg ummünzen. Zverev behielt in den entscheidenden Momenten die Ruhe und schloss damit endgültig ein Kapitel, das ihn sechs Jahre begleitet hatte.

 

 

Rybakina nimmt Sabalenka gleich zwei Kronen ab

Auch das Damen-Finale hatte große sportliche Bedeutung. Elena Rybakina besiegte Aryna Sabalenka mit 6:4, 5:7 und 6:2. Damit gewann die Kasachin erstmals die US Open und löste Sabalenka gleichzeitig an der Spitze der Weltrangliste ab.

Für Rybakina war es nach Wimbledon 2022 und den Australian Open 2026 der dritte Grand-Slam-Titel. Vor diesem Jahr war sie in New York noch nie über das Achtelfinale hinausgekommen. Nun verlässt sie Flushing Meadows als US-Open-Siegerin und neue Nummer eins der Welt. Sabalenka stand zuvor 99 Wochen in Folge auf Platz eins.

 

 

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber ich möchte Elena zu einem unglaublichen Jahr und Turnier gratulieren. Sie war einfach die bessere Spielerin. Sie hat großes Tennis gezeigt", zeigte sich Sabalenka als faire Verliererin. Die 28-jährige Belarussin ging damit dieses Jahr leer aus und konnte keinen einzigen Grand-Slam-Titel holen.

Bemerkenswert war auch die Konstanz der Favoritinnen. Mit Sabalenka, Rybakina, Jessica Pegula und Coco Gauff standen die vier topgesetzten Spielerinnen im Halbfinale. Rybakina bezwang dort Gauff nach Satzrückstand, Sabalenka setzte sich gegen Pegula durch.

Potapova im Achtelfinale, Tagger macht Lust auf mehr

Sechs Österreicher standen in den Einzel-Hauptbewerben. Am weitesten kam Anastasia Potapova. Die 25-Jährige bezwang unter anderem Vorjahresfinalistin Amanda Anisimova und erreichte erstmals das Achtelfinale der US Open. Dort lieferte sie French-Open-Siegerin Mirra Andreeva einen großen Kampf, musste sich aber nach knapp zweieinhalb Stunden mit 7:5, 4:6 und 3:6 geschlagen geben. Eine Knieverletzung im letzten Game machte das Ende besonders bitter.

Auch Lilli Tagger hinterließ Eindruck. Die erst 18-jährige Osttirolerin schlug Tamara Korpatsch mit 6:0, 7:6 und feierte ihren ersten Sieg in einem Grand-Slam-Hauptfeld. Innerhalb eines Jahres war sie von Weltranglistenplatz 393 in die Top 50 vorgestoßen. Anisimova nahm Tagger in Runde zwei sogar einen Satz ab, verlor am Ende aber mit 3:6, 6:3 und 1:6. „Ich habe nicht gedacht, dass ich heute auf den Platz gehe und ihr sogar einen Satz abnehmen kann. Ich habe gewusst, ich habe Chancen mitzuspielen, und der dritte war knapper als der Stand nach dem Satz. Ich muss ehrlich sagen, bin ich fast selber überrascht von mir“, sagte Tagger nach einem starken Auftritt.

 

Lilli Tagger machte einmal mehr auf sich aufmerksam
Lilli Tagger machte einmal mehr auf sich aufmerksamMathias Schulz / Zuma Press / Profimedia

 

Bei den Männern spielte sich Jurij Rodionov durch die Qualifikation und schlug zum Auftakt Giovanni Mpetshi Perricard überraschend klar mit 7:6, 6:0 und 7:6. In Runde zwei war gegen Jakub Mensik Schluss. Filip Misolic sowie Sinja Kraus und Julia Grabher scheiterten bereits in der ersten Runde.

Djokovic-Schock, große Abschiede und historische Nächte

Gleich am ersten Turniertag erwischte es Novak Djokovic. Der vierfache US-Open-Champion unterlag Mariano Navone nach 4:36 Stunden mit 6:7, 7:5, 6:4, 2:6 und 1:6 und verlor damit erstmals seit 2006 wieder sein Auftaktmatch bei einem Grand Slam. Der 39-Jährige kämpfte dabei massiv mit seinem Körper. Djokovic musste sich während des Matches übergeben, litt unter Krämpfen sowie Rücken- und Schulterproblemen.

Für einen der emotionalsten Momente sorgte Stan Wawrinka. Zehn Jahre nach seinem US-Open-Triumph von 2016 bestritt der Schweizer gegen Matteo Berrettini das letzte Grand-Slam-Match seiner Karriere. Das Ergebnis geriet dabei beinahe zur Nebensache.

Auch Serena und Venus Williams sorgten noch einmal für Gänsehaut im Arthur Ashe Stadium. Die 14-fachen Grand-Slam-Siegerinnen im Doppel standen bei einem Major erstmals seit den US Open 2022 wieder gemeinsam auf dem Platz. Gegen die an Nummer 14 gesetzten Hao-Ching Chan und Maya Joint lieferten die Schwestern einen über drei Stunden dauernden Kampf, ehe sie sich mit 3:6, 7:6, 6:7 geschlagen geben mussten. Zuvor hatten Serena und Venus gemeinsam unter anderem zweimal den Doppel-Titel in New York gewonnen.

 

Die Williams-Schwestern sorgten für Stimmung
Die Williams-Schwestern sorgten für StimmungMPI04 / Capital pictures / Profimedia

 

Und dann waren da noch die langen New Yorker Nächte. Keine stand so sehr für diese US Open wie das Viertelfinale zwischen Shelton und Alcaraz. Fünf Sätze, ein Match-Tiebreak und der letzte Ballwechsel um 3:33 Uhr morgens – später war in Flushing Meadows noch nie ein Match zu Ende gegangen. Dass viele Zuschauer auch zu dieser Stunde noch im Arthur Ashe Stadium ausharrten, passte zum Turnier: New York kennt beim Tennis keine Sperrstunde.

So bleiben nach zwei Wochen vor allem zwei Bilder. Rybakina mit der Trophäe und der neuen Nummer eins neben ihrem Namen. Und Zverev, der sechs Jahre nach der bittersten Niederlage seiner Karriere genau dort jubelte, wo ihm sein erster Grand-Slam-Titel einst entglitten war.