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"König von New York": Gekrönter Zverev auf dem Weg zum Tennis-Gipfel

Alexander Zverev hat in New York seinen zweiten Grand-Slam-Titel geholt.
Alexander Zverev hat in New York seinen zweiten Grand-Slam-Titel geholt.REUTERS/Brendan Mcdermid

Nach der Krönung seines außergewöhnlichen Tennisjahres und einer feucht-fröhlichen Champagnerdusche im Bauch des Arthur Ashe Stadium ließ Alexander Zverev seinen Traumtag mit reichlich Sushi ausklingen. In einem mondänen asiatischen Restaurant in Manhattan mit eingebautem Nachtclub feierte der Hamburger mit seinem Team den US-Open-Coup - der silberne Siegerpokal, den Zverev noch auf dem Court so innig wie möglich umarmt hatte, war natürlich mit dabei.

Beim neuen "König von New York" blieb zum Abschluss des aufregendsten Tennissommers seines Lebens vor allem Dankbarkeit. Für seine Mutter, die trotz seiner Diabetes-Diagnose im Alter von vier Jahren alles für den sportlichen Traum ihres Sohnes gab. Für Papa Alexander senior und Bruder Mischa, die ihn als Trainer und Manager seit Jahren durch allen Höhen und Tiefen begleiten. "Gott hat gesehen, wie sehr wir gekämpft und gelitten haben", sagte Zverev nach seinem zweiten Grand-Slam-Titel. 2026 sei das Ergebnis "aller Jahre zuvor".

Mit der Erlösung in Paris im Juni war beim 29-Jährigen der Knoten geplatzt, im French-Open-Finale sei er noch "sehr gestresst" gewesen, sagte Zverev. Das Finale gegen den klar unterlegenen US-Amerikaner Ben Shelton, das er in dreieinhalb Stunden 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 gewann, habe er diesmal trotz der Auswärtsspiel-Atmosphäre "einfach genossen".

So sehr, dass Zverev seinen Sieg zunächst nicht einmal realisierte. Die Zuschauer erhoben sich bereits, um den Champion nach dem verwandelten Matchball zu würdigen, doch Zverev war noch nicht bereit zu feiern. Konzentriert trottete er an der Grundlinie entlang, zupfte seine Saiten zurecht und riss erst nach einem Hinweis aus seiner Box die Arme in die Luft. "Es war ein langes Match, es waren lange zwei Wochen", sagte er augenzwinkernd über den kuriosen Moment.

Zum Match-Center: Alexander Zverev vs. Ben Shelton

Ein langes Turnier, das mit zwei Zitterpartien begann und der Würdigung durch den Bundeskanzler endete. "Starke Leistung!", schrieb Friedrich Merz (CDU). Die internationalen Medien nahmen Zverevs Sieg mitunter weniger euphorisch zur Kenntnis. Der britische Guardian schrieb über das Finale: "Dieses Match bildete einen passenden Abschluss für eine triste Grand-Slam-Saison auf der ATP-Tour, die von den Verletzungen und körperlichen Problemen von Carlos Alcaraz – der bei diesem Turnier nach langer Verletzungspause zurückkehrte – und Jannik Sinner geprägt war."

Zverev hat "Blut geleckt"

Eine Sichtweise, die Zverev kaum beschäftigen dürfte. Lange hatte er einen Majortitel gejagt, mehrfach war er dicht dran - etwa 2020 bei seinem Finaldebüt in Flushing Meadows, als er gegen den Österreicher Dominic Thiem nach 2:0-Satzführung noch verloren hatte. Sechs Jahre später saß Zverev am gleichen Ort mit Mischa weit nach dem Finale auf dem Court, im menschenleeren Stadion saugten die Brüder den Triumph in Stille auf.

Für Zverev öffnen sich nun neue Perspektiven. Platz eins der Weltrangliste könnte bald Realität werden, denn der in New York wegen Kniebeschwerden fehlende Branchenführer Sinner hat bis zum Saisonende viele Punkte zu verteidigen. Misslingt ihm das, ist Zverevs Sprung an die Spitze als zweiter Deutscher nach Boris Becker fast zwangsläufig. "Alexander Zverev hat Blut geleckt", stellte die italienische Corriere dello Sport fest.

Auch wenn Alcaraz und Sinner im Vollbesitz ihrer Kräfte zurückkehren, wird Zverev ihnen mit dem Selbstverständnis eines Champions auf Augenhöhe entgegentreten. "Ich habe immer gesagt: Er ist locker gut für fünf Grand Slams, wenn er seine Mentalität hinbekommt", sagte das deutsche Tennisidol Becker bei Sporteurope.tv. Der 58-Jährige hatte die US Open 1989 zuvor als einziger Deutscher gewonnen, Zverev holt nun in immer mehr Kategorien auf. Bis zu den sechs Majorerfolgen von Becker ist es aber noch ein weiter Weg.

Auf diesem hat er nun einen Silberpokal und 5,5 Millionen Dollar Preisgeld (ca. 4,7 Mio. Euro) mehr. Wohin Zverev seine Reise nun führt, war zunächst ungewiss. Ob er nach den intensiven Wochen in Nordamerika seine Zusage für den Davis Cup in Halle/Westfalen in der kommenden Woche einhält, wollte er erst mit seinem Team besprechen.