Das Problem im deutschen Frauentennis ist gewiss nicht, dass eine 37-Jährige zwei Tage nach einem extrem kräftezehrenden Comeback nicht an ihr Leistungsmaximum herankommt. Das Problem ist vielmehr, dass eine 37-Jährige bereits an Tag fünf eines Grand Slam für den letzten kleinen Hoffnungsschimmer sorgt. Schon bei ihrem Viertelfinaleinzug in Wimbledon war das so.
Eva Lys hat sich seit ihrem Durchbruch im vergangenen Jahr weiter verbessert. Den Schritt zur gesetzten Spielerin aber muss sie noch gehen. Es wird nicht einfach, denn gegen Sorana Cirstea schien ihr am Ende der Kopf im Weg zu stehen. Und auch Ella Seidel zahlte Down Under jede Menge Lehrgeld.
Eine Angelique Kerber lässt sich nicht planen
Was aber in der Gesamtbetrachtung noch schlimmer ist: In den kommenden Jahren kommt vermutlich (anders als bei den etwas besser aufgestellten Männern) nicht viel nach. Es dürfte also noch ein paar Jahre so weiter gehen mit den Grand-Slam-Enttäuschungen. Vor allem, weil irgendwann auch Siegemund nicht mehr da sein wird, um die Stimmung (eventuell) zu retten.
Gewiss: Eine Ausnahmespielerin wie Angelique Kerber lässt sich nicht planen. Der Eindruck, dass in Deutschland aktuell aber auch die Strukturen fehlen, um einen solchen Durchbruch in die Weltspitze zu ermöglichen, hat sich in Melbourne mal wieder aufgedrängt. Anders ist die aktuelle Lage kaum zu erklären.
