Stolperfalle Diallo: Anspruchsvoller Auftakt für Zverev in Melbourne

Aktualisiert
Gabriel Diallo in Aktion
Gabriel Diallo in AktionJADE GAO / AFP

Alexander Zverev will in Melbourne endlich seinen Grand-Slam-Fluch brechen. Die Auslosung macht Mut, birgt aber auch Herausforderungen.

Ein kniffliger Auftakt, ein mögliches Halbfinale gegen Carlos Alcaraz, aber keine Angstgegner in den ersten Runden: Alexander Zverev schaute ganz genau hin, als am Donnerstag in Melbourne die Kugeln gezogen wurden.

Neue Saison, neue Hoffnung

Er konnte im Anschluss an die Auslosung der Australian Open 2026 zufrieden sein. Auf dem Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Titel hat der Tennisstar einen lange Zeit machbaren Turnierbaum erwischt – trotz einer frühen Stolperfalle.

"Eine neue Saison bedeutet immer neue Hoffnung", hatte Zverev kürzlich erklärt – und diese Hoffnung gilt es für den Hamburger, der am Donnerstag in Melbourne eine konzentrierte Trainingseinheit absolvierte, nun zu nähren. Auch wenn der Start alles andere als ein lockerer Aufgalopp wird: In der ersten Runde (ab Sonntag) wartet mit Gabriel Diallo der Weltranglisten-41. aus Kanada.

Zverev kämpft in Melbourne um den ersehnten Grand-Slam-Titel
Zverev kämpft in Melbourne um den ersehnten Grand-Slam-TitelMARK EVANS / EPA / Profimedia

Es ist das erste Mal, dass die beiden aufeinandertreffen – und Diallo ist gewiss einer der stärksten Gegner, die Zverev in der ersten Runde erwischen konnte. Mit seinen 2,03 Metern Körpergröße verfügt der einstige College-Spieler ähnlich wie sein prominenter Gegner über einen starken Aufschlag, Zverev muss also bei seinem eigenen Service auf der Hut sein.

"Sascha Zverev ist auf dem Papier ganz klar der bessere Spieler", sagte Eurosport-Experte Boris Becker am Donnerstag: "Unabhängig vom Gegner ist man in der ersten Runde aber ein bisschen hektisch, ein bisschen nervös." Es gelte, erst den Rhythmus zu finden. Generell sei Melbourne ein gutes Pflaster für Zverev: "Aber, er muss sich natürlich im Turnier finden."

Vielversprechende Auslosung

Sollte er seiner Favoritenrolle aber gerecht werden, könnte es für den Vorjahresfinalisten anschließend erneut weit gehen. Der Brite Cameron Norrie (Nr. 26) wäre in der dritten Runde wohl der erste gesetzte Gegner.

Im Viertelfinale dann wartet möglicherweise ein Duell mit Brisbane-Sieger Daniil Medvedev – und im Halbfinale schließlich eines mit dem Weltranglistenersten Carlos Alcaraz. Titelverteidiger Jannik Sinner und Grand-Slam-Rekordsieger Novak Djokovic? Die landeten in der anderen Hälfte des Draws und können vor dem Finale nicht auf Zverev treffen.

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Das Match gegen Diallo wird für Zverev eine wichtige Standortbestimmung - nach einer enttäuschenden Vorsaison soll es im Frühjahr mal wieder bergauf gehen. "Ich hatte Probleme mit meinem Körper. Ich hatte während der gesamten Saison Verletzungen", sagte Zverev, der hofft, dieses Jahr mit weniger Blessuren durchzukommen.

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Ziel klar definiert – aber unrealistisch?

Bereits zum zwölften Mal seit Beginn seiner Profikarriere 2014 ist Zverev nun über Los gezogen. Immer waren die Australian Open das erste Highlight des Jahres für den Hamburger - und immer reiste er aus Melbourne mit einer Niederlage ab.

Ob es diesmal wirklich klappt, im insgesamt 40. Anlauf einen Major-Titel zu holen? Fraglich. Denn seit Zverevs Finalniederlage gegen Sinner im vergangenen Jahr ist der spielerische Rückstand auf den Italiener und dessen großen Rivalen Alcaraz größer und größer geworden. Zudem ruckelte es in Zverevs Spiel auch zu Beginn der neuen Saison. Beim United Cup verlor er sein Einzel gegen den Polen Hubert Hurkacz - und Deutschland schied in der Gruppe aus.

Zverev, der traditionell eher etwas langsamer in die Gänge kommt, muss das nicht beunruhigen. Seine gute Laune hat er jedenfalls mit nach Melbourne gebracht. Beim unterhaltsamen "One-Point-Slam" am Mittwoch war für den Hamburger zwar bereits nach einem einzigen verlorenen Ballwechsel gegen die Taiwanesin Joanna Garland Schluss, Spaß hatte er trotzdem."Eine gute Idee, eine tolle Sache", sagte Zverev über das Event - und jubelte dem Amateur Jordan Smith, der sensationell alle Profis düpierte, begeistert zu.