Sincaraz-Dominanz bis Anisimovas Grand-Slam-Jagd: Die Tennis-Geschichten 2026

Hält die Vorherrschaft von Sinner und Alcaraz auch 2026?
Hält die Vorherrschaft von Sinner und Alcaraz auch 2026?LaPresse / ddp USA / Profimedia

Die Tennissaison 2026 ist eröffnet: Am vergangenen Freitag startete die ATP- und WTA-Tour in Vorbereitung auf den ersten Grand Slam des Jahres in Melbourne. Trotz anhaltender Kritik zahlreicher Topspielerinnen und -spieler bleibt der Terminkalender prall gefüllt. Doch genau diese pausenlose Abfolge an Turnieren schafft Raum für große Dramen, neue Rivalitäten und packende Geschichten, die sich über die Saison hinweg entfalten.

Drei absolute Weltstars stehen 2026 kurz davor, einen der prestigeträchtigsten Meilensteine des Tennissports zu erreichen: den Karriere-Grand-Slam.

Herren: Alcaraz will Australien-Fluch brechen

Bei den Herren haben sich Carlos Alcaraz und Jannik Sinner klar vom Rest des Feldes abgesetzt. Alcaraz besitzt bereits zu Beginn des Jahres die Chance, Geschichte zu schreiben: Bei den Australian Open fehlt dem Spanier als einziger Major-Titel noch der Triumph.

Mit bereits sechs Grand-Slam-Siegen (je zwei bei den French Open, in Wimbledon und bei den US Open) würde ihn ein Erfolg in Melbourne zum jüngsten Spieler der Open Era machen, der den Karriere-Grand-Slam vollendet. Entsprechend klar formulierte er sein Ziel bereits Ende 2025: "2026 würde ich lieber nur Australien gewinnen als zwei Grand Slams."

Alcaraz will der jüngste Spieler der Open Era werden, der den Karriere-Grand-Slam vollendet
Alcaraz will der jüngste Spieler der Open Era werden, der den Karriere-Grand-Slam vollendetMPI04 / Capital pictures / Profimedia

Bemerkenswert ist jedoch, dass Alcaraz bei den Australian Open bislang noch nie das Halbfinale erreicht hat. Titelverteidiger Sinner hofft, dass diese Serie anhält – denn sollte Alcaraz scheitern, könnte der Italiener selbst später im Jahr als Erster den Karriere-Grand-Slam vollenden.

Sinner fehlen bislang nur noch die French Open. 2025 stand er in Paris kurz vor dem Titel, vergab im legendären Finale gegen Alcaraz jedoch drei Matchbälle.

Damen: Swiatek vor historischem Schritt

Auch bei den Damen steht eine Spielerin unmittelbar vor dem Karriere-Grand-Slam: Iga Swiatek. Der Weltranglistenzweiten fehlt ebenfalls nur noch der Titel in Melbourne.

Swiatek könnte als neunte Frau den Karriere-Grand-Slam vollenden
Swiatek könnte als neunte Frau den Karriere-Grand-Slam vollendenSaeed KHAN / AFP / AFP / Profimedia

Mit sechs Major-Titeln (viermal French Open, je einmal Wimbledon und US Open) könnte die Polin als neunte Frau der Geschichte alle vier Grand Slams gewinnen. 2025 präsentierte sie sich bei den Australian Open in bestechender Form, scheiterte jedoch im Halbfinale in einem hochklassigen Match an Madison Keys, die später den Titel holte.

Das „Sincaraz“-Duopol

Das Herrentennis wurde 2025 vollständig von Alcaraz und Sinner geprägt. Gemeinsam hoben sie das Niveau auf eine neue Stufe, standen sich in sechs Endspielen gegenüber und teilten die letzten acht Grand-Slam-Titel unter sich auf.

Aktuell scheint niemand in der Lage, dieses Duopol ernsthaft zu durchbrechen. Bei nahezu jedem Turnier wird erwartet, dass sich die beiden erneut im Finale gegenüberstehen. Ein Blick auf die Weltrangliste unterstreicht diese Dominanz: Der Drittplatzierte Alexander Zverev liegt mehr als 6.000 Punkte hinter Sinner.

Sinner und Alcaraz standen sich 2025 in sechs Endspielen gegenüber
Sinner und Alcaraz standen sich 2025 in sechs Endspielen gegenüberAdam Davy / PA Images / Profimedia

Die Frage bleibt: Wer könnte sich dazwischen schieben?

Ben Shelton fehlt noch die letzte Konstanz, Jack Draper kämpft weiterhin mit Fitnessproblemen. Arthur Fils ist verletzt, während Holger Rune nach einer schweren Achillessehnenverletzung Ende 2025 erneut zurückgeworfen wurde. Joao Fonseca gilt zwar als Riesentalent, ist auf diesem Niveau aber noch unerfahren.

Bei den etablierten Spielern schöpft Taylor Fritz sein Potenzial zwar aus, reicht aber nicht ganz an die Spitze heran. Zverev wiederum fehlt weiterhin die letzte Konsequenz in den entscheidenden Momenten.

Djokovics Jagd auf Nummer 25

Was Novak Djokovic mit 38 Jahren noch immer leistet, ist außergewöhnlich. 2025 erreichte die serbische Legende bei allen vier Grand Slams das Halbfinale und feierte mit den Turniersiegen in Genf und Athen die Titel Nummer 100 und 101 seiner Karriere.

Dennoch befindet sich Djokovic in einer schwierigen Position: Gegen nahezu alle Spieler ist er weiterhin überlegen, nur gegen Alcaraz und Sinner reicht es nicht mehr ganz. In drei der vier Grand Slams 2025 musste er sich einem der beiden geschlagen geben.

Ein Rücktritt steht für ihn zwar außer Frage, doch die Zeit arbeitet gegen ihn. Sein großer Traum bleibt Grand-Slam-Titel Nummer 25, mit dem er Margaret Court als alleinige Rekordhalterin ablösen würde. Vielleicht ergibt sich die Chance, wenn die beiden Topstars frühzeitig ausscheiden. Eines ist sicher: Djokovics Hunger nach Erfolg bleibt auch 2026 ungebrochen.

Eine ausgeglichene und hochklassige WTA Tour

Während das Herrentennis von einem Zweikampf geprägt ist, überzeugt die WTA-Tour durch Ausgeglichenheit und Tiefe. Vier verschiedene Spielerinnen gewannen 2025 die Grand Slams: Keys (Australian Open), Coco Gauff (French Open), Swiatek (Wimbledon) und Aryna Sabalenka (US Open). Die WTA Finals gingen an Elena Rybakina.

Rybakina besiegte Sabalenka im Finale der WTA Finals
Rybakina besiegte Sabalenka im Finale der WTA FinalsSTR/NurPhoto / Shutterstock Editorial / Profimedia

Trotz ihrer Konstanz zeigte sich Sabalenka verwundbar und verlor drei der fünf großen Endspiele. Rybakinas starke Form zum Saisonende dürfte die Konkurrenz ebenso alarmieren wie die Rückkehr von Naomi Osaka zu alter Stärke. Auch Jessica Pegula und Jasmine Paolini stehen für bemerkenswerte Konstanz.

Zudem drängen zahlreiche junge Talente nach: Victoria Mboko, Iva Jovic und Maya Joint feierten ihren Durchbruch, Tereza Valentova etablierte sich langsam – und Mirra Andreeva sorgte mit zwei WTA-1000-Titeln und einer festen Top-10-Platzierung für Furore.

Anisimovas Grand-Slam-Jagd

Die wohl faszinierendste Geschichte des Jahres 2025 schrieb Amanda Anisimova. Schon früh als Ausnahmetalent bekannt, nahm sie sich 2023 eine mentale Auszeit und kehrte 2024 gestärkt zurück.

2025 folgte der große Durchbruch: Titel bei den WTA-1000-Turnieren in Doha und Peking sowie Finalteilnahmen in Wimbledon und bei den US Open katapultierten sie auf Rang vier der Weltrangliste. Der erste Grand-Slam-Titel scheint nur noch eine Frage der Zeit.

In den Endspielen war die Amerikanerin noch etwas nervös – besonders die 0:6, 0:6-Niederlage gegen Swiatek in Wimbledon schmerzte. Doch bereits bei den US Open zeigte sie Fortschritte gegen Sabalenka. Ihre mentale Stärke unterstrich sie eindrucksvoll, als sie Swiatek nach der Wimbledon-Niederlage sowohl bei den US Open als auch bei den WTA Finals besiegte und zudem ein dramatisches Wimbledon-Halbfinale gegen Sabalenka für sich entschied.