"Sehr stolz": Djokovic glaubt weiter an den 25. Titel – Kein Karriereende in Sicht

Novak Djokovic nach der Finalniederlage bei den Australian Open gegen Carlos Alcaraz.
Novak Djokovic nach der Finalniederlage bei den Australian Open gegen Carlos Alcaraz.REUTERS/Edgar Su

Nach zwei turbulenten Wochen fiel Novak Djokovics Abschied aus Melbourne leise aus. Während sein Bezwinger Carlos Alcaraz am Montag beim Trophäenshooting vor dem Royal Exhibition Building den süßen Duft des Triumphes auskostete und sich von einer langen Partynacht erholte, begab sich der Serbe abseits des Scheinwerferlichts auf die Heimreise. Mit im Gepäck: Eine Silberschale für den Zweitplatzierten, intensive Erinnerungen und die Erkenntnis, dass er noch immer ganz nah dran ist.

Nah dran, ein weiteres Kapitel Sportgeschichte zu schreiben; nah dran, sich den Traum vom 25. Grand-Slam-Titel im hohen Tennisalter doch noch zu erfüllen - und die Australierin Margaret Court (83) sanft, aber bestimmt vom bislang geteilten Rekordthron zu schieben. "Ich glaube immer daran, dass ich es schaffen kann. Sonst würde ich nicht antreten", sagte Djokovic am Sonntagabend auf der Anlage im Melbourne Park. Dort, wo er kurz zuvor im elften Anlauf zum ersten Mal das Finale verloren hatte.

Er freue sich darüber, so der Serbe, dass er Alcaraz einen großen Kampf hatte liefern können - und auch über den "surrealen" Fünfsatzsieg über Titelverteidiger Jannik Sinner zwei Tage zuvor. "Ich wusste, dass ich wahrscheinlich beide besiegen muss auf dem Weg zum Titel. Ich habe einen geschlagen, also bin ich schon näher dran gewesen als vergangenes Jahr", rechnete Djokovic vor. "Das ist sehr schön, aber nicht genug."

Djokovic weiterhin auf Top-Niveau

Nach seinen vier Halbfinalniederlagen bei den Grand Slams 2025 haben diese Tage von Melbourne dem erfolgreichsten Tennisspieler der Geschichte neues Selbstvertrauen eingehaucht. Oder besser neuen Glauben - an Selbstvertrauen nämlich wird es dem Serben wohl nie mangeln. Plötzlich jedenfalls ist er wieder mittendrin in der absoluten Weltspitze und hungrig wie eh und je. "Ich werde weiter pushen und sehen, ob ich noch eine Chance bekomme", sagte der Olympiasieger.

Wenngleich Djokovic inzwischen deutlich entspannter daherkommt und sich am Sonntag als großartiger Verlierer präsentierte: Das Feuer lodert noch immer im Balkan-Vulkan. Das wurde in Melbourne, wo er mehrfach das ganze Stadion auf seine Seite zog, eindrucksvoll deutlich.

Und auch, wenn es bei der Siegerehrung dann ein klein wenig nach einem Abschied von Australien roch, dürfte feststehen: Mindestens die anderen Grand Slams in diesem Jahr wird Djokovic noch angreifen. Denn er weiß nun, wie wenig ihm fehlt. Und alleine das ist für einen demnächst 39-Jährigen in einer Ära, die von zwei Ausnahmespielern am Anfang ihrer 20er geprägt wird, schon besonders.

Konzentration auf Zeit mit Familie

Gut möglich, dass er auf der Jagd nach weiterer Grand-Slam-Glorie demnächst auch mal wieder an Alexander Zverev vorbei muss. Der Hamburger, nun hinter Djokovic die Nummer vier der Welt, hat sich in Melbourne ja ebenfalls in der absoluten Weltspitze zurückgemeldet. Er bildet mit dem Serben und Lorenzo Musetti aus Italien nun so etwas wie den dreiköpfigen "Best of the Rest"-Rat. Es spricht vieles dafür, dass es einer der drei sein dürfte, wenn es künftig mal wieder jemandem gelingt, die nun schon neun Grand Slams anhaltende Sinner-Alcaraz-Dominanz zu durchbrechen.

Erstmal aber will Djokovic, bevor er bei den French Open seinen nächsten großen Angriff startet, Kraft schöpfen. Er freue sich nun darauf, bald bei seiner Familie zu sein. "Das ist das einzige, an das ich gerade denke: Meine Liebsten zu umarmen", sagte er - und verabschiedete sich aus Melbourne.