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Taktik, Team, Talente, Torhüter: Klopps erste Entscheidungen als Bundestrainer

Jürgen Klopp soll am Freitag vorgestellt werden
Jürgen Klopp soll am Freitag vorgestellt werdenČTK / imago sportfotodienst / Moritz Mueller

Jürgen Klopp wird als Nachfolger von Julian Nagelsmann der 13. Bundestrainer des Deutschen Fußball-Bundes. Er soll den tief gefallenen viermaligen Weltmeister zurück in die Weltspitze führen. Was kann, was muss er ändern? Ein Blick auf erste wichtige Entscheidungen.

Team

Manuel Neuer ist schon weg, andere müssen folgen. Klopp muss beurteilen, wie breit ein Umbruch ausfallen kann. Die Ü30-Fraktion mit Oliver Baumann oder Antonio Rüdiger wäre ein logisches "Opfer". Aber traut er sich auch an die "Generation nix" ran, die Jahrgänge 1995/96 um Kapitän Joshua Kimmich?

Logisch erscheint der Abschied von Leroy Sané oder Leon Goretzka. Klopp muss genau prüfen, wer die Mannschaft der Zukunft trägt. Zudem gilt es, das vorhandene Potenzial endlich auch mal abzurufen. Genau dafür ist Klopp bekannt.

Talente

Die Frage nach neuen Gesichtern. Klopp ist als Nachwuchsförderer bekannt, er ebnete etwa Mario Götze den Weg in die Weltklasse. Lennart Karl, Assan Ouédraogo, Said El Mala oder Nicolò Tresoldi: Einige Jungstars stehen bereit, auch Jamal Musiala, Florian Wirtz, Nathaniel Brown oder Aleksandar Pavlovic sind noch keine 24 Jahre alt. Jonas Urbig drängt in München wie beim DFB ins Tor, obwohl Neuer beim FC Bayern noch weitermacht.

"Unser System wird immer gute Spieler hervorbringen", sagte der frühere Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm, "viel wichtiger ist es, eine Nationalmannschaft zu entwickeln." Wie? "Wir brauchen wieder mehr Klarheit, wie wir Fußball spielen wollen."

Taktik

Tja, wie? Im desaströsen WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay hatte die DFB-Elf in drei Vierteln der Spielzeit den Ball – der Ertrag? Nur ein Tor. Lahm sah "keine Idee, wie sie agieren, wie sie zu Torchancen kommen, wie sie den Gegner vom eigenen Tor fernhalten".

Klopp hat diese Idee. Während Nagelsmanns Vorgaben den Spielern mitunter "zu kompliziert" waren, steht er für einen einfacheren, schnörkellosen Heavy-Metal-Fußball mit überfallartigen Angriffen nach Ballgewinn. "Wir waren mal Fußball-Deutschland", sagte Klopp. "Um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir richtig ran." Wo genau? "Finde den Fehler im System," sagte er. Es geht also auch um die Ausbildung und Verzahnung.

DNA

Mit der Spielidee geht eine klare Identität einher, der frühere DFB-Kapitän Ilkay Gündogan sieht sie als das A und O an. "Ich hatte bei der WM aber das Gefühl, dass die Spieler selbst nicht so richtig wussten, was unsere DNA ist." Wer sind "wir"? Der viermalige Weltmeister? Oder ein Underdog?

Klopp forderte als TV-Experte: Runter vom hohen Vier-Sterne-Ross! "Wir müssen eine Erwartungshaltung kreieren, mit der die Spieler umgehen können." Und dann über Zweikämpfe ins Spiel finden. Erstmal Gegentore verhindern wollen. Zugleich muss Klopp den Glauben an die eigene Stärke zurückbringen. Das kann wohl niemand so gut wie er.

Kommunikation

Wie Nagelsmann trägt auch Klopp sein Ego teils vor sich her, was gefährlich werden könnte. Was er aber kann: eine Wagenburgmentalität erzeugen. Wir gegen die. Und sei es gegen den Rest der Welt. Damit kann er die Fans nach einem Jahrzehnt voller Fehlschläge mitreißen.

Andererseits hat sein Ruf bei Traditionalisten durch das Red-Bull-Engagement gelitten. Hilfreich wäre, wenn er sich schnell auf eine identitätsstiftende Achse festlegen und jeden Spieler auf seiner besten Position aufbieten würde.

Ausbildung

Jeder Bundestrainer ist nur so gut wie sein Spielermaterial. "Ab der U10" müsse beim DFB strukturell alles hinterfragt werden, forderte Klopp bereits, Gündogan riet dazu, "sich jetzt auch mal die Dynamiken innerhalb des DFB" anzuschauen – "bis hinunter in die Jugendakademien". Der Verband hat den Mangel erkannt und steuert seit 2024 gegen.

Klopp sollte nicht den Fehler begehen, in Allmachtsfantasien zu verfallen – und gute Leute wie Hannes Wolf ihre Arbeit machen lassen. Zudem soll Per Mertesacker kommen, der acht Jahre lang die Akademie des FC Arsenal geleitet hat. Den neuen Leitgedanken für den Nachwuchs hat Klopp schon formuliert: "Kicken, kicken, kicken."