"Von Rennen zu Rennen fühle ich mich besser", sagte Lipowitz im Eurosport-Interview und freute sich nach der Abschlussetappe über seinen zweiten Gesamtrang bei der anspruchsvollen Rundfahrt. Dann schob der Ulmer noch eine Erkenntnis hinterher: "Ich habe mich im Vergleich zum letzten Jahr verbessert." Es war besonders der Schlussteil dieser Aussage, der am Ende einer intensiven Woche in der französischsprachigen Region der Schweiz aufhorchen ließ. Schließlich hatte Lipowitz in besagtem Jahr 2025 seinen Durchbruch gefeiert - und mit Platz drei bei der Tour de France alle überrascht.
Nun, gut neun Monate später und rund zwei Monate vor dem erneuten Start bei der wichtigsten Landesrundfahrt der Welt, sieht er sich also noch einen Schritt weiter. Und in der Tat war der Auftritt in der Schweiz ein untrügliches Zeugnis seiner starken Frühform. Lipowitz war der einzige Fahrer, der Pogacar vor Aufgaben stellen konnte.
Lipowitz fordert Pogacar
42 Sekunden trennten den Mann vom deutschen Rennstall Red Bull-Bora-hansgrohe in der Gesamtwertung letztlich vom viermaligen Tour-Sieger. Auf den Drittplatzierten Lenny Martinez hatte der Ulmer hingegen komfortable 122 Sekunden Vorsprung. Pogacar, freute sich Lipowitz hinterher, sei zumindest am Schlussanstieg der letzten Etappe wohl "schon ein bisschen am Limit" gewesen.
Kein Wunder: Schließlich hatte Lipowitz sich hinauf nach Leysin ungewohnt aggressiv präsentiert - und immer wieder versucht, den Slowenen abzuschütteln. Der klemmte sich ans Hinterrad und spurtete erst im Finale auf dem Weg zu seinem vierten Etappensieg in der Romandie vorbei.
Schon tags zuvor, beim schwierigsten Teilstück der Rundfahrt, hatten sich die beiden in der entscheidenden Phase einen Zweikampf geliefert. Erst kurz vor dem Gipfel des Jaunpasses zog Pogacar davon und legte den Grundstein für seinen späteren Gesamtsieg.
Alle Augen auf Barcelona
Lipowitz konnte das verschmerzen. "Ich bin einfach froh, die Chance gehabt zu haben, mich mit ihm zu messen. Ich kann superglücklich und stolz sein, wie diese Woche verlaufen ist", sagte der 25-Jährige, der nach guten Leistungen in Katalonien sowie im Baskenland nun sein drittes Rundfahrts-Podium des Jahres einfuhr.
Den Feinschliff für die Tour de France, die am 4. Juli in Barcelona beginnt, wird sich der Ulmer nun mit einem guten Gefühl holen. Die drei Podestränge, sagte er, gäben jede Menge Selbstvertrauen. Erst ab 17. Juni greift Lipowitz bei der Slowenien-Rundfahrt wieder ins Renngeschehen ein. So zumindest lautet der offizielle Plan des Teams - damit die Form im Juli dann noch besser ist.
