Die Fortsetzung seiner Jagd auf die Monumente, auf die Rekorde des ewigen Eddy Merckx, sie elektrisiert die Radsport-Welt schon jetzt. Pogacars dritter Titel in Flandern und seine nächste Machtdemonstration gegen die (Nächst-)Besten der Welt rückten schnell in den Hintergrund. Schließlich erreicht die Saison der Frühjahrsklassiker schon am kommenden Sonntag ihren Höhepunkt, bei der 123. Austragung von Paris-Roubaix.
Der Sieg in der "Hölle des Nordens" ist der letzte, der Pogacar bei den fünf prestigeträchtigsten Eintagesrennen noch fehlt - und ein großer Traum, auch wenn Pogacar versucht, die Bedeutung herunterzuspielen. "Die Motivation ist hoch, der Druck niedrig – so niedrig wie der Reifendruck sein wird", sagte er mit Blick auf das 258,3 km lange Spektakel mit mehr als 50 km Kopfsteinpflaster.
Pogacar: "Zwei von fünf" geschafft
Pogacar, der neben der Flandern-Rundfahrt auch Lüttich-Bastogne-Lüttich, die Lombardei-Rundfahrt und seit diesem Jahr Mailand-Sanremo bereits gewonnen hat, würde mit einem Triumph nicht nur seine Monumente-Sammlung vervollständigen - er würde auch Legende Merckx weiter auf die Pelle rücken. Mit seinen nun zwölf Siegen ist er bereits Zweiter in der ewigen Bestenliste, auf Merckx (19) fehlen ihm noch sieben Siege. Doch Pogacar könnte auch schon 2026 etwas schaffen, was dem Belgier nie gelang: Alle Monumente im selben Kalenderjahr zu gewinnen.
"Es stehen jetzt zwei von fünf, wir sollten nicht zu weit vorgreifen", sagte Pogacar bescheiden, doch das Narrativ rund um die Jagd auf das Quintuple kann der Slowene nicht mehr einfangen. Nicht zuletzt, weil er bei der Flandern-Rundfahrt wieder in seiner eigenen Liga fuhr und als Solist ins Ziel rollte. Auch Klassiker-Maschine van der Poel hatte der entscheidenden Attacke des 27-Jährigen 18 km vor dem Ziel nichts entgegensetzen können.
"Ich gebe immer alles für mich, aber am Ende war er einfach stärker - ich bin mit 650 Watt gefahren und konnte das Hinterrad trotzdem nicht halten", seufzte van der Poel im Anschluss. Dennoch wird der Niederländer auch in Nordfrankreich Pogacars ärgster Rivale sein. Das flache Terrain bei Paris-Roubaix liegt dem Sieger der vergangenen drei Ausgaben noch mehr als die Flandern-Rundfahrt mit ihren giftigen Anstiegen.
Sollte es Pogacar trotzdem gelingen, van der Poel diesmal zu bezwingen, fehlen ihm eigentlich nur noch zwei ganz große Titel im Weltradsport: Ein Olympiasieg und der Sieg bei der Vuelta in Spanien. In einer Sportart, die in der Prä-Pogacar-Ära einst viel mit Spezialisierung zu tun hatte, ist das eine fast unverschämte Statistik.
