Zum Hauptinhalt springen

Im Auge des Sturms – Brenner brennt bei Vuelta auf mehr

Brenner hat sich zurück auf den Sattel gekämpft
Brenner hat sich zurück auf den Sattel gekämpftSTEFANO CAVASINO / LIVEMEDIA / DPPI VIA AFP

Marco Brenners Karriere glich bislang einer Achterbahnfahrt. Derzeit führt der Weg steil nach oben, bei der Vuelta genießt der 23-Jährige jede Menge Rückenwind.

Klitschnass kämpfte sich Marco Brenner durch den erbarmungslosen Sturm, Murmelgroße Hagelkörner prasselten auf ihn nieder, dann flüchtete auch er vor der Gefahr von oben.

Die harten Seiten des Radsport-Lebens bekam der deutsche Hoffnungsträger auf schmerzhafte Weise zu spüren, nach der Tortur auf der abgebrochenen dritten Vuelta-Etappe rollte Brenner am Dienstag dann wieder voller Tatendrang an den Start.

Ein schweres Unwetter beendete frühzeitig die dritte Etappe der Vuelta
Ein schweres Unwetter beendete frühzeitig die dritte Etappe der VueltaED JONES / AFP

"Ich habe auf jeden Fall das Niveau für gute Ergebnisse und hoffentlich auch für einen Etappensieg", sagte der deutsche Meister von 2024 in einer Medienrunde vor dem Beginn der Spanien-Rundfahrt. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist riesig.

Rollstuhl nach schwerem Unfall 

Doch noch vor 15 Monaten hatte Brenner mit dem Radsport fast schon abgeschlossen. Der heftige Sturz beim Giro d'Italia im letzten Jahr ließ ihn alles in Frage stellen.

Seine Wade war bis zum Knochen aufgerissen, das Kreuzband gezerrt, die Schulter ausgekugelt: "Ich war mir so sicher", sagte Brenner der Augsburger Allgemeinen, "ich bin im Krankenwagen in Tränen ausgebrochen und habe meinem Teamchef gesagt, ich werde nie mehr aufs Rad steigen."

Taten hat Brenner seinen Worten nicht folgen lassen. Auch mit Hilfe eines Psychologen kämpfte sich der 23-Jährige aus dem Rollstuhl und der Reha zurück in den Sattel.

Brenner hat sich nicht unterkriegen lassen
Brenner hat sich nicht unterkriegen lassenBERND WEISSBROD / DPA / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Nach seinem Coup bei der Polen-Rundfahrt, dem ersten Gesamtsieg eines Deutschen auf der WorldTour seit 2021 und dem ersten seines Rennstalls, wurde der Augsburger mit einer langfristigen Vertragsverlängerung belohnt.

Bis 2030 ist Brenner nun an das Schweizer Team Tudor Pro Cycling gebunden, einen längeren Kontrakt besitzt im Peloton kaum ein Fahrer.

Ein Fragezeichen bleibt

Seine Stärken besitzt Brenner vor allem bei einwöchigen Etappenrennen, als die nächste deutsche Rundfahrt-Hoffnung nach dem Tour-Dritten Florian Lipowitz sieht er sich noch nicht. "Bei den Grand Tours muss ich in Zukunft noch herausfinden, wie gut das für mich funktioniert", sagte Brenner.

In Spanien ist die Platzierung in der Gesamtwertung zweitrangig. Seine Mannschaft legt den Fokus auf Tagessiege. Er selbst will als Ausreißer in den Bergen sein Glück versuchen.

Gelegenheiten dafür gibt es für Brenner bei seinem dreiwöchigen Abenteuer genug, vorausgesetzt, Dominator Tadej Pogacar hält zwischendurch die Füße still. 2022, als Brenner noch für das DSM-Team an den Start ging, reichte es immerhin für einen fünften Platz.