Higgins ringt Robertson nieder, chinesischer Youngster im Halbfinale

John Higgins (vorne) im Match gegen Neil Robertson (hinten).
John Higgins (vorne) im Match gegen Neil Robertson (hinten).Martin Rickett / PA Images / Profimedia

Das Halbfinale der Snooker-WM ist komplett! Nach Mark Allen und Shaun Murphy ziehen am Abend John Higgins und Wu Yize in die Runde der letzten vier ein. Higgins liefert sich dabei einen Krimi mit Neil Robertson, den er 13:10 gewinnt. Wu hat mit Hossein Vafaei weitaus weniger Probleme und löst sein Ticket dank eines 13:8-Erfolgs.

John Higgins steht im Halbfinale der Snooker-WM! Gegen Neil Robertson dreht der Schotte in der finalen Session komplett auf und gewinnt diese mit 6:1 - das Match holt er dadurch trotz langem Rückstand relativ deutlich mit 13:10.

Robertson nahm eine 9:7-Führung in den Abend, diese hielt aber nicht lange. Mit Breaks von 63 und 66 Punkten gewann er den ersten Frame der finalen Session locker, der Schotte ließ darauf eine 77 folgen und glich so im Handumdrehen zum 9:9 aus.

Zum Match-Center: Higgins vs. Robertson

John Higgins profitiert von Robertsons Pech

Auch im 19. Frame hatte Higgins eine gute Chance, spielte dann aber eine Rote an der kurzen Bande zu dünn. Robertson nutzte seine Gelegenheit und legte seinerseits ein 77er Break auf - das brachte ihm die erneute Führung. Anschließend war der Australier aber zweimal im Pech. Vor der Pause hatten beide Spieler reihenweise Chancen. Letztlich lochte Robertson im Endspiel auf die Farben nach einem Higgins-Fehler Grün, doch dabei lief ihm der Spielball in die Mitteltasche. So bekam Higgins Ball in Hand, was er zum Frame-Gewinn nutzte.

Nach dem Midsession Intervall gab es das Deja Vu für den Australier. Wieder machte Higgins einen Fehler, wieder lochte Robertson den Objektball inklusive Spielball - dieses Mal unter mithilfe der Blauen. Der Schotte machte aus einem konfusen Bild 37 Punkte - genug, damit Robertson Snooker benötigte. Der Australier versuchte sein Glück, konnte aber keine Foulpunkte forcieren. So ging Higgins das erste Mal seit seiner 1:0-Führung in Front.

Higgins klaut Frame auf Schwarz

Es folgte wohl der umkämpfteste Frame der Session - der letztlich auch vorentscheidend war. Robertson hatte in einem konfusen Bild lange die Oberhand. Er gewann mehrere Safety-Duelle für sich und zeigte mit einem Trickshot wohl auch den Stoß des Turniers. Doch den Frame konnte er mit einer Roten auf dem Tisch nicht absichern, so folgte ein weiteres langwieiriges taktisches Duell.

Aus diesem ging Higgins als Sieger hervor, beim Stand von 26:58 lochte er die finale Rote mit Blau. Anschließend zeigte er seine brillante Technik bei einer schwierigen Gelben, die restlichen Farben waren nur noch Formsache, um mit einem Punkt Vorsprung auf 12:10 zu stellen. In der Folge unterlief dem Australier gleich zu Beginn ein grober Safety-Fehler, was Higgins mit 53 Punkten bestrafte, dann aber eine eigentlich leichte Rote liegen ließ.

Higgins holt Match mit drittem Frame-Gewinn in Folge

Für Robertson ergab sich daraus allerdings keine Möglichkeit, der 44-Jährige wählte daher eine Safety. Wenige Momente später bekam der Australier zwar eine Chance, musste aber nach 15 Punkten wieder sicher aussteigen. Im Anschluss hatte Higgins mehrfach Dusel, dass er bei Lochversuchen keine machbare Kugel liegen ließ. Nach einem missglückten Double-Versuch von Robertson lochte der "Wizard of Wishaw" dann eine harte Rote und machte den Frame und damit auch das Match mit einem kleinen Break zu.

Im Halbfinale trifft Higgins auf Shaun Murphy, der den amtierenden Weltmeister Zhao Xintong am Nachmittag ausschaltete.

Wu Yize im Halbfinale: "Jetzt ist alles für mich möglich"

Auf dem Nebentisch hatte Wu Yize deutlich weniger Probleme mit Hossein Vafaei. Der Chinese ging mit einer 10:6-Führung in den Abend und brachte sein Match locker mit 13:8 über die Bühne. Im Halbfinale trifft der Shooting Star auf Mark Allen, der in seinem Viertelfinale heute morgen Barry Hawkins schlug.

"In der finalen Session habe ich endlich meinen Rhythmus gefunden", gab ein glücklicher Wu nach dem Match im Gespräch mit der BBC an. "Es ist das erste Mal, dass ich mit nur einem Tisch im Crucible spielen darf. Ich habe das Gefühl, dass jetzt für mich alles möglich ist."

Zum Match-Center: Wu vs. Vafaei

Wu glänzt mit Total Clearence

Wu und Vafaei lieferten sich im Gegensatz zu Higgins und Robertson am Abend kaum taktische Duelle. Der 22-Jährige stellte dank eines 75er Breaks schnell auf 11:6, ehe der Iraner mithilfe einer 71 den alten Rückstand wiederherstellte.

Vafaeis Hoffnungen auf ein Comeback nahmen aber ein jähes Ende: Wu zauberte eine Total Clearence in Höhe von 135 Punkten auf den Tisch und brauchte so nur noch einen Frame, um erstmals im Halbfinale der Snooker-WM zu stehen. Vafaei verzögerte diesen Moment aber dank eines 50er Breaks und verkürzte auf 8:12. Der Iraner hätte auch den 21. Frame holen können, nach einem 70er Break konnte er allerdings die vier verbleibenden Roten nicht splitten. So stieg er kontrolliert aus - der Frame war aber für Wu gerade noch so in Reichweite.

Vafaei zollt Wu Respekt: "Er ist ein sehr talentierter Spieler"

Nach einem Safety-Duell inklusive eines erzwungenen Fouls bekam Wu seine Chance, den Frame und damit auch das Match durch die Hintertür zu gewinnen - und genau das tat er. Mit einer 55er Clearence drehte Wu den Frame und zog so mit 13:8 ins Halbfinale. Vafaei fand im Anschluss anerkennende Worte für seinen Kontrahenten.

"Wu locht einige unglaubliche Bälle, spielt starke Shot to Nothings, bei denen er dann auf die kleinen Farben stellte. Gegen ihn zu spielen ist sehr schwierig. Dasselbe hat er schon gegen Mark Selby gezeigt – er ist ein sehr talentierter Spieler.