Und zumindest medial durfte der Bruder auf dem Weg stramm Richtung Vierschanzentournee-Triumph dann miterleben, wie der Gesamtsieg der "Tour Nights Tour" in Prevc-Besitz überging. Prevc hier, Prevc da, Prevc überall: Die Schanzenwelt ist derzeit eine Familien-Angelegenheit.
"Das ist das Ergebnis von harter, täglicher Arbeit über viele Jahre", sagte der "Domenator", nachdem er am Neujahrstag auch das zweite Tourneespringen gewonnen hatte, so überlegen wie schon drei Tage zuvor in Oberstdorf: "Es war wieder ein super Tag für mich."
Schwester Nika sieht Domen als Vorbild
Und da der jüngste der drei Prevc-Brüder und das mittlere der fünf Prevc-Geschwister derzeit praktisch ausschließlich "Super-Tage" hat, zweifelt angesichts des größten Halbzeit-Vorsprungs seit 21 Jahren kaum jemand daran, dass Domen auch die Tournee gewinnt. Auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem ältesten Bruder Peter, der bislang das sportliche Familien-Oberhaupt war.
Doch zumindest für Nika (20) ist Domen (26) das größere Vorbild als Peter (33). "Wenn es um Sprungtechnik geht, wollte ich immer wie er sein", sagt sie: "Sein Stil hat mich immer inspiriert." Nicht nur Nika sieht Domen derzeit als das springerische Nonplusultra an, auch das deutsche Team staunt Bauklötze während der magischen Flüge des Branchenführers.
"Man fragt sich als Springer schon irgendwie: Ja, wo sind denn die restlichen 15 Meter bis zum Domen?", sagt Philipp Raimund: "Ich gebe ja auch mein Bestes. Dann zu sehen, dass er einfach in jedem Wettkampf so Überflieger ist, ist brutal. Von seinem Fluggefühl kann ich träumen." Und Felix Hoffmann wünscht sich sehnlich die "Leichtigkeit, mit der er im letzten Flugdrittel wegsegelt."
Dabei war bei Domen längst nicht alles Leichtigkeit. Mit 16, kurz vor Peters Tournee-Sieg, stürmte der Teenager nassforsch in die Weltspitze, gewann mit 17 seine ersten Weltcups - und pendelte dann fast ein Jahrzehnt lang zwischen Traumflug und Bruchlandung.
Bruderduell als "Konkurrenten, keine Freunde"
Einerseits weil sein Flugstil mit dem Kopf fast unter den Ski "keinem zu empfehlen" (Österreichs damaliger Nationaltrainer Heinz Kuttin) und auch fehleranfällig war.
Andererseits, weil er sich krampfhaft im Nationalteam gegen Peter und den zweitältesten Bruder Cene behaupten wollte. "Ich habe immer gesagt, dass wir Konkurrenten sind, keine Freunde. Wir sind zwar Brüder, aber wir sprechen nicht über Skispringen", sagte der junge Domen damals.
Eigentlich erst seit Peters und Cenes Karriereende hat Domen seine Mitte gefunden, den Flugstil entschärft, aber optimiert, seine Psyche harmonisiert. Seit rund einem Jahr gewinnt er mit Nika im Gleichschritt: Beide holten 2025 WM-Gold, den Skiflug-Weltrekord, Weltcupsiege als Dutzendware, Olympia-Gold beiderseits soll folgen. Derzeit scheint alles so leicht.
"Es fühlt sich an wie ein Spiel, aber auf dieses Spiel muss ich vorbereitet sein", sagt Domen: "Natürlich spüre ich Druck. Aber es liegt an mir, diesen Druck in Adrenalin umzuwandeln. Das treibt mich an."
