Aus dem Schatten des Vaters: Skispringer Jonas Schuster macht Papa Werner stolz

Jonas Schuster bei der Vierschanzentournee 2026
Jonas Schuster bei der Vierschanzentournee 2026KERSTIN JOENSSON / AFP

Jonas Schuster stand in der untergehenden Sonne von Innsbruck neben einem Fan-Plakat, das ihn in Schönschrift als Skisprung-Gott auswies, und musste grinsen. Schon wieder. Seine erste richtige Vierschanzentournee bereitet einem der jungen Wilden unter Österreichs Skispringern Spaß in Dauerschleife.

"Die Tournee ist megagut gestartet", sagte der 22-Jährige dem SID: "Und jetzt die Heimschanzen - ich freue mich sehr." Und wenn man damit noch einen anspruchsvollen Vater glücklich macht, der jeden Sprung vor einem Millionenpublikum seziert, ist die Freude noch größer.

"Ich glaube, er ist schon ein bisschen stolz, dass ich es so weit geschafft habe", sagt Jonas Schuster über Werner Schuster, der über ein Jahrzehnt lang wortmächtiger deutscher Bundestrainer war und heute für Eurosport die Tournee begleitet: "Er unterstützt mich immer, wenn ich etwas brauche. Ich bin froh, dass ich ihn habe." Und was sein Vater über ihn im TV erzählt, höre er sich schon im Nachhinein an, "meistens jedenfalls".

Schuster für Deutschland?

Dabei hat sich der Filius abseits der väterlichen Lehrmeinung entwickelt: Während Schuster Senior in Deutschland wirkte, kämpfte sich Jonas durchs legendäre Schigymnasium Stams, als sehr akribischer Nachwuchsathlet - was Werner Schuster wohlwollend verfolgte: "Ich habe immer geschaut, dass ich nicht sein Trainer bin und er seinen eigenen Weg gehen kann."

Natürlich: Die aus dem Kleinwalsertal stammenden Schusters sind nicht nur geographisch eng mit Deutschland verbunden. Opa Willy, heute 88, war deutscher Frauen-Bundestrainer, ehe der in Oberstdorf geborenen Papa Werner eine DSV-Ära prägte. Dass Jonas Schuster aber für sein Heimatland starten würde, stand nie außer Frage - es wäre auch anders gar nicht ohne Weiteres möglich gewesen.

"Ich habe ja nicht einmal eine Verbindung zu Deutschland - meine Eltern sind beide Österreicher", sagt Jonas Schuster. Ob die ausgedünnten DSV-Adler einen wie ihn liebend gerne haben würden? Achselzucken: "Kann sein."

Jedenfalls befindet er sich auf dem Weg in die Weltspitze - was für alle gilt, die es dauerhaft in Österreichs Weltcup-Team schaffen. In Engelberg schaffte er als Fünfter sein Topergebnis. Bei der Tournee, die er erstmals komplett bestreitet, wird er die Familienbestmarke aufstellen: Willy war 1966/67 22., Werner kam 1992/93 auf Platz 55. Im ÖSV-Team steht Schuster zwar etwas im Schatten seines Zimmerkollegen Stephan Embacher, noch jünger, noch erfolgreicher. Doch das ist schon okay: "Stephan ist ein brutaler Springer".

Bruder Jannik schaut zu – trotz Profifußball

Auch familiär wird Jonas wohl auf absehbare Zeit sportlich die zweitgrößte Nummer sein. Sein Bruder Jannik (19) ist Fußballprofi, U21-Nationalspieler und mittlerweile Stammkraft bei RB Salzburg. "Hier in Innsbruck konnte er leider nicht dabei sein, er hatte Trainingsauftakt - aber in Oberstdorf war er da", sagt Jonas. Beide unterstützen sich nach Kräften, das hat Familientradition.

Diese Tradition sagt noch etwas anderes: Die Schusters werden demnach regelmäßig vom österreichischen Skispringer zum deutschen Bundestrainer - der DSV braucht bei Jonas also nur noch etwas Geduld.