Vierschanzentournee 2025/26: Die große Analyse

Vierschanzentournee 2025/26: Die große Analyse
Vierschanzentournee 2025/26: Die große AnalyseArena Akcji / ddp USA / Profimedia

Wie jedes Jahr stand auch heuer mit der Vierschanzentournee zum Jahreswechsel wieder ein Klassiker auf dem Programm. Traditionellerweise fanden in Oberstdorf und Garmisch-Partnerkirchen zwei Springen auf deutschem Boden statt, bevor der Weltcup-Tross für die Entscheidung ins österreichische Innsbruck und Bischofshofen übersiedelte.

Die 74. Vierschanzentournee geht als eine der dominierendsten Ausgaben der letzten Jahre in die Geschichte ein. Sloweniens Überflieger Domen Prevc ist mit deutlichem Vorsprung der neue Sieger. Was sich sportlich abspielte, wer überraschte und wer enttäuschte, fassen wir hier zusammen.

Domen Prevc als großer Sieger

Schon nach den ersten beiden Springen war spürbar, dass diese Tournee einen klaren Taktgeber hatte. Domen Prevc präsentierte sich vom ersten Trainingssprung an in außergewöhnlicher Form. Zwei Siege (Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen) sowie zwei zweite Plätze (Innsbruck, Bischofshofen) reichten am Ende für einen überlegenen Gesamtsieg.

Der Vorsprung von 42,3 Punkten auf den Zweitplatzierten Jan Hörl unterstreicht, wie dominant Prevc über alle vier Stationen hinweg agierte. Er ist erst der dritte Slowene, der den Goldenen Adler gewinnt – und der zweite aus der Familie Prevc. Zehn Jahre nach Bruder Peter Prevc schließt sich damit ein Kreis, der die slowenische Skisprung-Erfolgsgeschichte eindrucksvoll fortschreibt. “Ich werde es wohl erst morgen realisieren, dass ich etwas Großartiges erreicht habe. Die harte Arbeit und die Hingabe der letzten Jahre haben sich ausgezahlt. Jetzt ist es mein Thron“, sagte der siebenfache Saisonsieger nach dem Tournee-Triumph im ORF.

Der Endstand im Überblick

Die Endabrechnung der Vierschanzentournee 2025/26 zeigt eine klare Hierarchie, aber auch interessante Erkenntnisse. Stephan Embacher avancierte zum neuen Shootingstar und gilt als die Überraschung der diesjährigen Tournee. Der Japaner Ren Nikaido schaffte den Durchbruch auf der großen Bühne und triumphierte in Innsbruck.

Die vier Stationen im Detail

Oberstdorf – Der Auftakt

In Oberstdorf setzte Prevc gleich das erste Ausrufezeichen. Bereits im Training ließ er erahnen, dass er mit der Schattenbergschanze hervorragend zurechtkommt. Im Wettkampf bestätigte sich dieser Eindruck und er gewann vor Daniel Tschofenig und Felix Hoffmann. Schon hier wurde klar: Wer diese Tournee gewinnen will, muss an Prevc vorbei.

Garmisch-Partenkirchen – Neues Jahr, gleiche Dominanz

Auch beim prestigeträchtigen Neujahrsspringen blieb das Bild unverändert. Prevc zeigte erneut seine Abgeklärtheit und triumphierte souverän. Dahinter kämpften Hörl und Embacher um die Podestplätze, wobei vor allem Embacher mit bemerkenswerter Lockerheit sprang. 

Innsbruck – Das Springen im Hexenkessel

Unter schwierigen Windbedingungen nutzte Nikaido am Bergisel seine Chance und feierte einen überraschenden, aber verdienten Sieg. Prevc wurde Zweiter und Embacher erneut Dritter. Gerade diese Station zeigte jedoch Prevc’ Stärke. Er ließ sich nicht aus dem Konzept bringen, verlor kaum Punkte auf die Konkurrenz und hielt den Gesamtsieg jederzeit unter Kontrolle.

Bischofshofen – Das Finale

Beim Finale in Bischofshofen ging es sportlich weniger um den Gesamtsieg als um Prestige. Tschofenig nutzte die Gelegenheit und holte sich den Tagessieg. “Ich bin glücklich, ich glaube, letztes Jahr war absolut genial mit allem, was passiert ist. Dieses Jahr hab ich mir weniger erwartet, die Sprünge waren mehr als in Ordnung, und heute war ein genialer Tag“, sagte der 23-jährige Kärntner nach dem Sieg. Prevc wurde Zweiter und sicherte den Goldenen Adler souverän ab. Sein Auftreten im Finale war sinnbildlich für die gesamte Tournee: selbstbewusst und ohne unnötiges Risiko.

Tops der Tournee

Domen Prevc – Der überlegene Champion

Besonders auffällig war dabei seine Konstanz unter wechselnden Bedingungen. Während andere Springer bei Rückenwind, langen Pausen oder Schanzenwechseln sichtbare Schwankungen zeigten, blieb Prevc praktisch fehlerfrei. Selbst an Tagen, an denen er nicht gewann – wie in Innsbruck oder Bischofshofen – sprang er so kontrolliert, dass seine Gesamtführung nie ernsthaft in Gefahr geriet.

Stephan Embacher – Shootingstar & Publikumsliebling

Wenn man einen Namen nennen müsste, der diese Tournee abseits des Gesamtsiegs geprägt hat, dann wäre es Stephan Embacher. Der erst 19-jährige Österreicher entwickelte sich während der vier Springen vom talentierten Mitläufer zu einem echten Faktor im Spitzenfeld. Embacher beeindruckte vor allem durch seine Unbekümmertheit. Während viele junge Springer an der Atmosphäre der Vierschanzentournee zerbrechen, schien ihn der Druck eher zu beflügeln. 

In Innsbruck fehlten ihm nur wenige Zehntelpunkte auf den Tagessieg. Ein Indiz dafür, wie nah er bereits an der absoluten Spitze ist. “Es war ein Megatag für mich und voll cool, vor diesem Publikum zu springen. Nervös war ich vor dem zweiten Sprung nicht, aber dann ein wenig spät dran und musste kämpfen. Schade, dass es knapp nicht mit dem ersten Sieg geklappt hat. Aber daheim ein Podestplatz ist cool“, sagte Embacher nach dem Thriller in seinem Heimatbundesland.

Ren Nikaido – Überraschungserfolg mit Signalwirkung

Der Sieg von Ren Nikaido in Innsbruck war einer der emotionalen Höhepunkte der Tournee. In einem Wettbewerb, der von wechselnden Windbedingungen und hoher Fehleranfälligkeit geprägt war, behielt der Japaner die Nerven und nutzte seine Chance eiskalt.

Für das japanische Team bedeutet dieser Auftritt enorm viel. Neben Ryoyu Kobayashi verfügt Japan nun über einen weiteren Springer, der auf großer Bühne gewinnen kann. Das erhöht nicht nur den internen Konkurrenzkampf, sondern macht Japan insgesamt wieder unberechenbarer für die Konkurrenz.

Flops & Enttäuschungen

Deutsche Altstars Wellinger & Geiger – Erwartungen klar verfehlt

Für Andreas Wellinger und Karl Geiger verlief die Vierschanzentournee enttäuschend. Beide gingen mit dem Anspruch an den Start, zumindest in Podestnähe zu springen, konnten diesem Anspruch jedoch zu keinem Zeitpunkt gerecht werden. 

Wellinger wirkte technisch unsicher, besonders im Übergang vom Absprung in die Flugphase. Geiger hingegen fehlte es sichtbar an Selbstvertrauen, was sich in vorsichtigen Anflügen und fehlender Aggressivität äußerte. In einem Wettbewerb, der absolute Präzision verlangt, reichten solide Sprünge nicht aus. Für das deutsche Team wirft das Fragen auf, insbesondere mit Blick auf Olympia 2026.

Zajc-Causa als unnötiger Nebenschauplatz

Timi Zajc wurde sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkirchen wegen eines nicht regelkonformen Sprunganzug disqualifiziert. In Oberstdorf war die Beininnenlänge des Anzugs um drei Millimeter zu kurz, drei Tage später dann um vier Millimeter. Zajc wurde deswegen für die restlichen beiden Springen gesperrt.

"Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen, vielleicht ist dann in Ga-Pa (Garmisch-Partenkirchen, Anm.) alles okay“, schrieb der 25-Jährige zwischen den beiden Wettkämpfen in einer Instagram-Story, die er wenig später löschte. Das sorgte bei vielen Verantwortlichen für Kopfschütteln. “Die Argumentation finde ich nicht so ideal. Auch das Posting im Internet, das ist nicht schlau“, sagte etwa ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl..