Auf die zeitgleichen Zweiten Sara Hector und Thea Louise Stjernesund fehlten ÖSV-Ass Julia Scheib om Olympia-Riesentorlauf lediglich sieben Hundertstel. Ausschlaggebend dürfte ein folgenschwerer Funkspruch im ersten Durchgang gewesen sein.
Im oberen Abschnitt des ersten Laufs hielt die 27-Jährige auf dem anspruchsvollen Kurs gut mit. Im unteren Teil änderte sie jedoch nach einer Information über Funk ihre Linie bei der letzten Welle – jener Passage mit dem Zielsprung. Dadurch verlor sie entscheidend an Tempo und lag plötzlich fast sieben Zehntel hinter Hector und Stjernesund, auf Brignone sogar 1,13 Sekunden zurück. "Wenn das unten im ersten Lauf nicht passiert, schaut es anders aus", meinte Scheib später.
Assinger gesteht Fehler ein
Cheftrainer Roland Assinger übernahm Mitverantwortung. Man habe Scheibs Geschwindigkeit vor der letzten Kuppe falsch eingeschätzt. "Wir waren zu konservativ. Man muss davon ausgehen, dass sie drei km/h mehr hat als andere", erklärte er im ORF.

Im zweiten Lauf, auf einem technisch anspruchsvolleren Kurs, schien Scheib ihre Stärken ausspielen zu können. Zwischenzeitlich lag sie deutlich vor der zu diesem Zeitpunkt führenden Lara della Mea. Doch ein weiterer Fehler kostete erneut Tempo – im Ziel fehlten schließlich zwei Hundertstel auf eine bessere Platzierung.
„Ich wusste, dass mit einem optimalen Lauf noch alles möglich ist. Wo genau ich das Tempo verloren habe, kann ich nicht sagen. Es ist sehr bitter“, sagte Scheib nach dem Rennen. Sie betonte jedoch, dass sie sich körperlich und mental in Topform gefühlt habe. „Ich habe alles gegeben.“
Besonders ärgerlich sei, dass bei Großereignissen jede Kleinigkeit entscheide. "Das ist der schmale Grat im Leistungssport." Trotz der Enttäuschung richtet Scheib den Blick nach vorne – im Weltcup hat sie gute Chancen auf die kleine Kristallkugel im Riesentorlauf. "Natürlich ist es nicht so gelaufen, wie ich wollte. Aber das ist morgen abgehakt."
