Kaum Schmerzen – aber hohes Risiko
"Ich habe keine Schmerzen", ergänzte Lindsey Vonn, die seit ihrem Comeback in der vergangenen Saison mit einer Teilprothese im rechten Knie fährt. Aus medizinischer Sicht ein gut erklärbares Phänomen: Das Kreuzband stabilsiert, besitzt aber nur wenige Nervenfasern – hat also kaum Schmerzrezeptoren.
Athletinnen und Athleten im Hochleistungssport sind dank ihrer gut trainierten Muskulatur oft dazu in der Lage, das gerissene Kreuzband kurzfristig zu kompensieren – doch das Risiko für irreversible Folgeschäden am Meniskus oder den umliegenden Knorpeln ist ausgesprochen hoch.
Gerade im alpinen Skisport ist ein stabiles Knie von enormer Bedeutung. Das Kreuzband dient bei den durch die Schwünge entstehenden Drehbewegungen zur Stabilisierung. Auch Landungen nach Sprüngen sind aufgrund der dabei entstehenden Rotation kritisch.
"Ich habe nicht geweint"
Nach dem Sturz am vergangenen Freitag bei der Weltcup-Abfahrt in der Schweiz habe Vonn "ein schlechtes Gefühl" gehabt, "aber ich habe die Hoffnung hochgehalten. Ich habe nicht geweint".
Am Dienstag dann sei sie "Ski gefahren, das Knie ist nicht geschwollen. Ich fühle mich besser als 2019 bei der WM, und da hatte ich keinen Kreuzbandriss." Ob sie nach dem Rennen in der Königinnen-Disziplin noch weitere Rennen bei Olympia bestreiten wird, ließ sie offen: "Ziel ist die Abfahrt. Ich muss erst abwarten, wie es sich anfühlt. Ich muss erst 85 Meilen die Stunde fahren, dann kann ich es sagen."
Vonn will in Cortina, wo sie im Weltcup Rekordsiegerin ist, ihr famoses Comeback mit ihrer zweiten Goldmedaille bei einer Olympia-Abfahrt nach 2010 krönen. In Crans-Montana hatte sie bei kniffligen Verhältnissen nach dem Sprung ins "Fuchsloch" das Gleichgewicht verloren. Sie geriet in Rückenlage und schlug schließlich im Fangnetz ein.
