Erstmals in der Geschichte der Liga wird das Auftaktspiel live auf ORF1 übertragen. Zum Duell bittet dabei niemand Geringerer als Titelverteidiger FK Austria Wien den Vizemeister SKN St. Pölten, mit Laola1 ist zudem ein neuer Medienpartner mit an Bord. Die Botschaft ist klar: Der heimische Frauenfußball wächst, und die kommende Spielzeit hat einiges zu bieten.
Denn: Die Veilchen verteidigen nicht nur ihren ersten Meistertitel überhaupt, sie haben sich mit einer echten Rückkehrerin verstärkt. St. Pölten dürstet nach Revanche für das wohl dramatischste Saisonfinale der Liga-Geschichte. Und in Runde neun wartet ein historisches Novum – das erste Wiener Derby der Frauen Bundesliga-Geschichte. Teil 1 unserer Saisonvorschau nimmt die Titelfavoriten und die großen Geschichten der neuen Spielzeit unter die Lupe.
Die Gejagten: Austria Wien verteidigt ihr Double
Was war das für ein Finale in der Vorsaison? Vor 2.346 Fans in der Generali-Arena brauchte Austria Wien am letzten Spieltag nur ein Remis gegen St. Pölten, um zum ersten Mal überhaupt Meister zu werden und stand doch bis in die Nachspielzeit mit dem Rücken zur Wand. Leila Peneau verwandelte einen Elfmeter zum vermeintlich entscheidenden 1:0 für die Niederösterreicherinnen (98.), Katharina Schiechtl sah nach dem Foul zudem Gelb-Rot. Der elfte Titel in Serie für den SKN schien nur noch Sekunden entfernt.
Dann aber ihr großer Auftritt: Torfrau Jasmin Pal marschierte beim letzten Freistoß der Partie nach vorne mit. „Ich dachte einfach, ich muss nach vorne gehen und den Ball irgendwie im Spiel halten", schilderte sie später. Der Ball landete nach mehreren Kontakten im Strafraum bei Kapitänin Carina Wenninger – Schuss, Tor, 1:1 (100.). Meistertitel und, nach dem bereits gewonnenen Cup, das Double perfekt.
„Unfassbar. In diesem Ausmaß habe ich so etwas noch nicht erlebt", sagte Wenninger nach dem Schlusspfiff. Trainer Stefan Kenesei brachte es noch pointierter auf den Punkt: „Man sollte sich überlegen, dieses furiose Finale zu verfilmen. Das war ein Highlight, unglaublich, Drama pur."
Nach diesem Coup ist für die Austria alles anders. Kapitänin Schiechtl bringt die neue Rolle auf den Punkt: „Wir sind jetzt die Gejagten, die Rolle ist uns bewusst und nehmen wir gerne an. Wir müssen Spieltag für Spieltag Leistung bringen, um wieder oben zu stehen." Verstärkt hat sich der Double-Sieger prominent: Mit Verena Hanshaw kehrt eine 131-fache Nationalspielerin nach 16 Jahren im Ausland – zuletzt bei West Ham United, davor unter anderem beim 1. FFC Frankfurt und der AS Roma – zurück nach Wien und unterschreibt bis 2028. Trainer Kenesei nennt das einen „hochkarätigen Transfer". Die Vorfreude der Rückkehrerin ist jedenfalls groß: „Die Stimmung war einfach immer genial und das macht meine Vorfreude noch größer, bald auch hier im Stadion spielen zu können."
Die Jägerinnen: St. Pölten will den Teller zurückholen
Zehn Meistertitel in Folge, und dann das: Nach dem Last-Second-Schock im Saisonfinale muss sich der SKN erstmals seit einer Dekade schon zum Saisonstart als Jäger statt Gejagter einrichten. Immerhin mussten sie sich schon in der Vorsaison lange herankämpfen, um das Titelrennen doch fast noch zu drehen. Kapitänin Jennifer Klein beschrieb die Gefühlslage nach dem Ausgleichstreffer eindrücklich: „Du bist im Himmel und auf einmal bricht alles wieder zusammen." Trainer Laurent Fassotte sprach von einem der dramatischsten Spiele, die er je erlebt habe.
Verarbeitet ist die Enttäuschung längst. „Die Ausgangslage als Jägerinnen ist definitiv eine andere, ändert aber nichts an unserer Arbeitsweise", stellt Klein vor dem Saisonstart klar. „Wir wollen effizient spielen, Konstanz zeigen und uns weiterentwickeln. Wir wollen den Teller zurück nach St. Pölten holen, wissen aber, dass die Konkurrenz nicht schläft." Direkt zum Auftakt kommt es bei der Austria schon zum Wiedersehen mit dem Angstgegner der letzten Saison. Früher hätte man das Topspiel genannt, mittlerweile ist es das erste von vielen Prüfsteinen. Denn St. Pölten warnt selbst: „Es wird in der Liga immer enger."
Aufholjagd mit Ansage: Sturm Graz rüstet auf
Während sich Wien und St. Pölten um den Titel duellieren, meldet sich auch Graz zu Wort. Mit der Ungarin Lilla Sipos und Brigitta Pulins hat sich Sturm Graz gleich zwei prominente Neuzugänge gesichert. „Mit Lilla Sipos und Brigitta Pulins haben wir große Qualität dazugewonnen und sie – und auch die anderen Zugänge – können uns sicherlich heuer weiterhelfen", freut sich Kapitänin Sophie Maierhofer.
Für die Grazerin persönlich geht es dabei um mehr als nur den Saisonstart: „Für mich als Grazerin wäre es irgendwann natürlich besonders, einen Titel nach Graz zu holen. Wir sind aber realistisch genug, um zu wissen, dass hier vieles passen muss." Ihre Einschätzung zur Liga insgesamt dürfte St. Pölten und der Austria zu denken geben: „Ich denke, die Qualität der Liga wird noch einmal zunehmen." Ob aus dem Grazer Selbstvertrauen am Saisonende tatsächlich ein Titeltraum wird, muss sich erst zeigen. Ein Wörtchen mitreden will Sturm Graz aber allemal.
Premiere in Runde neun: Das erste Wiener Derby der Bundesliga-Geschichte
Es ist die Randnotiz im neuen Spielplan, die aber schon jetzt für ein Kribbeln sorgt: Am Wochenende vom 3./4. Oktober treffen in der neunten Runde erstmals in der Geschichte der ADMIRAL Frauen Bundesliga der FK Austria Wien und der SK Rapid aufeinander. Ein echtes Novum und ein Symbol für den Aufschwung der Liga. ADMIRAL-Geschäftsführer Paul Kozelsky lässt seine Vorfreude schon vor dem Anpfiff der Saison durchblicken: „Ich freue mich, dass es beispielsweise heuer ein großes Wiener Derby geben wird und wünsche mir, dass wir ein noch größeres Publikum erreichen als bisher."
Vom Allianz Stadion ins Abenteuer Bundesliga: Aufsteiger Rapid startet durch
Sportlich sind die Favoritenrollen beim Derby allerdings wesentlich klarer verteilt als bei den Männern. Denn, während die Veilchen als Titelverteidigerinnen ins Rennen gehen, sind die Rapidlerinnen gänzlich neu in der Liga. 923 Tage nach dem ersten Kennenlernen im Allianz Stadion ist es so weit: Die SK Rapid Frauen um Cheftrainerin Katja Gürtler laufen am 2. August erstmals in der ADMIRAL Frauen Bundesliga auf und das standesgemäß gleich mit einem „kleinen Wiener Derby" beim First Vienna FC 1894 auf der Hohen Warte. Rapid ersetzt in der Liga den insolvenzbedingt lizenzlosen USV Neulengbach und tritt damit ein historisches Erbe an: die allererste Bundesliga-Saison des Grün-Weißen Frauenteams.
Sechs Neuzugänge hat Gürtler in die Vorbereitung integriert, dazu ein Trainingslager in Zwettl und zuletzt ein 6:1-Kantersieg im Test gegen Dynamo Budweis für Rückenwind. Kapitänin bleibt Sandy Haupt, unterstützt von Vanessa Rauter und der neuen dritten Kapitänin Lilli Brandl. Nur auf Linda Mittermair muss Rapid nach einem Kreuzbandriss noch länger verzichten.
Vor dem Duell mit der etablierten Vienna, die bereits in ihre sechste Bundesliga-Saison geht und unter Neo-Trainer Denny Krcmarek zuletzt die Qualifikationsgruppe gewann, gibt sich Gürtler kämpferisch: „Ich glaube, es wird ein harter Kampf werden. Wir werden mutig auftreten und wollen mit einem guten Spiel in die Saison starten." Kapitänin Haupt bringt die Erwartungshaltung des Aufsteigers auf den Punkt: „Für uns als Verein wird jedes Spiel ein Highlight werden, aber natürlich wird das Derby ein besonderes. Wir wollen Werbung für den Frauenfußball machen." Ein Debüt mit Ansage und bei bis zu 37 Grad Hitze auf der Hohen Warte wohl auch ein Debüt zum Schwitzen.
So viel zu den Titelfavoriten und den großen Geschichten der neuen Saison. Doch die ADMIRAL Frauen Bundesliga hat weit mehr zu bieten als das Rennen an der Spitze: Wie schlagen sich Cup-Finalist Red Bull Salzburg und die Verfolger aus Altach, von der Vienna und dem LASK? Und wer kämpft dieses Mal um den Klassenerhalt? Das und mehr gibt's morgen in Teil 2 unsere
