Olympia 2026: Die Tops & Flops aus österreichischer Sicht

Olympia 2026: Die Tops & Flops aus österreichischer Sicht
Olympia 2026: Die Tops & Flops aus österreichischer SichtSergio Bisi / LiveMedia / DPPI via AFP / Profimedia

Das Highlight der heurigen Wintersaison ist Geschichte. Am Sonntag gingen die Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina zu Ende. Österreich reist mit insgesamt 18 Medaillen aus Italien ab. Wir werfen einen Blick auf die Tops und Flops der heimischen Asse.

TOPS

ÖSV als Teamkombi-Spezialisten

Eines der überraschendsten Highlights für Österreich bei Olympia 2026 war der Erfolg im Team-Kombinationsbewerb der alpinen Ski-Rennläuferinnen: Ariane Rädler und Katharina Huber holten sensationell Gold und sorgten damit für eines der größten rot-weiß-roten Highlights der Spiele. "Ich habe, glaub ich, eine gute Abfahrt gezeigt. Die Kathi – ich hatte ein gutes Gefühl bei ihr. Sie hat den Slalom so super runtergedrückt. Ich war unglaublich nervös – es ist so cool", unterstrich Rädler das Besondere an diesem Bewerb.

 

 

Auch bei den Herren war die Team-Kombi ein Lichtblick, als Manuel Feller gemeinsam mit Vincent Kriechmayr Silber holte – ein Ergebnis, das trotz schwieriger Speed-Leistungen noch für Glanz sorgte. Gerade in einer Olympia-Ausgabe, in der einige traditionelle Einzelkämpfer enttäuschten, war diese Teamleistung umso wichtiger für das rot-weiß-rote Gesamtergebnis.

 

Hütter und Gstrein retten die ÖSV-Ehre

Cornelia Hütter krönte ihren letzten großen Auftritt auf der Olympia-Bühne mit einer starken Bronzemedaille im Super-G. Ihre Leistung war ein emotionaler Moment für das gesamte ÖSV-Team und zeigte, dass Erfahrung und Klasse auch in einem stark besetzten Feld noch belohnt werden können. 

Bei den Herren war Fabio Gstrein der herausragende Einzelmann, der mit seinem Silber im Slalom Österreichs einzige Einzelmedaille im alpinen Herrenlager sicherte. Gstrein hielt mit Startnummer 12 die Nerven und kämpfte sich im engen Rennen auf Platz zwei – ein Ergebnis, das bei der starken Konkurrenz besonders hoch einzuschätzen ist. "Die Medaille ist nicht nur eine Belohnung für mich, sondern für alle, die hinter mir stehen. Man braucht auch die Unterstützung von der Familie und den Fans", sagte der Ötztaler nach seinem größten Erfolg.

 

Lamparter reist mit 3 Medaillen ab

Johannes Lamparter avancierte hier zum erfolgreichsten heimischen Athleten der Spiele. Er sicherte sich drei Medaillen – zweimal Silber in den Einzel-Bewerben und Bronze im Team-Sprint gemeinsam mit Stefan Rettenegger. Lamparter holte damit mehr Medaillen als jeder andere Österreicher bei diesen Spielen und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. "Wir mussten heute kämpfen, die Bedingungen waren schwierig. Drei Medaillen bei drei Starts – darauf kann man stolz sein", freute sich der 24-jährige Tiroler.

 

 

Rodelverband räumt ab

Der Österreichischer Rodelverband sammelte in mehreren Bewerben Edelmetall und sorgte damit für dringend benötigte Stabilität in der rot-weiß-roten Medaillenbilanz. Auch wenn der ganz große Gold-Coup ausblieb, waren die Podestplätze ein klares Zeichen internationaler Konkurrenzfähigkeit. Die Athletinnen und Athleten präsentierten sich technisch sauber und mental gefestigt. Gerade im Vergleich zu schwankenden Leistungen in anderen Wintersportarten stach der Rodelverband positiv hervor.

 

Snowboarder im Parallel- & Crossbewerb erfolgreich

Im Snowboard-Bereich gab es für Österreich gleich mehrere Gründe zum Jubeln: Benjamin Karl verteidigte im Parallel-Riesentorlauf seinen Olympiatitel und schrieb Geschichte als ältester Einzel-Olympiasieger im Wintersport. "Ich habe das von Hermann Maier abgeschaut. Der hat sich einmal den Rennanzug vom Leib gerissen, beim Start hatte ich genug Zeit zu überlegen. Er war immer ein großes Vorbild von mir. Es war das erste Finale von mir, wo ich meine Emotionen unter Kontrolle hatte – da hatte ich einen großen Vorteil. Auch dass ich mir den Kurs aussuchen konnte", beschrieb er seinen ausgelassenen Jubel.

 

 

Alessandro Hämmerle ließ im Snowboardcross nichts anbrennen und holte ebenfalls Gold – ein Wiederholungserfolg wie bei den Spielen von Peking vor vier Jahren. Dazu kamen weitere Podestplätze: Sabine Payer sicherte sich Silber im Parallelbewerb und Jakob Dusek Bronze im Snowboard-Cross, womit die Boarder groß abräumten. Diese Erfolge machten das Snowboardteam nicht nur zu den stärksten Einzelakteuren im ÖOC-Team, sondern auch zu einem der Stabilitätsanker in der Medaillenbilanz.

 

Flock krönt Karriere mit Goldmedaille

Janine Flock, für viele eine der erfahrensten Athletinnen im österreichischen Team, erfüllte sich ihren größten Traum im Skeleton. Nach der bitteren Erfahrung von Pyeongchang 2018 gewann sie in Cortina souverän Olympisches Gold, ein Höhepunkt ihrer langen Karriere. Mit ihrer Leistung sicherte sie nicht nur persönliche Genugtuung, sondern auch ein unglaublich wichtiges Edelmetall für Österreich in einer Disziplin mit langer Tradition.

 

 

FLOPS

Speed-Herren enttäuschen

Die österreichischen Speed-Spezialisten im Ski-Alpin enttäuschten trotz großer Erwartungen: Sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G blieben die Herren deutlich hinter den Medaillenerwartungen zurück. Erstmals seit vielen Olympischen Spielen gab es in mindestens einem der Speed-Bewerbe keine Medaille. Trotz hervorragender Podestplätze in der Vergangenheit vermochten die Speed-Herren diesmal den Erwartungen nicht gerecht zu werden. Dies war besonders bitter, weil viele Experten gerade in den schnellen Disziplinen Medaillen für Österreich prognostiziert hatten.

 

Funkspruch bringt Scheib um Medaille

Ein kurioser und umstrittener Moment war der Funkfehler im ersten Durchgang von Julia Scheib, der ihr wertvolle Zeit kostete und sie am Ende vermutlich um eine Medaille im Riesentorlauf brachte. Nach dem Funkspruch änderte sie ihre Linie, verlor Zeit und beendete den Lauf hinter den Erwartungen.

Im zweiten Lauf attackierte sie, doch ein weiterer Fehler kostete erneut Tempo und ihr Olympia-Abenteuer endete mit einer Enttäuschung. "Ich wusste, dass mit einem optimalen Lauf noch alles möglich ist. Wo genau ich das Tempo verloren habe, kann ich nicht sagen. Es ist sehr bitter“, sagte Scheib nach dem Rennen.

 

Julia Scheib enttäuscht im Ziel
Julia Scheib enttäuscht im Ziel/IPA / Sipa Press / Profimedia

 

Keine Medaille in den Skisprung-Einzelbewerben

Ausgerechnet im Skispringen, einer der traditionsreichsten Medaillenquellen Österreichs, blieb bei Olympia 2026 der große Erfolg aus. Sowohl bei den Herren als auch bei den Damen ging Österreich in den Einzelbewerben leer aus. Bei den Männern konnte selbst Aushängeschild Stefan Kraft die hohen Erwartungen nicht erfüllen und fand weder auf der Normal- noch auf der Großschanze zu seiner gewohnten Stabilität.

Trotz der Enttäuschung in den Einzelbewerben sorgte das Skispringen doch noch für einen versöhnlichen Abschluss aus österreichischer Sicht. Jan Hörl und Stephan Embacher holten gemeinsam mit dem ÖSV-Team sensationell Gold im Teamwettbewerb und retteten damit die Bilanz dieser Paradedisziplin.

 

 

Vermeulen mit frühzeitiger Abreise

Langläufer Mika Vermeulen erlebte eine enttäuschende Olympia-Bilanz und verpasste erwartete Top-Ränge deutlich. Nach enttäuschenden Platzierungen im Skiathlon und klassischen Rennen entschied sich Vermeulen sogar zu einer frühzeitigen Abreise vor dem Schlusskampf über 50 km. Damit blieb ein potenzieller Medaillenkandidat in einer Disziplin, in der Österreich zwar selten, aber doch immer wieder stark war, deutlich hinter den Erwartungen zurück. "Es tut weh, es ist eine Riesenenttäuschung. Aber man kann es auch nicht ändern. Man muss es jetzt hinnehmen, wie es ist und herausfinden, was schiefgegangen ist“, sagte Vermeulen.

 

Mika Vermeulen läuft den Erwartungen hinterher
Mika Vermeulen läuft den Erwartungen hinterherČTK / imago sportfotodienst / Revierfoto

 

Biathlon-Frauen hinter den Erwartungen zurück

Die österreichischen Biathlon-Frauen konnten ihre im Weltcup gezeigten Leistungen bei den Olympischen Spielen nicht bestätigen. Vor allem die Schießleistungen erwiesen sich als zu fehleranfällig, um im Kampf um die Medaillenplätze mitreden zu können. In den Einzelbewerben fehlte sowohl die nötige Konstanz als auch das letzte Quäntchen Tempo in der Loipe. Auch in der Staffel blieb das Team unter den Erwartungen und verpasste eine Platzierung in der erweiterten Weltspitze. Die Hoffnungen auf einen Überraschungserfolg erfüllten sich damit nicht.