Es ist seine letzte Chance bei diesen Spielen: Sowohl in der Abfahrt als auch in der Team-Kombination und im Super-G musste der Weltcup-Dominator jeweils seinem Landsmann Franjo von Allmen den Vortritt lassen.
Entsprechend gequält wirkte Odermatts Lächeln nach dem Super-G am Mittwoch, bei dem er sich zwar Bronze schnappte - aber eben nicht das angepeilte Gold, das von Allmen gewann. In der Abfahrt reichte es bei von Allmens erstem Streich für Marco Odermatt nur zum vierten Platz, in der Team-Kombi gewann er hinter von Allmen und Tanguy Nef gemeinsam mit Loic Meillard immerhin Silber.
Medaillen verschaffen Odermatt "etwas Ruhe"
Und doch: Es sind noch nicht die Spiele des Marco Odermatt, der den Gesamtweltcup mit knapp 600 Punkten Vorsprung souverän anführt. Dem Speed-Spezialisten von Allmen gelang in Bormio alles. Odermatt – Riesenslalom-Olympiasieger von 2022 – biss sich die Zähne aus.
Als fairer Verlierer zeigte sich der viermalige Gesamtweltcupgewinner dennoch: "Franjo darf das jetzt einfach genießen", sagte Odermatt am Mittwoch, "einen Flow, wie er ihn gerade erlebt, hatte ich vor ein paar Jahren auch einmal." Sein Verhältnis zu von Allmen scheint unter dem Konkurrenzkampf nicht zu leiden: Im Zielraum gab es eine herzliche Umarmung für den Sieger.
Zugleich war Odermatt um Freude über das Erreichte bemüht: "Eine Olympiamedaille zu gewinnen, ist nie selbstverständlich" sagte er. Es gebe "nicht so viele Dinge, über die ich frustriert sein muss", befand Odermatt mit etwas Abstand. "Ich bin Vierter, Dritter und Zweiter geworden, das ist nicht so schlecht."
Was ihm zudem Hoffnung machen könnte: Bei den Spielen 2022 in Peking holte er bis zum Riesenslalom gar keine Medaille – und schnappte sich dann Gold. "Dass ich jetzt schon zwei Medaillen habe, gibt etwas Ruhe", sagte Odermatt. Bestimmt kein Nachteil: Franjo von Allmen geht im Riesenslalom nicht an den Start.
