Bereits bei den Sommerspielen 2024 in Paris war erstmals die Zahl der männlichen und weiblichen Athleten ausgeglichen. Zwar stellen Männer bei den Winterspielen in Mailand weiterhin die Mehrheit (53 Prozent), doch das Geschlechterverhältnis ist so ausgewogen wie nie zuvor in der Geschichte der Winterolympiaden.
Frauen erhalten erstmals Startmöglichkeiten im Doppelsitzer-Rodeln sowie im Skispringen von der Großschanze. Beide Disziplinen sind noch jung: Weltmeisterschaftsmedaillen werden erst seit der Zeit nach der Corona-Pandemie vergeben. Dank des verstärkten Fokus auf Chancengleichheit schaffen sie nun bereits den Sprung ins olympische Programm.
Premiere für Frauen-Marathon im Langlauf
Im Gegenzug müssen die männlichen Skispringer auf ihren traditionellen Teamwettbewerb mit vier Athleten verzichten. Dieser wird durch sogenannte Superteams ersetzt, in denen nur noch zwei Springer antreten.
Premiere feiert auch der Frauen-Marathon im Skilanglauf. Der neue olympische Wettbewerb verdeutlicht eindrucksvoll, wie stark Frauen in dieser Ausdauersportart aufgeholt haben. Während bis Ende der 1980er Jahre maximal 20 Kilometer gelaufen wurden, erhöhte sich die Distanz zunächst auf 30 Kilometer. 2023 folgte schließlich der nächste Meilenstein: Erstmals wurde ein Weltmeistertitel über 50 Kilometer vergeben, den sich die Schwedin Frida Karlsson sicherte.
Ein weiterer Trend im olympischen Programm sind gemischte Wettbewerbe. Neu ist unter anderem ein Mixed-Doppel im Skeleton, bei dem die addierten Laufzeiten von Frau und Mann über die Platzierung entscheiden. Nicht alle gemischten Formate konnten sich jedoch etablieren: Der Team-Slalom im alpinen Skisport, bei dem jeweils zwei Frauen und zwei Männer gemeinsam antraten, wurde nach nur zwei Austragungen wieder gestrichen.
Auch die klassische Alpine Kombination verschwindet aus dem olympischen Programm. Der Wettbewerb, der Abfahrt und Slalom vereinte und Vielseitigkeit verlangte, ist bereits seit zwei Jahren nicht mehr Teil des Weltcups und bleibt künftig den Weltmeisterschaften vorbehalten. Bei Olympia wird stattdessen ein nach Geschlechtern getrennter Paarwettbewerb eingeführt, bei dem jede Disziplin von einem Spezialisten bestritten wird.
Für das US-amerikanische Frauenteam könnte sich daraus ein Traumduo ergeben: Sollte Lindsey Vonns Knie halten, plant sie gemeinsam mit Mikaela Shiffrin zu starten. Der neue Modus wird derzeit getestet, eine endgültige Entscheidung über seine Zukunft soll bis April fallen.
Skibergsteigen: Die älteste Skidisziplin wird olympisch
Auch im Buckelpistenfahren gibt es Neuerungen. Statt reiner Einzelwettbewerbe treten künftig jeweils zwei Athleten parallel gegeneinander an. Der Zieleinlauf allein entscheidet jedoch nicht über den Sieg: Technik auf den Buckeln, Schwierigkeit der Sprünge und Laufzeit fließen gleichwertig in die Wertung ein.
Die einzige wirklich neue Sportart im olympischen Programm ist ausgerechnet eine der ältesten: das Skibergsteigen. Ursprünglich als Training für Gebirgssoldaten entwickelt, etablierte sich die Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts in den Alpen als Wettkampfsport. Heute scherzen Athleten, sie betrieben Skifahren wie in der Zeit vor den Skiliften.
Traditionelle Skibergsteiger-Rennen dauern rund zwei Stunden und bestehen aus mehreren Aufstiegen und Abfahrten. Bei Olympia steht jedoch ein zuschauerfreundlicher Sprint im Fokus: Auf 610 Metern mit 70 Höhenmetern treten Männer und Frauen an, ergänzt durch Mixed-Staffeln auf einer doppelt so langen Strecke. Die Rennen bestehen aus mehreren Runden von jeweils etwa drei Minuten – ideal für Fernsehübertragungen.
Gestartet wird in Gruppen. Jede Runde umfasst sowohl Aufstieg als auch Abfahrt. Der Anstieg gliedert sich in drei Phasen: Zunächst steigen die Athleten mit Fellen unter den Skiern auf, anschließend tragen sie ihre Ski am Rucksack und bewältigen eine Treppe in Skischuhen, bevor sie am höchsten Punkt wieder anschnallen. Nach dem Entfernen der Felle geht es in rasanter Fahrt ins Ziel.
Die olympischen Skibergsteiger-Wettbewerbe beginnen am 19. Februar in Bormio und werden auf der legendären Stelvio-Piste ausgetragen.
Steht die Nordische Kombination vor dem Aus?
Möglicherweise erleben die Winterspiele 2026 zugleich den letzten olympischen Auftritt der Nordischen Kombination, obwohl sie seit 1924 fester Bestandteil des Programms ist. Nach Angaben des Internationalen Olympischen Komitees steht die Zukunft der Sportart ernsthaft infrage.
Als Gründe nennt das IOC vor allem geringe Zuschauerzahlen bei den vergangenen drei Olympischen Spielen. Zudem gingen die letzten 27 olympischen Medaillen in dieser Disziplin an Athleten aus nur vier Nationen. Hinzu kommt ein weiterer Kritikpunkt: Die Nordische Kombination ist die einzige olympische Sportart ohne Frauenbeteiligung. Ein Umstand, der zuletzt sogar Proteste von Athleten auslöste.
Das IOC hat die Verantwortlichen aufgefordert, die Sportart international breiter aufzustellen und für ein größeres Publikum attraktiver zu machen. Andernfalls deutet vieles darauf hin, dass die Nordische Kombination aus dem olympischen Programm gestrichen wird.
