Nach Olympiasieg: Vielfach kritisierte Simon hofft auf "Ruhe"

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Simon präsentiert mit Stolz ihre Goldmedaille
Simon präsentiert mit Stolz ihre GoldmedailleODD ANDERSEN / AFP

Nach ihrem Olympiasieg im Einzel hofft die französische Biathletin Julia Simon, dass die zahlreichen kritischen Stimmen gegen sie nun leiser werden. "Ich möchte, dass man mich in Ruhe lässt", sagte die 29-Jährige bei Eurosport nach ihrer zweiten Goldmedaille im zweiten Rennen von Antholz: "Ich glaube, ich muss niemandem mehr etwas beweisen, jetzt möchte ich einfach nur Biathlon machen."

Die zehnmalige Weltmeisterin hatte zu Saisonbeginn aufgrund eines internen Diebstahls gesperrt gefehlt. Julia Simon missbrauchte die Kreditkarten ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet sowie einer Physiotherapeutin der französischen Mannschaft für Einkäufe im Wert von 2.400 Euro, zudem stahl sie kleinere Geldbeträge zwischen 20 und 50 Euro. Nachdem sie die Vorwürfe lange bestritten hatte, gestand sie im vergangenen Oktober.

Neben einer dreimonatigen Bewährungsstrafe musste sie eine Geldsumme in Höhe von 15.000 Euro zahlen – und durfte nicht beim Auftakt des Olympia-Winters im schwedischen Östersund antreten.

"Das Kapitel innerhalb des Teams ist jetzt abgeschlossen", sagte Simon nun nach ihrem Triumph über die 15 Kilometer vor ihrer Landsfrau Lou Jeanmonnot und der überraschenden Bronzemedaillengewinnerin Lora Christowa aus Bulgarien.

Medienkritik

Ihre Geste im Ziel, als Simon sich den Finger auf den Mund gelegt hatte, richtete sich gegen einen Reporter der französischen Sportzeitung L'Equipe. Die Biathletin habe am Dienstagabend "einen schlechten Artikel gesehen, und ich finde, diese Person muss mir Respekt entgegenbringen, weil ich ihn respektiere". Es sei "wirklich schlimm" gewesen.

"Ich bin wegen des Sports hier", sagte Simon, die ganz oben auf dem Podest bitterlich weinte: "Wenn sie über Klatsch und Tratsch reden wollen, dann gehen sie bitte weg."

Wie schwer der Druck auf ihren Schultern lag, verdeutlichte die Siegerehrung nach dem Einzel. Während die "Marseillaise" durch das Antholzer Biathlon-Stadion dröhnte, flossen bei Simon die Tränen in Strömen. "Wenn man auf dem Podium steht, kommen viele Gefühle hoch. Man denkt an seine Zweifel, an die guten und schlechten Momente, an die Menschen, die einem geholfen haben", sagte die Siegerin: "Ich bin heute wirklich stolz auf mich."