Die Formel 1 hatte beim Grand Prix in Malaysia Szenen geliefert, die unfreiwillig komisch waren. Reihenweise streikten die hochentwickelten Hybridmotoren auf der Formationsrunde, die Piloten waren hilflos. Allerdings konnten nicht alle darüber lachen, die Kritik schwoll immer weiter an, kam von innen und von außen, der Kern: Die Technik ist mittlerweile so kompliziert, dass nicht mal die Macher sie verstehen.
Und auch Verstappen wurde noch einmal ernst: "Ich hoffe, die Formel 1 zieht ihre Lehren daraus." Denn vielerorts diktierte nicht sein erster Sieg in diesem Jahr die Schlagzeilen, stattdessen war das Chaos Topthema. Von der "Formel Farce" schrieb die Daily Mail, "die angeblich modernsten Autos der Welt kamen im Nassen nicht vom Fleck." Der niederländische Telegraaf sah eine "völlig blamierte Formel 1".
Passiert war Folgendes: Erstmals wurden die seit diesem Jahr neuen Antriebe auf nasser Strecke genutzt - und auf dem Weg in die Startaufstellung ging bei der Hälfte der Autos plötzlich nichts mehr. Erst ein Software-Update löste das Problem, das Rennen begann mit anderthalb Stunden Verspätung.
Der Weltverband FIA erklärte sich anschließend, es war ein kleiner Einblick in die Komplexität. "Eine Kombination aus niedriger Drehzahl, geringer Haftung, Einstellungen für das Energiemanagement bei Regen und der Sektorkonfiguration der Strecke" hätten die Ausfälle bewirkt. Die Power Units beziehen ihre Leistung fast zur Hälfte aus einer Batterie, die Bereitstellung dieser Energie wird von einer Software autonom gesteuert, sie variiert je nachdem, an welcher Stelle der Strecke das Auto sich befindet - und bei Nässe gelten noch einmal andere Werte.
Bleibt Formel 1 beim Elektro-Kurs?
Schon häufiger in dieser Saison hatten Fahrer bemängelt, dass sie am Steuer mittlerweile zu wenig Einfluss haben. Weltmeister Lando Norris fand den Sonntag in Sepang nun "furchtbar, es beweist einfach, dass wir dieses elektronische Zeug nicht im Auto haben sollten". Laut Carlos Sainz sollte die Formel 1 "ganz genau in den Spiegel schauen und sich fragen, wie wir an diesen Punkt gelangt sind. Wer hat entschieden, dass dies die richtige Richtung für den Sport ist?"
Wichtiger ist wohl die Frage, warum FIA und Formel 1 diesen Weg gegangen sind: Die extreme Elektrifizierung (zuvor kamen weniger als 20 Prozent aus der Batterie) war ein Lockmittel für große Motorenhersteller, die Rennserie sollte relevanter für die Entwicklung von Straßenautos werden. Mit Erfolg: Audi etwa, seit diesem Jahr neu dabei, hat sich nicht zuletzt deshalb zum Einstieg entschieden.
Die Entscheidung von damals gilt dennoch auch intern mittlerweile als überholt. Die nächste Neuauflage des technischen Reglements ist frühestens im Jahr 2030 möglich, dann sollen einfachere Motoren her, betrieben weiterhin mit nachhaltigen, synthetischen Kraftstoffen doch mit deutlich reduziertem Elektroanteil.
Das alles liegt allerdings recht weit in der Zukunft. Am kommenden Sonntag in Singapur könnte es übrigens schon wieder regnen.
