Noch lebt sein Traum. "Ich war zweimal bei Winterspielen, das Flair ist etwas ganz Besonderes", hatte Geiger zuletzt gesagt. Also führte am längsten Flug des Winters kein Weg vorbei. Vor einem Jahr hatte der Familienvater noch auf die strapaziöse Tour verzichtet, jetzt hatte er keine Wahl. Denn als einziger Springer des deutschen Stamm-Quintetts hat er die Norm (einmal Top acht oder zweimal Top 15) noch nicht erfüllt.
In Sapporo stehen die Chancen etwas besser, weil der eine oder andere Topspringer eine Pause einlegt. Doch die Zahlen sprechen klar gegen Geiger: Ganze zwölf Weltcup-Punkte hat er in diesem Winter geholt, Platz 23 ist sein bestes Ergebnis, seit Ende November hat er keinen zweiten Durchgang mehr erreicht. Und doch gibt er nicht auf. "Die große Reise nach Japan steht an", schrieb er in seiner Kolumne für sport.de: "Meine Intuition sagt mir, dass ich nicht weit davon weg bin, das Richtige zu tun."
Geiger schwelgt in großen Erinnerungen
Doch es muss schon ein kleines Wunder her. Felix Hoffmann, Philipp Raimund, Pius Paschke und Andreas Wellinger haben die Norm schon erfüllt, der Qualifikationszeitraum endet am Sonntagabend. Aller Voraussicht nach wird Stefan Horngacher anders als in der Vergangenheit nur vier DSV-Adler nominieren - auch, weil das traditionsreiche Teamspringen mit vier Startern pro Nation durch ein Super Team mit zwei Springern ersetzt wird. Falls sich doch jemand verletzt, wäre ein Ersatzmann in wenigen Stunden vor Ort.
Gut möglich also, dass Geiger beim Olympia-Auftakt in Oberstdorf hocken und ein wenig in Erinnerungen schwelgen wird. 2018 in Pyeongchang hatte er mit dem Team Silber, vier Jahre später Bronze geholt. Einen besonderen Stellenwert hat Einzel-Bronze von der Großschanze 2022. Auch damals suchte Geiger vor Olympia wochenlang seine Form, ehe es in China Klick machte.
"Großereignisse haben immer ihre eigenen Regeln", sagt Geiger. Und deswegen hat auch Stefan Horngacher noch nicht aufgegeben. "Hier weiterhelfen zu können, spornt mich an", sagte der Bundestrainer der Süddeutschen Zeitung, schließlich stehe noch vor Olympia auch die Skiflug-Weltmeisterschaft in Oberstdorf an.
Jene WM findet nur eine Wochen nach dem Japan-Wochenende statt, dann kann Geiger statt mit dem Flugzeug zu Fuß zur Schanze anreisen. Ob er dann aber zum Einsatz kommt, hängt auch vom Wochenende in Sapporo ab.
