Es gibt allerdings auch Menschen, die ob der Erfolge von Aicher ein wenig traurig sind. "Die Schwedin Emma holt Silber - tritt aber für Deutschland an", kommentierte das schwedische Boulevardblatt Expressen die Erfolge der verlorenen Tochter.
Da schwingt viel Wehmut mit: Aicher wurde in Schweden geboren, hat eine schwedische Mutter und besuchte das Skigymnasium in Järpen östlich von Are. Im Sommer 2020 wechselte sie zum deutschen Verband, der ihr Talent offenbar besser einschätzte als der schwedische.
Schweden trauert Aicher nach
In Schweden bestand deshalb der Bedarf nach Aufklärung, der Sender TV4 hakte nach. Aicher erklärte: "Ich bin in Sundsvall aufgewachsen. Das ist mein Zuhause, aber mein Vater ist Deutscher und wir wollten die Möglichkeiten in Deutschland 2020 erkunden. Dann ging alles sehr schnell." Nach Abfahrtssilber nutzte sie gleich die Gelegenheit, in fließendem Schwedisch live im schwedischen TV den "Morfar", den Großvater mütterlicherseits, und den Sundsvall Slalom-Klub zu grüßen.
Mutter Viktoria Lindstrand Munkby hat mit dem Wechsel der Tochter ins Land von Vater Andreas Aicher keine Probleme. "Sie bekam ein Angebot mit fantastischen Möglichkeiten in Deutschland", sagte sie, "das war eine unglaubliche Chance für Emma." Bei Rennen steht die Mutter nun mit ihrem Lebensgefährten im Zielraum - mit selbst angefertigten schwarzen Mützen: rechts ist die schwedische Fahne aufgenäht, links die deutsche, die Mutter hat ein "E" vorne drauf, der "Bonus-Papa" (Expressen) Fredrik ein "A".
Die Unterstützung ist nicht auf die Fans vor Ort beschränkt. Sie spüre sie auch aus Schweden, sagt Aicher. "Ich habe dort noch viele Freunde und Familie", mindestens einmal im Jahr fährt sie hoch in den Norden. Das freut dann auch Mutter Viktoria. "Ich denke nicht besonders viel darüber nach, dass eine andere Flagge auf ihrem Rennanzug ist", sagte sie. Aber "dass sie die ganze Zeit so weit weg ist", das sei schon schade.
Zur Zeit ist die Mutter der Tochter so nahe wie selten - auch am Donnerstag, wenn Emma Aicher beim Super-G erneut zum großen Kreis der Anwärterinnen auf eine Medaille gehört, werden "E" und "A" wieder im Zielraum stehen. Vater Andreas selbstverständlich auch.
