"Harry Kane hat 60 Tore in der Bundesliga, im Pokal und in der Champions League erzielt, ist deutscher Meister geworden, hat den DFB-Pokal gewonnen, das Halbfinale der Champions League erreicht und eine sehr gute Weltmeisterschaft gespielt. Ich weiß nicht, was man noch mehr machen muss, um den Ballon d'Or zu gewinnen", sagte Bayern-Präsident Herbert Hainer beim Wiesn-Besuch.
Und doch ist es möglich, dass Kane bei der Verleihung am 26. Oktober in London leer ausgeht. Die Konkurrenz ist stark – und sie tritt forsch auf.
So sagte Spaniens Weltmeister Yamal (19) bei MovistarPlus+, er habe den Goldenen Ball als Nachfolger von Vorjahressieger Ousmane Dembélé "dieses Jahr aufgrund meiner Erfolge verdient". Auch Frankreichs Superstar Mbappé (27) befand im Interview mit Ballon-d'Or-Organisator France Football: "Es gab keinen besseren Spieler als mich."
"Sie werden keine Mannschaft in dem Umschlag bekannt geben, sondern einen Spieler", sagte der Franzose am Dienstag dem Radiosender RFI: "Die Fähigkeit, individuell zu glänzen und spektakuläre Momente zu schaffen – das ist es, was den Menschen bei einer Auszeichnung wie dieser besonders auffällt."
"Ich war Torschützenkönig in allen großen Wettbewerben, und ich glaube, dass dies ein gutes Jahr für mich werden könnte – das spüre ich wirklich", so Mbappé.

Von Kane (33) war lediglich zu hören, er rede nicht gern über sich und lasse "lieber meine Taten auf dem Platz sprechen." Mit 61 Toren in 51 Pflichtspielen für die Bayern hat der Engländer faktisch gute Argumente, doch Yamal beeindruckt dies nicht. An den besten Spieler solle der Preis gehen, "nicht an einen Spieler, der 80 Tore geschossen hat, denn wenn man 80 Tore schießt, bekommt man dafür die Auszeichnung als Torschützenkönig."
Titel oder Scorerpunkte?
Doch wer war in der Saison 2025/2026 tatsächlich der beste Spieler des Planeten? Entgegen Yamals Ansichten dienen die Torerfolge für gewöhnlich als wichtiges Kriterium. Mbappé (42 Tore in 44 Pflichtspielen für Real Madrid) und Yamal (24 Tore und 18 Vorlagen in 45 Pflichtspielen für den FC Barcelona) stehen Kane um einiges nach, relativ gesehen sind ihre Quoten dennoch beachtlich. Hinzu kommt, dass Yamal den Saisonendspurt verletzt verpasste.

Auch bei den Titeln, zumindest auf Klubebene, hat Kane die Nase vorn. Denn Barca wurde "nur" spanischer Champion (und Supercupsieger), Real blieb gar komplett ohne Pokale. Wuchern kann Yamal mit dem WM-Titel, doch individuell spielte der Teenager kein sonderlich auffälliges Turnier. Im Gegensatz zu Kane (sechs Turniertore) und vor allem Mbappé (10), der sich in Nordamerika zum alleinigen WM-Rekordtorschützen aufschwang.
Ballon d'Or als Marketingmaßnahme?
Warum aber gibt es mittlerweile so ein Bohei um das gülden glänzende Bällchen? Nun, die Spieler sind längst globale Marken. Derartige Auszeichnungen steigern ihren Wert, auf dem Transfer- und dem Werbemarkt. Entsprechend gab auch Rouven Kasper, Marketing-Chef der Bayern, zu, dass eine Wahl Kanes durchaus helfen würde.
"Wenn du einen solchen Spieler hast, ist das eine große Ehre für den Klub", sagte Kasper bei Sky Sports: "Und sicherlich würde es auch unsere globalen Aktivitäten stärken. Es ist ein starkes Zeichen für andere." In Barcelona und Madrid würde das wohl nicht allzu gut ankommen. Und am Ende wird es dann doch wieder Lionel Messi – zum neunten Mal.
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