Mit dem ersten von zwei Duellen gegen Afrikameister Ägypten beginnt für die DHB-Männer in Dortmund (18.15 Uhr) exakt 300 Tage vor dem Auftaktspiel der sehnsüchtig erwarteten Heim-WM eine neue Zeitrechnung. Wie beim zweiten Aufeinandertreffen am Sonntag in Bremen (15.30 Uhr) ist Handball auf der Fernbedienung dann nicht etwa auf der 1 oder 2 zu finden, sondern feiert sein Comeback im Privatfernsehen - live und frei empfangbar.
"Wir freuen uns auf den Start der neuen Fernsehzeit", sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober, der wie die ganze Sportart auch darauf hofft, neue Zielgruppen zu erschließen. Captain Golla und 13 weitere Silbermedaillengewinner von der EM im Januar wollen die Zuschauer auch im neuen Sendeformat direkt mitreißen.
Bereits eine halbe Stunde vor dem Anpfiff geht das TV-Team, bestehend aus Moderatorin Andrea Kaiser, Kommentator Florian Schmidt-Sommerfeld und Ex-Nationaltorwart Silvio Heinevetter als Experten, am Donnerstag auf Sendung. Auch der Nachlauf mit 30 Minuten Interviews und Analyse im Anschluss an die Partie geizt nicht mit Sendezeit, ehe Heidi Klum das Programm mit "Germany's Next Topmodel" zur Prime Time wieder in (bislang) gewohnte Bahnen lenkt.
Der Start ins ProSieben-Zeitalter, bei dem neben Torhüter Andreas Wolff drei weitere Silber-Helden von Herning (Lichtlein, Dahmke, Zerbe) von Gislason eine Pause bekommen, markiert für den Handball eine kleine Zäsur. Während die kommenden Europameisterschaften bei Männern und Frauen wie zuletzt bei ARD und ZDF zu sehen sein werden, übernimmt ansonsten die ProSiebenSat.1-Mediengruppe das Zepter. Im selbst ernannten "Home of Handball" werden ab sofort über 60 Länderspiele der Frauen- und Männer-Nationalmannschaften, einschließlich der Weltmeisterschaften von 2027 bis 2031, gezeigt.
Abgang von den Öffentlich-Rechtlichen
Der ganz große Handball im Privatfernsehen ist nicht neu. Ältere Semester erinnern sich an die Übertragungen von der Weltmeisterschaft 2009 bei RTL. Danach war bei der WM-2015 mit Sky auch mal das Pay-TV am Ruder. Für die größten Schlagzeilen sorgte aber der TV-Blackout im Jahr 2017, als eine Direktbank im letzten Moment zumindest eine Übertragung im Internet-Livestream sicherstellte. Danach kehrten die Männer-Turniere erstmal zu ARD und ZDF zurück. Bis jetzt.
Der neue Vertrag umfasst neben den WM-Turnieren alle Heimpartien beider Nationalmannschaften sowie die Freundschaftsspiele im Ausland. Auch wenn die ProSiebenSat.1-Übertragungen wohl (erstmal) nicht die Millionenwerte der Öffentlich-Rechtlichen bei den jüngsten Turnier-Festtagen im Januar erreichen dürften, freut man sich beim Verband über die "umfangreiche, regelmäßige und reichweitenstarke Abdeckung der Länderspiele unserer Männer- und Frauen-Nationalmannschaft auf frei empfangbaren Plattformen", so Verbandsfunktionär Schober.
Auch die zusätzliche Integration des Handballs in weitere Formate werde der "Sportart helfen, weitere Spieler- und Klubmarken zu entwickeln und mehr Relevanz in jüngeren Zielgruppen zu gewinnen".
