Here we go! Wenn Sie diese drei Worte in einem Post von Fabrizio Romano sehen, sollten Sie auf der Hut sein. Ein großer Transfer steht unmittelbar bevor.
Romano veröffentlicht seine Informationen üblicherweise noch mehrere Stunden oder Tage vor den beteiligten Vereinen. Er weiß, was als Nächstes passieren wird. Teils noch vor den beteiligten Akteuren. Man erinnere sich an die Posse rund um Julian Nagelmanns Entlassung beim FC Bayern.
Wenn über den nächsten Deal spekuliert wird, weiß er längst Bescheid. Seine Quellen – Spieleragenten, Vereinsvertreter, manchmal die Spieler selbst – geben ihm bereitwillig Auskunft. Seine Quellen sind zuverlässig. Sämtliche Kontakte hat er sich durch 14 Jahre harte Arbeit selbst aufgebaut.
Begann mit 16 Jahren über Fußball zu schreiben
Die Worte "Here we go!" sind zum Markenzeichen eines Menschen geworden, der schon als kleiner Junge dem Fußball verfallen war und im Alter von 16 Jahren begann, über seine große Leidenschaft zu schreiben.
Seine Geschichte nahm drei Jahre später richtig Fahrt auf. Er kam mit dem Berater des damals noch jungen Mauro Icardi in Kontakt. Der Argentinier war damals noch Teil der Talentschmiede La Masia des FC Barcelona. Er bekam einen exklusiven Tipp, im Gegenzug verfasste er auf seinem Blog eine Analyse über Icardi.

Noch ein Teenager, der sich mit Social Media vertraut machte, schickte er schließlich einen Tweet in die weite Welt hinaus: Mauro Icardi werde zu Sampdoria Genua wechseln, hieß es. Sechs Monate später sollte der Transfer tatsächlich zustande kommen.
Quellen bleiben vertraulich
Der erste gute Kontakt war hergestellt. Als Icardi zwei Jahre später zu Inter Mailand wechselte, wurde Romano wiederum von dessen Berater mit einer exklusiven Information versorgt. Romano war der Erste, der der Welt vom bevorstehenden Transfer erzählte.
"Ich erinnerte den Agenten einfach daran, dass ich ihm vor einiger Zeit geholfen hatte und nun war er an der Reihe, mir zu helfen", erinnerte sich der italienische Journalist im vergangenen Jahr gegenüber der New York Times.
Der Twitter-Account des jungen Mannes aus Neapel füllte sich schrittweise mit allen möglichen Informationen – und oft waren diese auch exklusiv. Was auch daran lag, dass er mittlerweile als Assistent des angesehenen italienischen Sky Sports-Reporters Gianluca di Marzio arbeitete.
"Er ist ein außergewöhnlicher Journalist, von dem ich alles gelernt habe", gesteht Fabrizio Romano im am Montag erscheinenden Exklusiv-Interview mit Flashscore. Nach seiner Zeit an der Seite von Di Marzio begann er, selbst ein Netz von Kontakten aufzubauen.
Wenn man ihn danach fragt, wer genau denn ihn mit Informationen versorgt, bekommt man keine zufriedenstellende Antwort: "Positive Beziehungen zu Agenten, Sportdirektoren von Vereinen und anderen Quellen sind immens wichtig und ich kann sie nicht alle nennen. Alles basiert auf gegenseitigem Vertrauen", erzählt der 30-Jährige.
Neben zahlreichen Beziehungen zum Who's who des internationalen Fußballs sei auch seine Familie – insbesondere seine Mutter Susanna – beim Aufbau seiner beeindruckenden Karriere ungeheuer wichtig gewesen: "Sie hat mir immer die Freiheit gegeben, meinen Träumen zu folgen, auch wenn das oft bedeutete, verrückte Risiken einzugehen."
Manchmal ist Fabrizio Romano noch selbst überwältigt
Auch wenn es den Anschein hat, dass Romano furchtlos über Fußball-Twitter regiert wird und sein Name im Hinblick auf Transfers die absolute Autorität darstellt, wird ihm selbst manchmal bewusst, mit welchen heißen Nachricht er es eigentlich zu tun hat.
Dann kommt ihm vieles vor, wie aus einer anderen Galaxie: "Als ich vor zwei Jahren verkündete, dass Zidane Real Madrid verlassen wird, war das eine absolute Exklusivmeldung und ich habe wirklich über alles nachgedacht und angefangen, meine Freunde anzurufen. Verdammt, ich bin der Erste in der Welt, der über Real und eine Legende wie Zidane berichtet", heißt es in einem Tweet, der 150.000 Likes, 25.000 Retweets und 14.000 Kommentare erzielte.
Weitere Momente blieben ihm ebenso gut in Erinnerung: "Ich habe die Information erhalten, dass Lorenzo Insigne nach Toronto gehen wird. Wissen Sie, ich komme aus Neapel und Insigne ist eine Legende in dieser Stadt. Er war auch für mich ein Idol. Und plötzlich kündigte ich seinen Wechsel mit einem Video an, das Toronto dann auf seinem Konto veröffentlichte", erzählte er Flashscore im Exklusiv-Interview, sichtlich begeistert.

Mehrere Millionen Follower
Fabrizio Romano hat es geschafft, seine eigene Medienmarke aufzubauen. Er produziert eigene Inhalte auf sämtlichen Plattformen der sozialen Medien. Nicht nur auf Twitter, wo ihm fast 16 Millionen Menschen folgen, sondern auch auf seinem YouTube-Kanal, wo sein Podcast von fast zwei Millionen Fans abonniert wird, und auf Instagram, wo er 18 Millionen Anhänger hat.
Dank seines guten Rufs und seines Fachwissens wurde er von zahlreichen renommierten Medienorganisationen kontaktiert. Neben seiner Muttersprache Italienisch spricht er auch Portugiesisch, Englisch und Spanisch. Er ist Korrespondent für den britischen Guardian und schreibt für den amerikanischen Sender CBS Sports.
Als er im vergangenen Jahr in Dubai von der Trainerikone Fabio Capello einen Preis für den besten Sportjournalisten entgegennahm, wurde ihm klar, dass er wirklich den Respekt der ganzen Welt genießt.
Ein Leben ohne Pause
Gleichzeitig entschuldigte er sich bei seinen Lieben dafür, dass er im Geiste oft woanders ist, als er sein sollte: "Ich hoffe, dass alle meine wunderbaren Freunde verstehen, dass ich rund um die Uhr am Telefon bin, auch wenn wir vielleicht gerade zu Abend essen. Denn bei jeder Nachricht, jedem Anruf geht es nicht nur um Fußball oder Arbeit, sondern um mein Leben."
Er weiß selbst, dass er durch sich die Schnelllebigkeit der Branche permanent auf Höchstbetrieb befindet. Aus dieser Spirale kommt er nicht mehr heraus. "Egal, welche Meldung du verkündest, weswegen du dich überschlägst. In fünf Minuten könnte sie für dich nicht mehr existent sein. Wer aufhört, ist auf dem Transfermarkt verloren."
