Gegen die Kroaten, die Deutschland in der Vorbereitung (33:27, 32:29) zweimal bezwungen hatte, wartet eine knifflige Aufgabe. Das spürt Gislason. Den verbalen Rundumschlag des kroatischen Nationaltrainers Dagur Sigurdsson, der die Rahmenbedingungen für sein Team mit der Busanreise am Donnerstag und zwei Hauptrundenspielen binnen 22 Stunden als "absolute Schande" bezeichnet hatte, ließen Gislason äußerlich kalt.
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"Wir werden bereit sein für das Spiel und uns auf das eigene Spiel konzentrieren", erwiderte der Isländer, angesprochen auf die Aussagen seines Landsmanns.
Frankreich-Spiel als Blaupause
Gislason strahlt Zuversicht aus. Zehn Jahre nach dem legendären EM-Triumph von Polen - damals übrigens unter dem jetzigen Trainer-Rivalen Sigurdsson - will der 66-Jährige mit dem deutschen Team unbedingt wieder eine Medaille holen. Nach dem Silber-Coup bei den Olympischen Spielen wäre es seine zweite mit der deutschen Mannschaft. Ein Sieg gegen die Kroaten würde die Final-Teilnahme am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF) bedeuten, bei einer Niederlage würde es um Platz drei gehen (15.15 Uhr/ZDF).
Gislason fordert ein "ähnliches Spiel" seiner Mannschaft wie beim Hauptrunden-Finale gegen Frankreich (38:34). "Wenn wir es schaffen, so einen Angriff zu spielen wie über die 60 Minuten gegen die Franzosen, dann haben wir eine gute Chance, das Spiel zu gewinnen", sagte der DHB-Coach.
Die vergangenen drei Turnier-Duelle gingen übrigens an die Kroaten, die seit 2024 von Deutschlands Europameister-Coach Sigurdsson gecoacht werden. Kroatien, mutmaßt Kreisläufer Jannik Kohlbacher, werde "über die Emotionen kommen. Sie werden probieren, uns zu vermöbeln. Dafür sind die Kroaten bekannt." Angst hat er aber wie Gislason keine. Man habe schließlich "schon mehrfach gezeigt", genau so eine Abwehr stellen zu können.
Auch der frühere Nationaltorhüter Silvio Heinevetter rechnet fest mit dem Endspiel-Einzug: "Ich denke, dass wir einfach bereit sind fürs Finale. Jeder hat das große Ziel", sagte Heinevetter vor dem Halbfinale gegen Kroatien bei ran.de: "Wir haben die Kroaten in der Vorbereitung schon nicht nur geschlagen, sondern auch dominiert. Das wird kein Spaziergang, aber wir werden das Ding wuppen."
Erinnerungen an zwei Titel
Ohnehin sei laut Heinevetter "egal, gegen wen wir im Halbfinale spielen. Wir hatten eine viel stärkere Hauptrundengruppe und haben die ganz schweren Spiele gegen die Franzosen und die Dänen schon hinter uns", sagte der Olympiadritte von 2016.
Zwei Titel stehen für deutsche Teams bei Europameisterschaften bislang zu Buche, vor dem Coup vor zehn Jahren hatte eine DHB-Auswahl 2004 in Slowenien triumphiert. Dazu gab es je einmal Silber (2002) und Bronze (1998). Der bislang letzte DHB-Sieg gegen Kroatien im Rahmen eines Turniers gelang bei der WM 2019 in der Hauptrunde (22:21).
