Olympiasieger Dänemark? Titelverteidiger Frankreich? Der WM-Vierte Portugal? Norwegen? "Das werden Riesenspiele", sagte Uscins. Man werde "mit einem Lächeln" die kommenden Aufgaben angehen, versprach der 23-Jährige. "Dafür trainiert jeder, dafür spielt jeder in der Nationalmannschaft, weil er sich mit den Besten der Welt messen will. Es wird eine Riesenchallenge."
Zum Match-Center: Deutschland vs. Spanien
Dass für Deutschland plötzlich (wieder) alles möglich ist, liegt zu großen Teilen auch an Uscins. Acht seiner zehn Würfe versenkte der Linkshänder gegen Spanien - und ließ mit seiner frech-aufmüpfigen Spielweise Erinnerungen an die Sommerspiele von Paris wach werden. "Renars hat wieder seine Olympia-Form gezeigt, war ein absoluter Unsicherheitsfaktor in der spanischen Abwehr", lobte Torhüter Andreas Wolff: "Er hat wirklich einen fantastischen Job geleistet."
Vor anderthalb Jahren, die Spiele haben sich ins kollektive deutsche Handball-Gedächtnis gebrannt, hatte Uscins entscheidenden Anteil am Silbercoup des DHB-Teams. Unvergessen sind seine Glanzleistungen im Viertelfinale vor 27.000 lärmenden Zuschauern gegen Frankreich (14 Tore) und im Halbfinale gegen Spanien (6). Leistungen, an denen Uscins seither gemessen wird.
"Ich erwische mich auch dabei, ihm zuviel Druck zu machen. Es ist schwierig für ihn, immer daran gemessen zu werden, was er bei Olympia gemacht hat – denn das war außergewöhnlich gut", hatte Bundestrainer Alfred Gislason vor der EM gesagt - und erlebt in den Tagen von Dänemark nun ein Déjà-vu.
Olympia 2024 als prägendes Ereignis
Uscins könnte auf dem Weg zum angestrebten Halbfinale wieder zum deutschen X-Faktor werden. Der gebürtige Lette, Junioren-Weltmeister von 2023, verkörpert mit seiner Art, Handball zu spielen, eine enorme Unbekümmertheit. Eine Leichtigkeit, die dem Rückraumspieler der TSV Hannover-Burgdorf nach dem Höhenflug von Paris vorübergehend verloren gegangen war. Uscins fiel seinerzeit in ein Loch, war mental überfordert.
"Am Anfang war es natürlich cool, dass man so eine Bilderbuchgeschichte schreiben konnte. Aber je öfter man das erzählt hat, umso müder wurde man davon. Da ist das Coole ganz schnell vorbeigegangen, weil das gibt mir nichts", erzählte Uscins vor dem EM-Start in der ARD-Dokumentation "Generation Goldjungs". Das Fernsehteam begleitete ihn, der bewusst auf die ständige Beschallung durch Social Media verzichtet, auf den Hof seiner Oma in Lettland, wo er den Rasen mäht und das Holz ins Haus bringt.
In Herning freut sich er sich nun besonders auf das Duell mit EM-Gastgeber Dänemark. "13.000 Fans gegen sich zu haben, da habe ich schon in Frankreich ein geiles Spiel gehabt", sagte Uscins. Er genieße "auch irgendwie diese Stimmung. Dieses Pfeifen, diesen Druck, den die Zuschauer machen. Irgendwie pusht das auch."
