"Hitchcock" zur Kaffeezeit: DHB-Handballer starten in EM-"Todesgruppe"

Die deutschen Handballer haben den Sprung in die EM-Hauptrunde geschafft.
Die deutschen Handballer haben den Sprung in die EM-Hauptrunde geschafft.SINA SCHULDT / DPA PICTURE-ALLIANCE VIA AFP

Deutschlands Handballer schworen sich mit einem zünftigen Teamabend auf ihre "Todesgruppe" ein. Ihren Heißhunger auf die bevorstehende Hauptrunde konnte aber auch das leckere Essen im schickem Ambiente nicht stillen. Torhüter Andreas Wolff und seine Mitspieler brennen auf ihren Hauptrundenstart am Donnerstag (15.30 Uhr/ARD und Flashscore-Audioreportage) gegen ihren WM-Schreck Portugal und sinnen auf Revanche.

Im Kampf ums EM-Halbfinale warten nun vier schwere Prüfungen auf das deutsche Team - und gleich die erste hat es in sich. Denn im "Hitchcock-Klassiker" zur Kaffeezeit wartet kein Geringerer als der frisch gebackene Olympiasieger-Besieger.

Zum Match-Center: Deutschland vs. Portugal

Im deutschen Lager hatten alle mit dem großen Gold-Favoriten und Gastgeber Dänemark als erstem Gegner gerechnet. Doch Portugal, das Deutschland im vergangenen Jahr im WM-Viertelfinale nach Verlängerung (30:31) besiegt hatte, landete am späten Dienstagabend einen wahren EM-Coup und fügte dem Starensemble um Welthandballer Mathias Gidsel die erste Heimpleite im Handball-Tempel in Herning seit zwölf Jahren zu. Die Portugiesen feierten ihren 31:29-Triumph singend und tanzend bis tief in die Nacht.

"Eine eindrucksvolle Leistung der Portugiesen, die anscheinend ihre Qualität aus dem letzten Jahr nochmal unterstreichen wollen. Es ist sicherlich für alle Beteiligten ein überraschendes Ergebnis", bewertete DHB-Teammanager Benjamin Chatton die Leistung des WM-Vierten.

Die deutsche Hauptrundengruppe mit Portugal, Norwegen, Dänemark, Frankreich und Spanien sei nicht nur die "wahrscheinlich schwerste Hauptrunde seit vielen Jahren", sondern eine "absolute Todesgruppe. Sie verspricht Hitchcock-Klassiker im Zweitagesrhythmus."

DHB-Team gegen "richtig geile Gegner"

Dem Duell mit Portugal folgen für die DHB-Auswahl die Kracherpartien gegen Norwegen am Samstag (20.30 Uhr/ZDF und Flashscore-Audioreportage), Dänemark am Montag (20.30 Uhr/ARD und Flashscore-Audioreportage) und Titelverteidiger Frankreich am Mittwoch (18.00 Uhr/ZDF und Flashscore-Audioreportage).

"Wir schauen mit großer Vorfreude auf die Hauptrunde", sagte DHB-Torjäger Renars Uscins voller Vorfreude auf "richtig geile Gegner". Man gebe nun "vier Spiele Vollgas". Nur die besten zwei Teams ziehen ins Halbfinale ein. Deutschland startet wie Portugal und Frankreich mit 2:0 Punkten. Norwegen, Dänemark und Spanien nehmen keine Zähler aus der Vorrunde mit.

Die Portugiesen bestachen gegen Dänemark mit ihrer knüppelharten Defensive - und denken gar nicht daran, vom Gas zu gehen. Ihren Sensationssieg gegen die Skandinavier will Portugal in der Hauptrunde unbedingt veredeln und wieder der Spielverderber sein.

"Ab jetzt beginnt das Turnier erst richtig", sagte Martim Costa mit leuchtenden Augen: "Jedes Spiel wird jetzt ein Finale für uns. Wir wollen mindestens Platz fünf oder sechs erreichen und das beste Turnier unserer Geschichte spielen. Wir müssen groß träumen – wenn wir ins Halbfinale kommen, wäre das fantastisch."

Gemischte Erinnerungen der Portugiesen

Mit ihrem überfallartigen Highspeed-Handball wirbeln die Portugiesen um die starken Costa-Brüder Francisco und Martim das Handball-Establishment zurzeit gehörig durcheinander. Platz vier bei der WM folgt nun der EM-Höhenflug. Denker und Lenker ist der erst 20 Jahre alte "Kiko" Costa, er führt die EM-Torschützenliste nach der Vorrunde mit 29 Treffern an. Bruder Martim (23) steht bei 18 Toren.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Portugiesen in der Vorrunde gegen Nordmazedonien nur ein glückliches 29:29 zustande brachten. Nicht umsonst ist der Respekt vor Deutschland im Lager der Südeuropäer groß. "Wenn man ans letzte Jahr denkt, haben wir gute Erinnerungen", sagte Rückraumspieler Salvador Salvador, "wenn man an die letzten zehn Jahre denkt, eher nicht".