Andreas Wolff schwieg. Der Torhüter von Deutschlands Handballern stapfte wortlos an den wartenden Reportern vorbei. Nach seinem viel diskutierten Kurzeinsatz gegen Dänemark ließ er die anderen reden.
"Unsere Mannschaft musste schon ein paar Rückschläge hinnehmen", sagte Kronprinz David Späth, der König Wolff bereits zuvor auf dem Spielfeld über 50 Minuten lang vertreten hatte, mit Trotz in der Stimme.
Und, fügte der Torhüter nach dem vergebenen ersten Matchball gegen die Dänen (26:31) an, "ich bin positiv gestimmt, dass wir da sind, wenn es darauf ankommt. Dass wir im Halbfinale stehen, wenn wir am Ende (des Frankreich-Spiels: Anm. d. Red.) auf die Anzeigetafel schauen."
Match-Center: Deutschland vs. Frankreich
Wolff als Motivator
Beim Hauptrundenabschluss gegen den Titelverteidiger benötigt das DHB-Team am Mittwoch (18 Uhr/ZDF) noch einen Punkt, um ins EM-Halbfinale einzuziehen. Gut möglich, dass dann Wolff wieder in die Hauptrolle schlüpft und von Beginn an im deutschen Kasten steht. Der etatmäßige Stammtorhüter dürfte auf seinen Einsatz brennen.
Zwei Tage nach Wolffs 22-Paraden-Show gegen Norwegen (30:28) hatte Alfred Gislason am Montagabend zur Überraschung vieler zunächst auf Späth gesetzt.

Wolff fungierte als lautstarker Antreiber von draußen, motivierte Späth und Co. lautstark, ehe der Bundestrainer seinen 2016er-Europameister in der 51. Minute beim Stand von 19:26 aufs Feld beorderte – da war die Partie gegen den Olympiasieger allerdings praktisch entschieden.
Kritik von Experte Bitter
"Mich hat das total überrascht. Wir haben uns vorher auch ein bisschen verdutzt angeguckt, warum ein Andi Wolff in dieser Form, mit diesem Willen, mit dieser Wichtigkeit auch in der Mannschaft jetzt beim allerwichtigsten Spiel in diesem Moment nicht anfängt", sagte 2007-Weltmeister Johannes Bitter im ARD-Podcast Handball auf die 1: "Wenn ich Andi Wolff wäre, weiß ich nicht, ob ich so glücklich gewesen wäre." Er habe nicht das Gefühl, so der langjährige Nationaltorhüter mit "ein bisschen Stirnrunzeln", dass Wolff "dringend Pause braucht".
Bundesrainer rechtfertigt sich
Späth konnte den Einbruch der DHB-Auswahl im zweiten Durchgang nicht verhindern. Er kam am Ende auf neun parierte Bälle und eine Quote von 26 Prozent.
Gislason erklärte seine Entscheidung hinterher. Weil die Dänen vermehrt aus der Distanz zum Abschluss kämen, sei seine Wahl im dritten EM-Hauptrundenspiel auf Späth gefallen. "David ist aus dem Rückraum eher einer, der besser steht. Andi ist aus der Nahdistanz der Beste, den es gibt. Dass die Dänen sehr viel aus dem Rückraum kommen, das wissen alle Handball-Experten", sagte Gislason am ARD-Mikrofon.

