Angst vor dem Aus: Dänemarks "kleines Finale" gegen den EM-Fluch

Angst vor dem Aus: Dänemarks "kleines Finale" gegen den EM-Fluch
Angst vor dem Aus: Dänemarks "kleines Finale" gegen den EM-FluchProfimedia

Für Dänemark ist das Duell mit Deutschland bereits "ein kleines Finale". Hält die inzwischen 14 Jahre währende Durststrecke bei Europameisterschaften auch beim Heim-Turnier an?

Auf die Schmerzen ist Mathias Gidsel vorbereitet. Der Welthandballer weiß, dass das "kleine Finale" gegen Deutschland wehtun wird. "Es wird ein extrem schweres Spiel, ein extrem physisches Spiel", prognostizierte der Weltklasse-Rückraumspieler vor dem Duell am Montag (20.30 Uhr/ARD und live in der Flashscore-Audioreportage) in der Jyske Bank Boxen. Sein Mitspieler Emil Jakobsen habe gesagt, "dass sie 'versuchen wollen, uns zu töten'. So machen sie es immer."

Für die Dänen steht viel auf dem Spiel. Eine Niederlage gegen das DHB-Team - und die Weltmacht hat ihr Schicksal beim Heimturnier in ihrem Handball-Tempel, der Hölle von Herning, nicht mehr in der eigenen Hand. Das nächste Aus droht!

"Die dänischen Handballfans sollten hoffen, dass Wolff im nächsten Spiel nicht das gleiche Niveau liefert. Am Montag sind es die dänischen Handballspieler, die versuchen werden, der Wolff-Mauer ein Loch zu verpassen", schrieb die dänische Boulevard-Zeitung BT. Flensburgs Rückraumschütze Simon Pytlick bezeichnete Wolff am Sonntag als "das größte Phänomen im deutschen Handball". Man habe "Respekt vor ihm, wir betrachten das Spiel aber eher als ein normales Handballspiel. Ich glaube nicht, dass irgendjemand Angst haben wird, gegen Andreas Wolff abzuschließen."

Zum Match-Center: Deutschland vs. Dänemark 

Dänemark verband mit Europameisterschaften in den vergangenen Jahren keine Liebesbeziehung. Bei den vier (!) vergangenen Weltmeisterschaften stürmten die Nordeuropäer auf den Thron, auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 und 2024 waren die Skandinavier nicht zu bezwingen. Doch auf europäischer Ebene warten die Dänen seit 2012 auf ihren dritten Titel. Der EM-Fluch sei "ein großes Thema für uns", sagte Kreisläufer Magnus Saugstrup. "Wir wollen endlich dieses Turnier gewinnen."

Damit die Halbfinalchance des Starensembles um Gidsel, Simon Pytlick und Co. nach der 29:31-Niederlage gegen Portugal weiterlebt, waren und sind Siege in der Hauptrunden-Todesgruppe I Pflicht. Dieses Vorhaben gelang bislang: Dem Kampfsieg gegen Titelverteidiger Frankreich (32:29) folgte als Einstimmung auf das DHB-Duell ein souveräner Auftritt gegen Spanien (36:31).

"Es war gut, dass wir unsere Außen ins Spiel gebracht haben und viel Breite hatten. Oft schrumpft unser Spiel auf Gidsel und Pytlick zusammen, und auch Montag können unsere Außen mitentscheidend werden", sagte Nationaltrainer Nikolaj Jakobsen. Auch ihm wird die wahnsinnige 22-Paraden-Show von DHB-Torwart Andreas Wolff, der in der dänischen Presse nach Deutschlands Sieg gegen Norwegen ehrfurchtsvoll als "lebendige Mauer" bezeichnet wurde, nicht verborgen geblieben sein.

Was den Gastgebern Mut macht? Die vergangenen beiden Duelle - ein 40:30 in der WM-Hauptrunde 2025 und das 39:26 im Olympia-Finale 2024 - gingen klar an Dänemark. Zudem haben die Dänen seit zehn Jahren kein Pflichtspiel mehr gegen Deutschland verloren.