Clark, der US-Open-Sieger von 2023, trotzte den windigen Bedingungen im anspruchsvollen Shinnecock Hills Golf Club. Am Par-5 der 16. Bahn lochte er einen Eagle-Putt aus knapp 1,20 Metern und unterschrieb am Ende eine solide Even-Par-70.
Nach 54 Löchern führt er das Feld mit insgesamt sieben unter Par (203 Schläge) an. Trotz eines Drei-Putt-Bogeys am Abschlussloch konnte der 32-Jährige sein Polster im Vergleich zur Halbzeit um zwei weitere Schläge ausbauen.
"Es fühlte sich an, als hätten heute zwei verschiedene Personen gespielt", bilanzierte Clark selbstkritisch. "Ich habe großartige Schläge gezeigt, aber eben auch einige meiner schlechtesten und dazu ein paar dumme Fehler gemacht. Zum Glück konnte ich mich immer wieder fangen und mich durch starke Putts oder Chips retten. Dass ich meinen Vorsprung ausbauen konnte, ist enorm. Insgesamt bin ich sehr zufrieden."
Die Statistik spricht klar für Clark: In der Geschichte der Majors hat mit Greg Norman (beim Masters 1996) erst ein einziger Spieler einen Vorsprung von sechs oder mehr Schlägen vor der Schlussrunde noch verspielt.
Scheffler bläst zur Aufholjagd
Erster Verfolger ist Scottie Scheffler. Der Weltranglistenerste feiert am Sonntag seinen 30. Geburtstag und könnte sich mit einem Sieg das schönste Geschenk machen: den Karriere-Grand-Slam. Mit einer 69er-Runde – einer von nur zwei Runden unter Par an diesem Tag – schob er sich mit insgesamt eins unter Par (209) auf den geteilten zweiten Platz vor.
"Das wäre etwas ganz Besonderes", blickte Scheffler voraus. "Dieses Turnier bedeutet mir unglaublich viel. Alles, was ich tun kann, ist rauszugehen und mein Spiel durchzuziehen."
Dabei verlief Schefflers Start holprig: Zum erst vierten Mal in seinen bisher 105 Major-Runden begann er mit zwei Bogeys in Folge. Auf den zweiten neun Löchern drehte er jedoch auf und verbuchte auf den ersten sieben Bahnen der Back Nine vier Birdies. Ein weiteres Bogey am Par-3 der 17 verhinderte ein noch besseres Ergebnis.
"Wir kämpfen hier seit Tagen am Limit, und ich habe mich gut im Turnier gehalten", so Scheffler. "Morgen brauche ich allerdings eine absolute Traumrunde, wenn ich Wyndham noch einholen will." Die Statistik untermauert das: Seit Lee Janzen im Jahr 1998 ist es keinem US-Open-Sieger mehr gelungen, nach 54 Löchern einen Rückstand von mehr als vier Schlägen wettzumachen.
Neben Scheffler lauern drei weitere Profis bei eins unter Par auf dem zweiten Rang: Die US-Amerikaner Sam Stevens und Sahith Theegala, der sich an der 18 mit einem kurzen Putt sein einziges Birdie des Tages sicherte, sowie der Südkoreaner Tom Kim, der trotz dreier früher Bogeys eine beachtliche 72 ins Clubhaus brachte.
"Das war eine der größten Geduldsproben, die ich je auf einer Runde erlebt habe", gestand Theegala nach dem harten Arbeitstag. "Es war ein echter Abnutzungskampf."
Die Bedingungen in Shinnecock verlangten der Weltelite ohnehin alles ab: Heftige Winde, extrem dichtes Rough und knifflige Fahnenpositionen machten den Kurs zu einer Festung. Der Einsatz ist hoch, denn es geht um das historisch größte Preisgeld bei einem Major: Insgesamt werden 22,5 Millionen Dollar ausgeschüttet, wovon der Sieger allein astronomische 4,5 Millionen Dollar mit nach Hause nimmt.
Clarks Tag war eine Achterbahnfahrt: Er startete mit einem Drei-Putt-Bogey, konterte mit einem Birdie an der 5 (Par 5), musste an der 8 jedoch den nächsten Schlagverlust hinnehmen. Nach einem 1,50-Meter-Birdie-Putt an der 14 verpasste er an der 15 eine kurze Par-Rettung, ehe ihm an der 16 das vorentscheidende Eagle glückte. Nach seinem Turniersieg vor vier Wochen in Texas ist Clark in Topform und fest entschlossen, das Debakel vom Vorjahr in Oakmont vergessen zu machen, als er nach dem verpassten Cut frustriert seinen Spind zertrümmert hatte.
Scheffler fand den Schlüssel zu seiner Runde auf der 10. Bahn mit einem Birdie-Putt aus 2,50 Metern. Es folgte seine längste Birdie-Serie bei einer US Open: Drei Schlaggewinne in Serie, eingeleitet durch einen spektakulären Chip-In aus knapp 20 Metern an der 14, den er mit einem emotionalen Faustjubel feierte.
"In dem Moment, als ich über Par für das Turnier lag, fühlte es sich an, als würde mir alles entgleiten", gab Scheffler zu. "Da einen Schlag zurückzuholen, war extrem wichtig." Birdies an der 15 (aus 3,60 Metern) und der 16 machten die Aufholjagd perfekt. "Es war ein zäher Start, aber es tat gut, auf den zweiten Neun Schläge gutzumachen."
Weitgehend verabschiedet aus dem Titelrennen hat sich dagegen Rory McIlroy. Der Weltranglenzweite, der im April beim Masters seinen sechsten Major-Titel feierte, erwischte nach drei Birdies an den Bahnen 5, 6 und 7 einen schwachen Start auf den zweiten neun Löchern. Fünf Bogeys warfen ihn zurück, sodass er nach einer 73 mit insgesamt zehn Schlägen Rückstand (213) nur noch theoretische Chancen besitzt.
