Es war ein Moment der Erleichterung, als der entscheidende Putt am letzten Loch fiel. Bud Cauley hat am Sonntag die Canadian Open im TPC Toronto at Osprey Valley gewonnen und damit im 239. Anlauf den ersehnten Premierensieg seiner Karriere gefeiert. Doch hinter dieser sportlichen Höchstleistung steckt eine Geschichte, die weit über den Golfplatz hinausreicht – eine Geschichte von Schmerz, Zweifel und unbändigem Willen.
Cauley war mit einem Schlag Rückstand auf die Spitze in den Finaltag gestartet, bewies in der entscheidenden Phase jedoch eiserne Nerven. Vier seiner insgesamt sieben Birdies hob sich der US-Amerikaner für die zweiten neun Löcher auf. Der Wendepunkt folgte auf der 12: Mit einem spektakulären Chip-in-Birdie aus dem tiefen Rough eroberte er die alleinige Führung und legte direkt an der 13 mit einem 13-Fuß-Putt nach. Als er auf der 15 einen weiteren Putt aus rund fünf Metern zum Birdie versenkte, lag er zwischenzeitlich komfortabel mit vier Schlägen in Führung.
Entscheidung auf der 18
Dass der Weg zum Titel dennoch dramatisch wurde, lag an den tückischen Schlusslöchern. Auf der 16 profitierte Cauley zunächst von einer gehörigen Portion Glück, als sein völlig verzogener Abschlag einen Golfwagen traf und so im Spiel blieb, statt im dichten Wald zu verschwinden. Nach einem Bogey auf der 17 schrumpfte der Vorsprung vor dem letzten Loch auf zwei Schläge.
Die geschichtsträchtige 18 forderte dem 36-Jährigen noch einmal alles ab. Sein Abschlag landete im tiefen Rough oberhalb eines Bunkers. Nach einem Sicherheits-Schlag aufs Fairway blieb sein dritter Ball haarscharf am Hang des Grüns liegen – exakt an der Stelle, an der zuvor bereits etliche Bälle im Wasserhindernis versunken waren.
Cauley verlor keine Zeit, eilte zum Grün und markierte den Ball, ehe er die Nerven behielt und mit zwei sicheren Putts das Par und damit den Turniersieg nach Hause brachte. Mit einer fulminanten 65er-Runde (5 unter Par) und einem Gesamtergebnis von 17 unter Par distanzierte er die hochkarätige Konkurrenz um zwei Schläge.
"So viele Menschen haben mir geholfen, überhaupt wieder hierher zu kommen. Als ich die Chance bekam, wieder zu spielen, habe ich mir geschworen, alles absolut richtig zu machen und mir selbst die bestmögliche Chance zu geben. Ich bin einfach unheimlich stolz darauf, wie ich immer weitergemacht habe."
Der lange Weg zurück ins Leben
Vor 15 Jahren galt Cauley als eines der vielversprechendsten Talente auf der Tour, ein zukünftiger Superstar. Doch im Jahr 2018 änderte ein schwerer Autounfall alles: Sechs gebrochene Rippen, eine kollabierte Lunge und ein komplizierter Bruch im linken Bein stellten nicht nur seine Karriere, sondern sein gesamtes Leben auf den Kopf. Nach einer mühsamen Rückkehr folgte 2021 der nächste herbe Rückschlag, als ihn Komplikationen nach einer rekonstruktiven Operation erneut in die Knie zwangen. Die unfreiwillige Pause dauerte bis 2024.
Dass er heute wieder ganz oben steht, verdankt er auch seinem privaten Rückhalt. "Ich habe meiner Frau Kristi in diesen dunklen Zeiten so viel zugemutet. Es ist einfach wunderschön, jetzt diesen Erfolg zu teilen – quasi als ein kleines Dankeschön für alles", erklärte ein sichtlich bewegter Cauley im anschließenden Interview.
Der Lohn für die jahrelange Schinderei ist nicht nur die Trophäe der Canadian Open: Mit diesem Triumph löste Cauley im letzten Moment sein Ticket für die US Open, die bereits am Donnerstag im traditionsreichen Shinnecock Hills Golf Club beginnen.
Dort wird er erneut auf hochkarätige Konkurrenz treffen. Der zweitplatzierte Engländer Matt Fitzpatrick (US-Open-Sieger von 2022), der eine starke 66er-Runde inklusive eines Eagles am Schlussloch spielte, nutzte das Turnier als gelungene Generalprobe für das anstehende Major. Den dritten Platz auf dem Podium sicherte sich der Norweger Viktor Hovland mit einem Gesamtergebnis von 14 unter Par. Doch die Schlagzeilen dieses Wochenendes gehörten ganz allein dem Stehaufmännchen Bud Cauley.
