Nachdem der Südkoreaner an der 17 mit seinem zwölften Birdie des Tages – einem starken 17-Fuß-Putt vom Vorgrün – geglänzt hatte, schien die historische Marke greifbar: Kim stand kurz davor, sich als erst 16. Spieler in der Geschichte der PGA Tour mit einer Runde unter 60 zu verewigen.
Doch mit vollem Adrenalin im Blut segelte sein Transportschlag vom Fairway der 18 über das Grün hinaus. Da auch der anschließende Chip zu lang geriet, verpasste er aus 18 Fuß das Par.
Trotz des späten Dämpfers schraubte Kim sein Gesamtergebnis auf dem Par-71-Kurs des TPC Craig Ranch mit der sensationellen 11-unter-Par-Runde auf insgesamt 18 unter Par (240 Schläge). Damit liegt er fünf Zähler vor einem hochkarätigen Verfolgerquartett, bestehend aus Titelverteidiger Scottie Scheffler, seinem Landsmann Im Sung-jae, dem japanischen Rookie Kensei Hirata und dem ehemaligen US-Open-Champion Wyndham Clark.
Im Sung-jae machte dank einer fulminanten 61 (-10) – inklusive eines Hole-in-one und einem Eagle zum Abschluss – einen gewaltigen Sprung nach vorne. Scheffler, der gemeinsam mit seinem guten Freund und Lokalmatadoren Kim auf die Runde gegangen war, unterschrieb eine starke 63 (-8), die von Clark egalisiert wurde, während Hirata eine solide 65 (-6) ins Clubhaus brachte.
"Ich habe überragend geschlagen und sensationell geputtet, es war also fast alles perfekt – bis auf das letzte Loch", resümierte Kim. "Aber das Ergebnis nehme ich natürlich trotzdem gerne mit."
Angetrieben von Ims früher Fabelrunde erwischte Kim einen Traumstart: Er begann seine Runde mit einem Sechs-Fuß-Birdie an der Eins, lochte an der Drei einen langen Putt vom Vorgrün und legte an den Löchern fünf, sechs und sieben eine Birdie-Serie hin, gekrönt von einem 20-Fuß-Putt. Nach dem Turn folgten von der Neun bis zur Zwölf vier weitere Schlaggewinne in Serie, wobei er sich an der 12 artistisch aus dem Bunker rettete und den Ball bis auf sechs Fuß an die Fahne legte.
Auch Scheffler spielt starke Runde
Nach weiteren Birdies an den Bahnen 14 und 15 lag er bei 11 unter für den Tag. An die magische 59 dachte er nach eigenen Angaben aber erst, als sein Birdie-Versuch an der 16 haarscharf vorbeirollte. "Als der Putt an der 17 dann fiel, war ich unglaublich heiß", so Kim. "Auf der 18 wusste ich um die Schwierigkeit. Ich wollte beim zweiten Schlag aggressiv bleiben, war dann aber vielleicht einen Tick zu übermotiviert. Dennoch war es eine fantastische Runde."
Kims Gala stellte selbst die gewohnt starke Leistung von Scottie Scheffler in den Schatten. Die Nummer eins der Welt drehte zwischenzeitlich furios auf und machte binnen vier Löchern fünf Schläge gut – eingeleitet durch Birdies an der 11, 13 und 14 sowie einem spektakulären 46-Fuß-Eagleputt auf der 12. "Manchmal kommt man sich fast schlecht vor, wenn der Flightpartner den Ball am laufenden Band auf acht Fuß an den Stock haut und auf jedem Grün locht", scherzte der Weltranglistenerste danach.
Auch Im Sung-jae profitierte von einer extrem dynamischen Paarung: Sein Spielpartner Jordan Spieth blieb ihm mit neun Birdies und einer 62 (-9) dicht auf den Fersen. Das Duo war auf den Back Nine gestartet, wo Im zunächst vier Birdies verbuchte, ehe er an der 18 sein einziges Bogey des Tages hinnehmen musste. Nach weiteren Schlaggewinnen an den Löchern eins, drei und vier folgte an der 7 das Highlight: Sein Schlag mit dem Fünfer-Eisen schlug auf dem Grün des Par-3 auf und rollte direkt ins Loch.
"Ich war völlig überrascht, aber der Ball war einfach perfekt getroffen", freute sich Im über das unerwartete Hole-in-one. Für den Südkoreaner, dessen Saison 2026 wegen einer Handgelenksverletzung im Januar verspätet begonnen hatte, lief es weiter rund – an der abschließenden Neun (Par 5) legte er noch einen 14-Fuß-Eagle-Putt nach. Spieth hielt mit einer beeindruckenden Serie von sechs Birdies in Folge zu Beginn seiner zweiten Neun dagegen. Mit insgesamt 12 unter Par (130 Schläge) teilt sich der ehemalige Weltranglistenerste den sechsten Platz in einer fünfköpfigen Verfolgergruppe.
"Das hat unheimlich Spaß gemacht", bilanzierte Spieth. "Man pusht sich in so einer Situation gegenseitig. Es war heute einfach verdammt gutes Golf von uns beiden."
