Golf: Clark trotzt bei US Open den Widerständen – und lässt den "Traubensaft" fließen

Wyndham Clark posiert mit dem US-Open-Pokal.
Wyndham Clark posiert mit dem US-Open-Pokal. Warren Little/Getty Images via AFP

Den leidenschaftlichen Kuss von Freundin und Instagram-Model Emily Tanner genoss Wyndham Clark genauso wie die nicht enden wollende Umarmung mit seinem euphorisierten Vater Randal. Zuvor war es für den 32-Jährigen auf dem Weg zu seinem zweiten US-Open-Triumph weitaus weniger herzlich zugegangen. Die Golf-Fans auf Long Island bei New York missgönnten ihrem Landsmann aus Denver derart hartnäckig den Erfolg, dass einige von ihnen vom Platz geschmissen wurden und Experten die schlechteste Behandlung eines US-Golfers auf heimischem Boden in der Geschichte anprangerten.

"New York mag mich nicht wirklich. Die Zuschauer wollten mich definitiv nicht siegen sehen", sagte Clark nach dem zweiten Majorsieg seiner Karriere: "Es ist ziemlich selten, dass man bei einem Major so ausgebuht wird und schlechte Schläge bejubelt werden. Das war hart." Um so größer war die Genugtuung am Ende des Turniers auf dem schwierigen Kurs von Shinnecock Hills. "Das war mein Tag", jubelte Clark im Anschluss an das dritte Major des Jahres, bei dem er trotz einer mäßigen Leistung in der Schlussrunde einen Schlag besser als Landsmann Sam Burns war: "Wir werden ein paar Flaschen Traubensaft öffnen."

Den "Traubensaft" hatte sich Clark, der sich über den Siegerscheck in Höhe von 4,5 Millionen US-Dollar freuen konnte und in der Weltrangliste von Platz 34 auf Rang acht kletterte, redlich verdient. Die Ablehnung der großen Mehrheit der Zuschauer zuvor hatte er vor allem zwei Gründen zu verdanken. Auf der einen Seite wollten die Fans den Karriere-Grand-Slam von Scottie Scheffler sehen. Dem Weltranglistenersten, der mit seinem Landsmann Clark die letzte Paarung bildete, bot sich an seinem 30. Geburtstag die Chance dazu.

Der angefeuerte Scheffler landete am Ende "nur" auf dem geteilten vierten Platz und zollte Clark seinen Respekt. "Die Zuschauer waren heftig. New Yorker sind heftige Leute", äußerte Scheffler: "Nicht jeder ist dafür geschaffen, in der Arena zu bestehen. Das sagt viel über Wyndham. Er ist der verdiente Champion."

Dass die Masse der Fans das anders sah, hatte noch einen anderen Grund als die Unterstützung für Scheffler. Clark, dessen erster Triumph bei den US Open drei Jahre zurückliegt, leistete sich im vergangenen Jahr einen schwerwiegenden Fauxpas. Nachdem er es nicht in die entscheidenden Runden geschafft hatte, zertrümmerte Clark aus Frust seinen Spind im Clubhaus. "Ich habe ein paar unglückliche Dinge getan im vergangenen Jahr, die ich wirklich bereue", gestand Clark ein: "Hoffentlich ist die Sache damit zu den Akten gelegt."

Einziger Deutscher scheitert früh

Dass Clark als neuntem Spieler - und als erstem seit dem Deutschen Martin Kaymer 2014 - ein Start-Ziel-Sieg gelang, war auch seiner speziellen Vorbereitung auf die drohende Ablehnung der Fans geschuldet. Bei den Canadian Open in der Woche zuvor lief Clark mit einem Trikot des US-Eishockeyteams über den Platz. Die Amerikaner hatten die Kanadier bei den Winterspielen zuletzt im Finale besiegt. Entsprechend negativ waren die Reaktionen der Einheimischen auf Clark.

"Das war eine tolle Vorbereitung", sagte Clark - bevor er den Traubensaft fließen ließ. Das bekam Matti Schmid übrigens nicht mehr mit, der einzige deutsche Starter war nach zwei Runden am Cut gescheitert.