Geiger überzeugt bei emotionalem Horngacher-Abschied - Wellinger mit Traumnoten

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Geiger überzeugt beim versöhnlichen Abschied für Bundestrainer Horngacher
Geiger überzeugt beim versöhnlichen Abschied für Bundestrainer Horngacher Sports Press Photo, SPP Sport Press Photo. / Alamy / Profimedia

In Planica endete die Ära von Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher. Sein Nachfolger steht fest, bleibt aber vorerst ein Geheimnis.

Ganz am Ende seiner Mission stand Stefan Horngacher am Fuße einer dieser Schanzen, die ihm die Welt bedeuten, und wurde ungewohnt emotional. "Es war eine lange und schöne Zeit. Ich habe es nicht wahrhaben wollen, und nun ist der Tag da", sagte der scheidende Bundestrainer im ZDF, nachdem sieben turbulente Jahre am Sonntag in Planica ihren Abschluss gefunden hatten.

Nach dem emotionalen Karriereende von Katharina Schmid am Samstag war das Lebewohl von "Stef, dem Chef" das Finale eines Wochenendes zwischen Abschieds- und Aufbruchsstimmung.

Prevc krönt perfekte Saison

Lindvik, im Vorjahr wegen der Anzug-Manipulationen der Norweger suspendiert und in Planica nicht dabei, siegte mit Flügen auf 238,5 und 231,0 m (459,5 Punkte) vor Sloweniens Topstar Domen Prevc (453,9). Prevc krönte mit der kleinen Kristallkugel für den Gewinn des Skiflug-Weltcups eine perfekte Saison, in der er Olympiasieger, Flug-Weltmeister und Tourneesieger wurde sowie den Gesamtweltcup gewann. Mit 14 Saisonsiegen verpasste er den Rekord seines Bruders Peter um einen Erfolg. Dritter wurde Johann Andre Forfang (Norwegen/441,3)

Olympiasieger Raimund bewältige zwar die Riesenschanze, von der er in den vergangenen Jahren wegen seiner Höhenangst-Problematik nicht gesprungen war, kam aber nicht über Platz 28 hinaus. Pius Paschke kam auf Rang 19.

"War ein versöhnlicher Abschluss"

Im slowenischen Frühling endete eine letzte Horngacher-Saison, die noch einmal das komplette Spektrum bot: Angefangen vom Durchbruch von Felix Hoffmann mit Tourneeplatz sechs über den Himmelsflug Philipp Raimunds, der sensationell Olympiasieger wurde und seinen ersten Weltcupsieg feierte, bis zum Wandel der "Altstars" Karl Geiger und Andreas Wellinger, die nach zwischenzeitlichem Absturz am letzten Wettkampftag wieder in der Weltspitze mitmischten.

"Wir haben uns Stück für Stück vorangearbeitet, es war ein versöhnlicher Abschluss", sagte der zweimalige Olympiasieger Wellinger, der am Sonntag beim Sieg des Norwegers Marius Lindvik als Elfter zweitbester Deutscher hinter Geiger (8.) wurde und für ein besonderes Highlight sorgte: Im ersten Durchgang erhielt er fünfmal die Traumnote 20, als erst zehnter Springer der Geschichte.

"Das war picobello", sagte Horngacher, dessen Nachfolger feststeht und den Springern bereits benannt wurde. Dennoch hält der DSV den Namen geheim. Viel deutet auf Andreas Mitter hin, Landsmann des Österreichers Horngacher und bislang dessen Assistent. "Kein Kommentar", hieß es vom DSV auf SID-Anfrage. Geiger meinte indes zur Lösung: "Ich glaube, dass das gut wird."

Und Horngachers Zukunft? Es gebe einige Ideen, "aber erstmal werde ich viel Gitarre spielen, viele Pilze sammeln und Rad fahren", sagte Horngacher. Dennoch wird es ihn an die Schanzen zurückziehen: "Ich mache seit meinem zehnten Lebensjahr nichts anderes als Skispringen. Ich kann nichts anderes."

Schmid konnte letzten Wettkampf "einfach nur genießen"

Während Horngacher letztmals auf dem Trainerturm stand, hatte für Katharina Schmid das Leben nach dem Skispringen bereits begonnen. Nach sieben WM-Titeln und 19 Weltcupsiegen war in Planica Schluss für die 29-Jährige - mit einem großen Bahnhof, für den Freunde, Familie und das Männer-Team sorgten. "Ich freue mich riesig, dass ich das erleben durfte", sagte die Oberstdorferin: "Mein größter Erfolg ist, dass ich nie verletzt war. Dafür bin ich so dankbar." Beim Saisonfinale reichte es für Schmid zwar nur zum letzten Platz unter 13 Springerinnen - das war aber nebensächlich: "Ich konnte einfach nur genießen."

Genießen konnten auch die Prevc-Geschwister: Nika feierte am Samstag ihren 18. Saisonsieg. Und am Sonntag krönte Domen mit Platz zwei und dem Gewinn des Skiflug-Weltcups eine fast perfekte Saison, in der er Olympia-Gold, Flug-WM, Tournee, Gesamtweltcup und 14 Springen gewann.

Dagegen fiel die deutsche Bilanz durchwachsen aus: Kein Springer hatte genug Power, um von Saisonstart bis Saisonende vorne dabei zu sein, Raimund beendete den Winter mit Platz 28 und befand: "Es ist Zeit, die Beine hochzulegen." Den Tourneesieg holte auch Horngacher nicht - die Aufgabe geht als Erbe an seinen Nachfolger über.