"Wusiala": Probleme beim Traum-Duo – und warum Völler & Co. ihm trotzdem vertrauen

Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala sind die WM-Hoffnungsträger des DFB-Teams.
Florian Wirtz (l.) und Jamal Musiala sind die WM-Hoffnungsträger des DFB-Teams.ČTK / imago sportfotodienst / STRINGER

Florian Wirtz wirft einen kleinen Medizinball gegen eine Mauer und zieht dann einen kurzen Sprint an, Jamal Musiala macht in einer anderen Gruppe Stabilisationsübungen. Beim Training im W. Dennie Spry Soccer Stadium in Winston-Salem sind die großen Hoffnungsträger zwar einige Meter voneinander entfernt, doch bei der WM wollen sie Seite an Seite als kongeniales Traum-Duo "Wusiala" wieder in die Herzen der Fans stürmen. Aber im Vergleich zur Heim-EM vor zwei Jahren haben sich die Voraussetzungen für die "Rohdiamanten" verändert.

Musiala mangelt es nach seiner schweren Verletzung verständlicherweise noch an Unbekümmertheit und Kreativität. Ihm fehlt noch ein wenig das richtige Gespür in seinen Aktionen. Der 23-Jährige macht zwar Mini-Schritte auf dem Weg zurück zu alter Stärke, doch die Zweifel begleiten ihn.

"Er ist leider nicht in der Form, die ich mir wünsche und die ich kenne", sagte Lothar Matthäus. Er hoffe zwar, dass er diesen Schritt in den nächsten ein, zwei Wochen noch gehen werde, ergänzte der deutsche Rekord-Nationalspieler, "ich glaube aber nicht, dass er es schafft".

Nagelsmann sieht positive Entwicklung

Dafür gibt es Widerspruch vom DFB. Rudi Völler hegt an der WM-Fitness des so wichtigen Offensivspielers keinerlei Zweifel. "Kein Problem. Der wird hier super aufgebaut. Er ist ganz nah dran, wieder der alte Jamal Musiala zu werden", versicherte der DFB-Sportdirektor. "Ich bin total optimistisch, dass das schon im nächsten Spiel wieder funktioniert", schob der Weltmeister von 1990 nach.

Das nächste Spiel ist der Turnierauftakt am Sonntag in Houston gegen Curacao (19:00 Uhr/Flashscore-Audioreportage). Da ist der Spielwitz von Musiala vielleicht noch nicht ganz so sehr gefragt, doch im weiteren Verlauf der Gruppenphase muss er seine Qualitäten einbringen. "Jamal kommt immer besser in Tritt. Er braucht aber noch ein bisschen Zeit", beruhigte auch Julian Nagelsmann die Fans. Für den Bundestrainer ist Musiala aber selbst mit 70 Prozent "besser als viele andere auf der Welt".

Besonders wenn er neben dem gleichaltrigen Wirtz zaubert, der vor seiner ersten WM-Teilnahme steht. Aber auch Wirtz scheint nach einer komplizierten Premierensaison beim FC Liverpool (17 Scorerpunkte in 49 Pflichtspielen) nicht in allerbester Verfassung zu sein, zumindest nach den Eindrücken aus den Länderspielen gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1).

"Ob ich in Topform bin, weiß ich nicht. Aber ich fühle mich gut. Ich habe richtig Lust auf das Turnier", sagte der ehemalige Leverkusener. Wirtz hat sich jedenfalls viel vorgenommen. Das DFB-Team sei im Vergleich zur Heim-EM "jünger geworden". Daher brauche es "neue Spieler, die vorangehen und Verantwortung übernehmen. Das traue ich mir zu. Dafür bin ich bereit."

Völler vertraut Wirtz und Musiala

Im Idealfall sorgt er wieder gemeinsam mit seinem Kumpel Musiala für Glanzpunkte. "Ich habe es vermisst, mit ihm zu zocken. Es macht richtig Spaß, mit ihm auf dem Platz zu sein", sagte der Münchner.

Die Rückendeckung der Verantwortlichen haben "Wusiala" jedenfalls. "Die beiden sind für uns enorm wertvoll und unheimlich wichtig. Ganz ohne sie wird es bei der WM nicht gehen", sagte Völler: "Vor zwei Jahren waren sie unsere Rohdiamanten. Jetzt sind sie noch mal gereift."

Rudi Völler vertraut den Fähigkeiten der deutschen Ausnahmespieler.
Rudi Völler vertraut den Fähigkeiten der deutschen Ausnahmespieler.Getty Images via AFP

Darauf setzt auch Nagelsmann. Für den erhofften WM-Raketenstart in Houston sollen Wirtz und Musiala ihren Beitrag leisten. "Im Ernstfall", versicherte der Bundestrainer, "können sie noch ein, zwei Gänge zulegen."

Zum Match-Center: Deutschland vs. Curacao