Manchmal überlegt Mircea Lucescu schon, warum er mit 80 Jahren noch auf der Trainerbank sitzt. "Ich könnte auch einfach mit meinem Urenkel spielen", sagt Rumäniens rastloser Coach und gibt sich die Antwort gleich selbst: "Aber die WM ist auch ein schönes Ziel".
Also wird Lucescu am Donnerstag (18 Uhr/DAZN) im Playoff-Halbfinale in der Türkei zum ältesten Nationaltrainer der Fußball-Geschichte. Mit 80 Jahren und 240 Tagen löst er den bisherigen Rekordhalter Otto Pfister ab.
Der Kölner Pfister war 80 Jahre und 123 Tage alt, als er 2018 in Afghanistan aufhörte. Lucescu toppt das locker – und nimmt sein Alter mit Humor. "Ich bin überzeugt, dass alle über 70 mich anfeuern werden, weil sie mich als Vorbild sehen", sagte er im August 2024 bei seiner Rückkehr ins Amt.

"Fußball ist meine Droge"
Einmal hat Lucescu schon an einer WM teilgenommen. Stolze 56 Jahre ist das her, 1970 in Mexiko spielte er gegen einen gewissen Pelé. Der damalige Kapitän der Rumänen tauschte nach dem Spiel sein Trikot mit Brasiliens Superstar. "Ich habe es heute noch. Und ich habe es nie gewaschen", sagt er.
Nun lockt das WM-Comeback. Bei einem Sieg in der Türkei müsste Rumänien fünf Tage später noch gegen die Slowakei oder den Kosovo gewinnen. "Wir sind sicher, dass Rumänien nach 28 Jahren wieder zur WM fahren wird. Mirceas Erfahrung ist von unschätzbarem Wert", sagt Verbandspräsident Razvan Burleanu.
"Il Luce" trainierte sein Heimatland bereits von 1981 bis 1986, auch Sohn Razvan (2009 bis 2011) hatte das Amt schon inne. Als der Verband 2024 nach 38 Jahren Lucescu erneut zum Chef machte, zögerte der damals 79-Jährige nicht lange. "Fußball ist meine Droge. Bequem in einem Stuhl zu sitzen und fernzusehen, ist nichts für mich", sagte Lucescu einmal.
