Dabei fing die Partie fulminant an, ehe ein unerwarteter Dämpfer die Euphorie kurzzeitig bremste. "Wir hatten einen sehr guten Start und können höher führen", analysierte Nagelsmann den Beginn des Spiels. "Mit dem ersten Schuss kassieren wir dann den Ausgleich. Dann war es etwas statisch, ein bisschen ein Schock."
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Doch die Mannschaft fand schnell wieder in die Spur. Als entscheidender Wendepunkt erwies sich dabei eine taktische Unterbrechung in der ersten Spielhälfte. "Die Trinkpause hat tatsächlich geholfen, um das, was wir schon vorher angepasst haben, den Spielern auf der Tafel zu zeigen. Wir haben der Mannschaft Mut zugesprochen, dass sie so weitermachen soll wie in den ersten 20 Minuten", verriet der 38-Jährige.
Neuer überzeugt bei Comeback
Die Ansprache fruchtete: "Dann waren wir gut auf dem Gaspedal und haben viele schöne Tore gemacht. Sieben Tore musst du erst einmal schießen. Es waren viele gute Dinge dabei, aber auch Dinge, die man gut analysieren kann und die dich weiterbringen."
Besonderes Augenmerk lag an diesem Tag auf dem Comeback von Manuel Neuer im deutschen Kasten, mit dessen Leistung der Bundestrainer vollauf zufrieden war. "Er hat es gut gemacht. Das Gegentor hält er, wenn der Ball nicht abgefälscht wird", nahm Nagelsmann seinen Routinier in Schutz. Neuer habe vor allem bei "zwei tiefen Bällen Präsenz" gezeigt und bewiesen, warum er nach wie vor eine tragende Säule ist: "Er strahlt eine extreme Ruhe aus."
Ebenfalls im Fokus stand Jamal Musiala, der nach einer starken Partie vorzeitig vom Feld musste und dabei sichtlich gerne noch länger auf dem Platz geblieben wäre. Nagelsmann schmunzelte über die Reaktion des Youngsters: "Er hat sich freundlich und liebevoll beschwert. Er hat sehr gut gespielt, er hatte viele gute Momente. Er hatte keine Probleme."
Die Auswechslung sei vielmehr ein strategisches Signal an den gesamten Kader gewesen: "Ich habe ihn ausgewechselt, um andere Spieler zu bringen. Wir müssen Spieler für ihren Einsatz und ihren Beitrag belohnen, den sie für die Gruppe leisten." Ein Sonderlob verdiente sich zudem Felix Nmecha, der ein herausragendes Spiel absolvierte: "Felix hat es sehr gut gemacht. Er ist ein super Fußballer, der uns noch viel Freude bereiten wird."
Kadertiefe als Schlüssel
Neben den individuellen Glanzlichtern hob Nagelsmann vor allem den ausgeprägten Teamgeist und die Flexibilität in der Offensive hervor, die sich durch viele verschiedene Torschützen ausdrückte. "Wir haben ein sehr gutes Miteinander. Davon müssen sie zehren. Es gibt einen sehr guten Geist", betonte der Coach sichtlich stolz.
Dieser Erfolg beruhe auf einer geschlossenen Mannschaftsleistung, die über die Startelf hinausreicht: "Auch die Ersatzspieler pushen extrem. Das ist der Schlüssel. Das müssen wir beibehalten. Da dürfen wir keinen Deut nachlassen."

Aus diesem dominanten Auftritt zieht die Auswahl ein wichtiges Fundament für die kommenden Wochen. "Der Schlüssel war, dass wir Überzeugung und Vertrauen nach innen entwickeln. Das ist gewachsen. Die Überzeugung ist größer als vor dem Spiel", so Nagelsmann.
Das große Ziel bleibt dabei stets vor Augen: "Wir wollen den Fans in Deutschland viele Emotionen bescheren. Wenn wir die nötige Geduld und trotzdem Speed und Intensität haben, können wir ein gutes Turnier spielen."
Keine besondere Belohnung für Curacao-Sieg
Für Nagelsmann persönlich steht in der kommenden Woche zudem ein besonderes Jubiläum an: Er feiert seine 1000 Tage im Amt des Bundestrainers. Persönliche Eitelkeiten lässt er dabei jedoch bewusst außen vor: "Es geht nicht um meine Ziele, sondern um unsere Ziele. Wir sind auf einem guten Weg. Wir müssen es gegen stärkere Gegner in gewissen Phasen noch besser machen. 1000 Tage sind schön, da freue ich mich drüber."
Eine ausschweifende Belohnung für das Team nach dem Schützenfest gibt es trotz des Jubiläums und des Traumstarts nicht. Der Fokus ist direkt wieder auf die Arbeit gerichtet: "Es gibt keine spezielle Belohnung. Am Montag ist Spielersatztraining und Regeneration. Am zweiten Tag nach dem Spiel ist dann frei."
Obwohl die deutsche Mannschaft durch den Turniermodus und die drei Punkte bereits mit mehr als einem Bein in der nächsten Runde steht, will der Bundestrainer von einem Nachlassen der Spannung absolut nichts wissen. "Da denken wir nicht so extrem dran“, wiegelte er ab. „Wir haben der Mannschaft eingetrichtert, dass wir uns immer auf die nächste Aufgabe konzentrieren."
Die kommenden Aufgaben werden der Mannschaft ohnehin alles abverlangen. "Die beiden Gegner, die jetzt kommen, sind schon richtig gut. Sie verfügen über viel Speed, viel Körperlichkeit. Wir müssen diese Spiele nutzen, um uns weiter einzuspielen", blickte Nagelsmann voraus und setzte eine klare Devise für die nächsten Tage: "Wir werden nicht die Füße hochlegen und die anderen beiden Spiele entspannt angehen."
