Aber ursprünglich war das ganz anders geplant. Eigentlich sollte das Wüstenturnier vor dreieinhalb Jahren in Katar sein Abschied von der WM-Bühne werden, doch dann führte Messi die Albiceleste zum Gewinn des Goldpokals - und leckte wieder Blut. "Ich liebe es, Fußball zu spielen, und ich werde es tun, bis ich nicht mehr kann", verriet er kürzlich im Interview mit dem Fernsehjournalisten Joaquín "Pollo" Alvarez.
Messi kann einfach nicht loslassen. Wie auch? Es entspricht nicht seinem Naturell. "Ich bin ehrgeizig, ich möchte bei allem gewinnen, manchmal lasse ich nicht einmal meine Kinder bei Videospielen gewinnen", sagte er. Mit einem anderen Mindset holt man wohl auch nicht viermal die Champions League oder achtmal den Ballon d'Or. In den USA könnte er seiner Legende nun weitere Kapitel hinzufügen.
Sollte Messi die Argentinier zum vierten WM-Coup nach 1978, 1986 und 2022 schießen, wäre es das erste Mal seit Brasilien 1962, dass eine Nation den Titel erfolgreich verteidigt. Obendrein winken zahlreiche persönliche Meilensteine. Kommt Messi zum Auftakt am Mittwoch (3.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Kansas City gegen Algerien zum Einsatz, wäre er nach Cristiano Ronaldo und Bader Al-Mutawa aus Kuwait erst der dritte Fußballer mit 200 Länderspielen.
WM-Rekordspieler (26 Einsätze) ist er natürlich längst, auf Miroslav Klose (16 Treffer) als Rekordtorschützen fehlen ihm drei Tore. "Es wird sicherlich eine ganz besondere Weltmeisterschaft werden, und das meine ich nicht nur für uns, seine Teamkollegen und das argentinische Volk, sondern für alle, die ihn beobachten und verfolgen, da er der beste Spieler aller Zeiten ist", sagte Messis Teamkollege Julian Alvarez.
Messi: Oberschenkelprobleme auskuriert?
Freilich ist Messi nicht mehr ganz das kaum fassbare Naturschauspiel von einst. Er nimmt sich Pausen, pustet durch, wie es einem Mann kurz vor den 40 zuzugestehen ist. Und er zockt seit 2023 bekanntlich bei Inter Miami in der MLS, die mit europäischem Top-Niveau nichts zu tun hat. Hier aber dominiert nach wie vor. In der abgelaufenen Saison gewann Messi den Titel gegen die Vancouver Whitecaps mit Thomas Müller, in der aktuellen Spielzeit steht er schon wieder bei zwölf Toren aus 14 Spielen.
Dass Messi aus Miami mit Oberschenkelproblemen zur allgemein verletzungsgeplagten Nationalmannschaft reiste, sorgte in der Vorbereitung durchaus für Verunsicherung. Sowohl fußballerisch als auch emotional ist, das ist kaum zu hoch gegriffen, ganz Argentinien auch 2026 auf ihn angewiesen. Als Messi er im letzten WM-Test gegen Island (3:0) schließlich für 20 Minuten zurückkehrte und gleich einen Elfmeter verwandelte, atmete das Land auf.
Sie brauchen ihn eben. Und er braucht den Fußball.
