Titelverteidiger Argentinien zählt erneut zum engsten Favoritenkreis, zumal es für Lionel Messi der letzte große Tanz mit der Albiceleste sein könnte. Auch Spaniens neue „goldene Generation“ wird nur schwer zu schlagen sein. Während England seine Qualifikation ohne ein einziges Gegentor meisterte, setzen Frankreich, Deutschland und die Niederlande auf ihre Turniererfahrung, um ein vorzeitiges Aus zu verhindern.
Unter den Teilnehmern finden sich vier Debütanten. Curaçao sicherte sich das Ticket durch ein torloses Remis gegen Jamaika. Mit nur 150.000 Einwohnern ist es das kleinste Land, das je an einer Endrunde teilgenommen hat – angeführt vom 78-jährigen Dick Advocaat, der als ältester Trainer der WM-Geschichte an der Seitenlinie stehen wird.
Neben Curaçao feiern auch Kap Verde, Jordanien und Usbekistan ihre Premiere auf der Weltbühne. Doch wer sind die echten Überraschungskandidaten, die den Großen gefährlich werden könnten?
Norwegens beeindruckender Siegeszug
Die furiose Qualifikation Norwegens fand fast unter dem Radar statt, verdient aber höchste Anerkennung. In einer Gruppe mit Italien setzten sich die Skandinavier souverän durch – gekrönt von einem 4:1-Sieg gegen die Azzurri. Damit qualifizierte sich das Team um Erling Haaland erstmals seit 28 Jahren wieder für eine WM.
Ähnlich wie England gewann Norwegen alle acht Gruppenspiele, erzielte dabei aber mit 37 Treffern die meisten Tore aller europäischen Teams. Ein Hauptgrund dafür ist Haaland, der mit 16 Treffern der erfolgreichste Torschütze der weltweiten Qualifikation war. Doch Norwegen ist längst keine One-Man-Show mehr.
Mit Alexander Sørloth und Jørgen Strand Larsen verfügt das Team über weitere gefährliche Angreifer. Zudem gilt Antonio Nusa als eines der größten Talente im Weltfußball und bildet zusammen mit Oscar Bobb ein Flügelduo, das jede Abwehr vor Probleme stellt. Gesteuert wird das Spiel von der Kreativität und dem Siegeswillen des Kapitäns Martin Ødegaard. In der Defensive sorgen Julian Ryerson, Kristoffer Ajer und Abräumer Sander Berge für die nötige Stabilität.
Ecuador: Das Bollwerk aus Südamerika
In Südamerika darf Brasilien froh über die Aufstockung des Teilnehmerfeldes sein, denn unter Carlo Ancelotti reichte es am Ende nur für Platz fünf. Damit die Seleção ein echter Titelanwalt wird, müssen Stars wie Vinícius Júnior und Top-Talent Estêvão zur Höchstform auflaufen.
Sowohl Ecuador als auch Kolumbien landeten in der Tabelle vor den Brasilianern. Besonders Ecuador könnte zum Überraschungspaket werden. Mit Moisés Caicedo haben sie einen der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt in ihren Reihen. Dahinter steht eine Abwehrwand aus Piero Hincapié, Willian Pacho und Joel Ordóñez, die in 18 Qualifikationsspielen lediglich fünf Gegentore zuließ. "La Tri schießt zwar selbst wenig Tore, ist aber taktisch extrem diszipliniert und wird oft unterschätzt.
Kolumbiens Routine und Uruguays Härte
Kolumbien beendete die Qualifikation direkt hinter Ecuador, erzielte mit 14 Treffern jedoch genau doppelt so viele Tore. Die Offensive ist eine spannende Mischung aus Erfahrung – angeführt von James Rodríguez – und hungrigen Spielern wie Luis Díaz, Jhon Durán und Richard Ríos.
Auch Uruguay unter Altmeister Marcelo Bielsa (70) ist ein heißer Kandidat für die K.o.-Runde. Trotz einer wechselhaften Qualifikation, die sie punktgleich mit Kolumbien und Brasilien abschlossen, gehört der Kader um Ronald Araújo, José María Giménez, Manuel Ugarte und Giorgian de Arrascaeta zu den robustesten des Turniers.
Ob einer dieser Geheimfavoriten tatsächlich den Thron stürzen kann, wird die Zeit zeigen. Eines ist sicher: Uns erwartet ein historisches Fußballspektakel.

